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30.10.2013

16:30 Uhr

Heidelberger Leben

Bewegung im Auffangbecken für Lebensversicherungen

VonKerstin Leitel

ExklusivDie Heidelberger Leben möchte stillgelegte Lebensversicherungen kaufen. Vorstandschef Sattler berichtet von regem Interesse aus dem Markt. Die Bafin steht dem Geschäftsmodell grundsätzlich offen gegenüber.

Die Heidelberger Leben: Das Unternehmen wurde vom Finanzinvestor Cinven und der Hannover Rück übernommen. PR

Die Heidelberger Leben: Das Unternehmen wurde vom Finanzinvestor Cinven und der Hannover Rück übernommen.

DüsseldorfDas Unternehmen Heidelberger Leben, möchte zukünftig stillgelegte Lebensversicherungsportfolios aufkaufen., es sieht Bewegung im Lager der gebeutelten deutschen Lebensversicherer. „Es haben uns zahlreiche Interessenten kontaktiert“, sagte Vorstandschef Michael Sattler im Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Der Markt stehe unter großem Druck – vor allem aufgrund der Niedrigzinsphase. Daher trennen sich immer mehr Versicherer von den entsprechenden Geschäftssparten.

Die Heidelberger Leben hat sich in diesem Jahr darauf spezialisiert, Portfolios von Lebensversicherern aufzukaufen, die kein Neugeschäft mehr betreiben wollen; Experten sprechen hier vom „Run-Off“-Geschäft. Der Finanzinvestor Cinven und der Rückversicherer Hannover Rück hatten zuvor das Unternehmen für rund die 300 Millionen Euro von der Lloyds Banking Group aufgekauft.

„Angesichts des heutigen Marktumfelds steht für manch einen Versicherer das Geschäft mit Lebensversicherungen nicht mehr im Fokus“, sagte Sattler. Kleine Portfolios zu übernehmen sei jedoch nicht sinnvoll. Man brauche eine kritische Masse. „Erst ab mehreren tausend Verträgen ist die Übernahme eines Portfolios sinnvoll.“

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin steht diesem Geschäftsmodell grundsätzlich offen gegenüber. „Run-Off-Plattformen sind nicht per se schlecht“, sagte Felix Hufeld, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht bei der Bafin. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten ist skeptischer: „Für die Kunden hat es meist Nachteile, wenn ein Versicherer in die Abwicklung geht“, sagt er dem Handelsblatt. „Wenn ein Versicherer nicht mehr neue Kunden anlocken muss, braucht er keine attraktiven Konditionen - sprich: keine hohe Überschussbeteiligung – ausloben.“

Kommentare (2)

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Matthias

31.10.2013, 10:38 Uhr

Der Lebensversicherungsmarkt befindet sich tatsächlich in einem schwierigen Umfeld. Das liegt z.B. auch daran, dass die Versicherungswirtschaft, durch den Kauf von deutschen Staatsanleihen, die wie wir alle wissen sehr niedrig verzinst werden, nur eine schlechte Performance erwirtschaften können. Hätten die Versicherer diese Käufe in Milliardenhöhe in den letzten Jahren nicht getätigt, stünde unser Land mit noch gigantischerer Verschuldung da. Herr Kleinlein weiss das alles natürlich auch, trotzdem erwegt er permanent den Eindruck, Versicherer seien alles Betrüger, nur auf ihren Vorteil ausgerichtet und würden nur die Kunden betrügen. Dabei müsste gerade er die Mitglieder im Bund der Versicherten dazu animieren, private Vorsorge zu treffen, denn er müsste wissen, dass die gute alte GRV nicht ausreichen wird, für eine überlebensfähige Altersrente.
Zumal Herr Kleinlein keine einzige Alternative zu langfristigen Versicherungsverträgen aufzeigen kann. Dies konnte man/frau life miterleben, als er von Maybrit Illner in deren TV-Sendung dazu befragt wurde. Peinliche Aussage damals: eigentlich könnten die Kunden gar nichts tun.
Besser wäre es über die dringende Notwendigkeit zur privaten Vorsorge zu sprechen um Altersarmut, gerade beu Frauen, zu vermeiden.



PhilippC

31.10.2013, 12:10 Uhr

Axel Kleinlein ist von Beruf her Skeptiker. Das ist auch am einfachsten. Konstruktiv sein ist schwieriger. Vor allem in der Niedrigzinsphase. Nach meinen Informationen hat die Heidelberger Leben den höchsten Anteil Ihres Bestandes in den Lebensversicherungen mit 4 % Garantiezins. Bevor sich jemand hier von außen einen großen Bestand daran sichert, ist es bestimmt keine schlechte Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und sich zu spezialisieren. Die Umsetzung ist wie immer entscheidend. Besser als durch aggressive Aufkäufer die Kontrolle über den Bestand zu verlieren.

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