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27.05.2011

19:00 Uhr

Heidelberger Leben

Lloyds sucht offenbar nach Käufer

Die britische Großbank Lloyds will sich Kreisen zufolge nach nur zwei Jahren offenbar wieder von der Heidelberger Leben trennen. Für Unklarheit sorgt bei den Bankern allerdings noch die Bewertung des Versicherers.

Lloyds bereitet wohl die Trennung von der Heidelberger Leben vor. Quelle: Reuters

Lloyds bereitet wohl die Trennung von der Heidelberger Leben vor.

FrankfurtDer Versicherer Heidelberger Leben steht Kreisen zufolge zum Verkauf. Die britische Großbank Lloyds suche einen Käufer für die auf fondsgebundene Lebensversicherungen spezialisierte ehemalige MLP Leben, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Finanzmakler MLP hatte die vor 20 Jahren gegründete Tochter 2005 für 300 Millionen Euro an die britische HBOS verkauft, nachdem fondsgebundene Policen nach dem Absturz der Aktienmärkte bei vielen Kunden in Ungnade gefallen waren. HBOS war 2009 von Lloyds aufgefangen würden.

Die Bewertung von Heidelberger Leben wirft allerdings auch bei Bankern Fragen auf. In Branchen- und Bankenkreisen hieß es, ihr Wert liege eigentlich bei rund einer Milliarde Euro, doch wären nur strategische Käufer bereit, so viel Geld hinzulegen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das realistisch kalkuliert ist", sagte ein hochrangiger Manager eines großen europäischen Versicherers.

Denn das Neugeschäft von Heidelberger Leben hält sich mit 63,3 Millionen Euro in Grenzen. Mit einem Bruttobeitragsvolumen von 691 Millionen Euro und 4,3 Milliarden Euro Vermögenswerten gehörte Heidelberger Leben 2010 zu den kleineren unter den 120 deutschen Lebensversicherern. Doch der Policenbestand der 300.000 Kunden könnte auf die Abwicklung von Verträgen spezialisierte Firmen wie die britische Resolution oder die Swiss-Re-Tochter Admin Re interessieren.

Belastet werden könnte ein solcher Verkauf auch von Auflagen der Versicherungsaufsicht BaFin, die auf derartige Transaktionen ein Auge wirft und von einem Käufer etwa zusätzliche Garantien verlangen kann, um die Versicherten zu schützen.

Auf einen Versicherer, der mit Heidelberger Leben in den überbesetzten deutschen Markt vordringen will, zu hoffen, dürfte vermessen sein: "Aus meinen Gesprächen in den letzten 24 Monaten weiß ich, dass ihre Zahl sehr begrenzt ist", sagte ein Investmentbanker. Erste, unverbindliche Gebote für Heidelberger Leben seien in vier bis sechs Wochen fällig, sagten zwei Banker. Lloyds will am 30. Juni die Ergebnisse einer umfassenden Strategie-Überprüfung verkünden. Am Freitag wollten sich Lloyds und Heidelberger Leben nicht äußern.

Von

rtr

Kommentare (1)

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neulig

30.05.2011, 11:14 Uhr

Wer sich die letzten BaFin Zahlen (2009) von Heidelberger Leben anschaut, kann sich nur wundern, dass jemand bereit ist HD-Leben für mehrere hundert Millionen Euro zu kaufen. Die Rendite bei klassischen LVs liegt seit Jahren unter 2% für die Kunden, die Kosten für die Kunden sind ein Vielfaches der Konkurrenz. Kaum ein echter Makler verkauft diese Policen. Vor allem MLP-Berater machen dies (immer noch?) bzw. machten dies, warum auch immer (hohe Provisionen? Incentives?). Aber auch MLP-Berater haben anscheinend erkannt, dass man den Kunden kaum Freude damit bereitet. Zumindest sind die Stornoquoten 2009 stark angestiegen (Früh-Storno von ca. 42% des Neugeschäfts auf ca. 112%!). M. E. sind die vermeintlichen zufriedenen Kunden tickende Zeitbomben, von denen viele früher oder eben auch später erkennen werden, dass sie eine der teuersten Versicherungen mit einer der schlechtesten Renditen in Deutschland haben (zumindest in den letzten 5 Jahren laut BaFin – Stand 2009).

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