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15.12.2011

20:01 Uhr

Hilfe bei Schadenabwicklung

Software soll Versicherungsbetrug aufspüren

VonHolger Alich

Manipulierte Schäden kosten die Branche Milliarden. Um Betrüger zu entlarven, setzen Versicherer wie die Zurich zunehmend auf Spezial-Software. In Deutschland hat die Branche sogar eine gemeinsame Verdachts-Datenbank.

Um Versicherungsbetrug, etwa mit fingierten Betriebsbränden, zu verhindern, setzen immer mehr Unternehmen auf spezielle Software. dpa

Um Versicherungsbetrug, etwa mit fingierten Betriebsbränden, zu verhindern, setzen immer mehr Unternehmen auf spezielle Software.

ZürichWas hat eine Weltmeisterschaft mit Versicherungsbetrug zu tun? Ganz einfach, vor jedem großen Fußball-Turnier gehen bei den Versicherern vermehrt Schadenmeldungen ein, TV-Geräte seien durch Überspannung zerstört worden. Und wenn Apple eine neue Generation seines iPhones auf den Markt bringt, steigt plötzlich die Zahl der Handy-Diebstähle.

Obwohl die Versicherer das Phänomen kennen, kommen sie oft nicht hinter den Betrug. Denn um Kosten zu sparen, wurde die Schadenabwicklung industrialisiert. Meldet ein Kunde mehrere Schäden, so dürfte er damit kaum beim selben Sachbearbeiter landen.

Daher setzt die Branche nun verstärkt auf Spezialisten-Software. Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial Services, kurz Zurich, will seine Anti-Betrugs-Software jetzt weltweit einführen. Das Programm stammt vom Software-Haus Detica, einer Tochter des britischen Rüstungsriesen BAE Systems.

„Die Programme registrieren bei der Schadenbearbeitung über 100 Indikatoren, die auf einen Betrug hinweisen könnten“, erklärt Roland Wörner, Leiter der Anti-Betrugsabteilung der Zurich. Beispiel: In einem Betrieb bricht Feuer an einem arbeitsfreien Tag aus, die Brandursache ist unbekannt, es gibt keine Zeugen und der Kunde hat Probleme, seine Prämien zu zahlen.

In Deutschland, der Schweiz und Großbritannien setzt die Zurich solche Software bereits ein. „Sie soll vor allem dabei helfen, Verbindungen zwischen Schäden aufzudecken“, erklärt der Zurich-Experte, der vor seinem Wechsel in die Versicherungswirtschaft Polizist war. So gingen bei der Zurich in Großbritannien vier Autoschäden ein, die für sich genommen keinen Verdacht auslösten und nichts miteinander zu tun zu haben schienen.

Doch der Software fiel auf, dass bei allen vier Schäden immer dieselbe Handy-Nummer auftauchte. „Das war die Nummer des Kopfes des Netzwerks, der half, die Schäden zu fingieren“, so Wörner.

Versicherungsbetrug befolgt gewisse Zyklen. „In wirtschaftlich schlechteren Zeiten wird vermehrt versucht, etwas Geld aus Versicherungen rauszuholen“, sagt Thomas Leicht, Vorstand der Gothaer Versicherung und Leiter der Kommission Kriminalitätsbekämpfung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Kommentare (2)

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jstreich

15.12.2011, 23:03 Uhr

Diese Betrugsunterstellung geht bei manchen Versicherern (Zurich) soweit, dass auch bei kleinen Schäden nicht mehr bezahlt wird. Sie spielen damit ihre Dominanz aus, denn der Rechtsschutz kostet auch erstmal ca. 100 Euro.
Die Masche der Zurich geht damit auf, der "kleine" Geschädigte knickt ein. Rechtsanwalt und Gericht lohnen nicht. Ich werde diesen Betrüger auf der Versicherer Seite jedenfalls niemanden weiter empfehlen. Das ist sicher.

Kattskralle

02.04.2012, 12:55 Uhr

Es ist halt eine Gratwanderung. Sind die Versicherer "zu scharf" und verärgern auch ehrliche Kunden - dann geht das zu Lasten des Geschäfts. Sind die Versicherer "zu lasch" und öffnen Betrügern Tür und Tor - dann geht das wiederum über teurere Policen zu Lasten der ehrlichen Kunden und damit zu Lasten des Geschäfts.

Und da wäre ja noch zu ergänzen daß Versicherungsbetrug heute ja auch längst ein "graues Gewerbe" geworden ist. Als ich mir neulich für die Reparatur eines eigentlich klassischen Kfz-Teilkaskoschaden einen Kostenvoranschlag von einer Werkstatt machen ließ - und sich im nachfolgenden Gespräch herausstellte daß ich nicht über einen Versicherer abrechnen kann - wurde das Angebot umgehend bei identischem Leistungsumfang erheblich billiger.
Auch ein Grund warum sich das Versichern überschaubarer Risiken vielfach einfach nicht rechnet. Die Prämien auf einem virtuellen Depot-Unterkonto angelegt - bringt letztendlich sogar mehr Sicherheit. Und diese Versicherung leistet immer und ganz ohne Papierkram.

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