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11.06.2012

19:49 Uhr

Historisch niedrige Zinsen

Europas Versicherern bröckelt das Kapital weg

Die anhaltenden Niedrigzinsen beginnen nach Erkenntnissen der Regulierer an den Rücklagen von Europas Versicherern zu nagen. Kopfzerbrechen bereiten auch die Pensionspläne in Großbritannien und in den Niederlanden.

Firmensitz der Münchener Rück dpa

Firmensitz der Münchener Rück

FrankfurtDer positive Trend der vergangenen Jahre habe sich zuletzt in sein Gegenteil verkehrt, und das schlage sich sowohl in den Eigenmittelquoten als auch in den Gewinnen und teilweise sogar in den Prämieneinnahmen nieder, schlug die Versicherungsaufsicht EIOPA am Montag in ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht Alarm. Zwar lägen die Solvabilitätsquoten - die Kennzahl für die Kapitalausstattung in der Branche - der größten 20 europäischen Versicherer noch immer bei mehr als dem Doppelten des geforderten Minimums. Doch ihre Quoten hätten bereits „leicht zu sinken begonnen“, heißt es in dem Bericht.

Die historisch niedrigen Zinsen auf sichere Anlagen machen der Frankfurter EU-Aufsicht Sorgen. „Obwohl der Sektor mit diesen Herausforderungen noch für geraume Zeit zurechtzukommen scheint, wird die EIOPA die Lage weiterhin genau beobachten“, heißt es in dem Bericht. Wenn die Regierungen in Europa daran scheiterten, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen und dies die Konjunktur stark belaste, litten darunter kleinere, nationale Versicherer. Wenn sich die Lage in Griechenland zu einer Währungskrise auswachse und die Märkte erschüttere, wären auch die Großen der Branche betroffen. Zu ihnen gehören etwa die Allianz, die französische Axa und die italienische Generali.

Die Rückversicherer, allen voran die Münchener Rück, haben die Rekordserie von Naturkatastrophen im vergangenen Jahr nach dem Bericht dagegen gut überstanden. Die Branche habe sich vorher große Kapitalpuffer aufgebaut und von der Erholung der Märkte profitiert. Ihre starke Kapitalbasis sei deshalb nur wenig abgeschmolzen, und die Rückversicherer verzeichneten noch zunehmende Kapitalzuflüsse.

Kopfzerbrechen machen der EIOPA die Pensionspläne, wie sie etwa in Großbritannien und den Niederlanden üblich seien. Dort werden die auszuzahlenden Renten im Vorhinein garantiert, doch nun haben es die Versicherer schwer, die Versprechen einzuhalten, weil sie selbst aus den sicheren Anlagen, die den Pensionsplänen zugrunde liegen, zu wenig erwirtschaften. Die britische Aufsicht hat den betroffenen Unternehmen bereits ein Sanierungsprogramm auferlegt.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Realist

11.07.2012, 06:25 Uhr

Ups da sind nun alle erstaunt. Die Versicherer bekommen Probleme. Wenn ich als Sparer mit 2,5% Zinsen nicht mal die Inflation schlage wie sollen es dann die Versicherer machen?
Da hilft dann nur eines: Ein staatlicher Rettungsfonds damit die vielen milionen Menschen wenigstens ihr eingezahltes Geld zurückbekommen. Dann haben die Vorstände wieder gute Arbeit geleistet. In guten Zeiten hohe Tantieme erhalten und wenn es brenzlig wird den Job behalten. Auch mit einer hohen Tantieme. Das alles zahlt ja der Steuerzahler und ist dabei noch glücklich eine tüchtige Regierung zu haben die ihm das optimale am Restgeld - aus der Konkursmasse- herausholt.

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