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30.04.2014

13:11 Uhr

Infinus-Affäre

Munich Re watscht Tochter Ergo ab

Große Naturkatastrophen blieben aus, doch die niedrigen Zinsen belasten den Rückversicherer Munich Re. Zudem drücken Negativschlagzeilen der Tochter Ergo bei der Hauptversammlung auf die Stimmung.

Ernste Miene: Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard ärgert sich über dubiose Geschäfte der Konzerntochter Ergo. AP/dpa

Ernste Miene: Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard ärgert sich über dubiose Geschäfte der Konzerntochter Ergo.

München Nikolaus von Bomhard ist verärgert. Genau zur Hauptversammlung der Munich Re sorgt eine Konzerntochter für negative Schlagzeilen: Bis vergangenen Herbst hatte der Erstversicherer Ergo Millionengeschäfte mit der Skandalfirma Infinus betrieben – trotz interner Warnungen. Das hatte die digitale Tageszeitung „Handelsblatt Live“ unter Berufung auf einen Berichtsentwurf der Ergo-Konzernrevision und Aussagen beteiligter Personen berichtet.

„Ergo hatte ein gutes Jahr und deswegen ärgert es mich, was Sie – wenn Sie es denn taten – im Internet lesen konnten“, sagte von Bomhard, Chef des Dax-Konzerns, am Mittwoch bei der Hauptversammlung vor 3500 Aktionären in München. „Es ist für mich enttäuschend, dass die Geschäftsbeziehung nicht gleich abgebrochen wurde, als ernste Zweifel am Geschäftsmodell bekannt wurden.“ Man müsse sich auch fragen, warum Wettbewerber vor der Munich Re reagiert haben. Nun sollen die Vorgänge „konsequent aufgearbeitet“ werden.

Von Bomhard nahm damit absehbare Aktionärskritik vorweg. „Es gibt anscheinend keinen Fettnapf, in den in Düsseldorf nicht irgendeiner hineintappt“, schimpfte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger in seiner Rede. Die Munich Re müsse bei Ergo Konsequenzen ziehen. Der Konzern aus Düsseldorf hatte in der Vergangenheit schon mit Luxusreisen und Bordell-Besuchen seiner Versicherungsvertreter Schlagzeilen gemacht.

Niedrige Zinsen und scharfer Wettbewerb

Auch die Zahlen dürften von Bomhard nicht vollends glücklich machen. Denn die Munich Re, weltgrößter Rückversicherer, ist trotz geringer Katastrophenschäden voraussichtlich mit etwas weniger Gewinn ins Jahr gestartet als 2013. „Insgesamt dürfte das Ergebnis des ersten Quartals bei etwa 900 Millionen Euro liegen“, sagte von Bomhard. Ein Jahr zuvor hatte die Munich Re unter dem Strich 972 Millionen Euro verdient – Analysten hatten auch diesmal mit mehr als 950 Millionen gerechnet. Der Rückversicherer bekommt zunehmend die niedrigen Marktzinsen und den scharfen Wettbewerb um Kunden zu spüren.

Das Quartalsergebnis könne man nicht einfach auf das Gesamtjahr hochrechnen, warnte von Bomhard. In den ersten drei Monaten habe es kaum Großschäden gegeben. Für 2014 peilt er weiterhin einen Überschuss von 3 Milliarden Euro an. Das wären rund zehn Prozent weniger als die 3,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Dabei hatte der Dax-Konzern allerdings von einer niedrigen Steuerquote profitiert. Detaillierte Quartalsergebnisse will er am 8. Mai veröffentlichen.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Für das Gesamtjahr geht von Bomhard weiterhin davon aus, dass der Gewinn auf drei Milliarden Euro sinkt. 2013 waren es 3,3 Milliarden Euro, auch wegen Sondereffekten wie ungewöhnlich niedriger Steuerlasten. „Diese Effekte werden sich 2014 nicht wiederholen.“ Das Ziel für 2014 sei zwar ambitioniert angesichts der sinkenden Rendite auf Kapitalanlagen und einer wieder normalen Steuerbelastung, sagte der Vorstandschef – aber „aufgrund der Qualität und Profitabilität unseres Kerngeschäfts“ erreichbar.

In den Verhandlungen mit Rückversicherungskunden machten sich bis Anfang April die erwarteten Preiskämpfe bemerkbar. „Wir können uns von diesem Trend nicht vollständig abkoppeln“, sagte von Bomhard. Er verwies darauf, dass sich zunehmend branchenfremde Investoren wie etwa Hedgefonds mit den Rückversicherern um das Geschäft balgen. „Diese Beobachtungen treffen leider zu und wir nehmen sie sehr ernst. Schon lange haben wir einen derart intensiven Wettbewerb nicht mehr gesehen“, betonte der Manager.

„Aber wir haben eben auch gesehen, dass Munich Re von diesen zyklischen Marktbewegungen weniger betroffen ist als der Markt insgesamt“, sagte von Bomhard. Zuversichtlich stimme ihn, dass die Munich Re anders als einfache Investoren bei der Kundschaft – den Erstversicherern – mit Fachwissen und maßgeschneiderten Angeboten punkten könne. Das habe sich bei der Erneuerungsrunde im Januar gezeigt.

Mehr über die Hauptversammlung lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Handelsblatt Live.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 14:12 Uhr

Die Fukushima Kosten wurden wie gewohnt ausgeblendet: indes, sie bleiben.

Account gelöscht!

02.05.2014, 19:07 Uhr

Oh, v.Bomhard schimpft mit der ERGO!
So langsam darf man sich ernsthaft fragen, warum er nicht endlich Konsequenzen zieht und in dem Laden mal gründlich aufräumt.
Auf seinem Schreibtisch sind bereits mehrmals ernsthafte Hinweise gelandet.
Leider werden diese zur Bearbeitung an die Herren der ERGO weitergeleitet, die tief in diverse Skandale verstrickt sind.
Sozusagen macht v.Bomhard hier den Bock noch zum Gärtner...
Die Öffentlichkeit darf gespannt sein, wann die Party bei der ERGO endlich mal richtig platzt und wirklich alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Account gelöscht!

05.05.2014, 11:37 Uhr

Sie müssen daran denken, dass die Münchner einen "vorgeschobenen Posten" auf dem Präsidentenstuhl der BaFin haben. Die soll jetzt dafür sorgen, dass die Bewertungsgewinne aus den Lebensversicherungen nicht dem Kapitalgeber, dem Versicherten, sondern der Versicherung zufließen.

Da sind und werden seitens der Versicherungsvorstände noch ordentlich Bonusschätze zu ihren eigenen Gunsten gehoben.

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