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10.05.2011

06:40 Uhr

Interne Risikostreuung

Strategie der Munich Re ist nicht aufgegangen

VonThomas Schmitt

Die Strategie des zweitgrößten deutschen Versicherungskonzerns lautet: Wenn ein Bereich der Munich Re schwächelt, dann müssen die anderen Sparten dies auffangen. Diese Risikostreuung ist diesmal nicht aufgegangen.

Die Strategie des zweitgrößten deutschen Versicherungskonzerns lautet: Wenn ein Bereich der Munich Re schwächelt, dann müssen die anderen Sparten dies auffangen. Diese Form der konzerninternen Risikostreuung ist zumindest im ersten Quartal 2011 nicht aufgegangen.

Die Sparte Rückversicherung, also das Geschäft mit anderen Versicherern, muss gewaltige Verluste verkraften. Die Erdbeben in Neuseeland und Japan sowie die Überflutungen in Australien kosten den Spezialisten für Großrisiken 2,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich bedeutete dies fast eine Milliarde Verlust im Quartal. Das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro für dieses Jahr hatte das Management schon im Vorfeld des gestrigen Quartalsberichts kassiert. Auch das neue Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 500 Millionen Euro wurde vorerst gestoppt. Schließlich könnte das Jahr noch weitere Katastrophen bringen, etwa durch Hurrikans über dem Atlantik. Und die Schäden in Asien und Australien müssen auch bezahlt werden. Das schafft Munich Re zwar ohne größere Probleme, doch solche Milliardenlasten gehen selbst am kapitalstärksten Rückversicherer der Welt nicht spurlos vorbei.

Da wäre es mit Blick auf die Dividende schön gewesen, wenn das zweite Standbein sich wenigstens gut entwickeln würde. Das ist die Erstversicherung, also das direkte Geschäft mit Privatleuten und Firmen. Verkauft werden da Lebens-, Kranken- und Sachversicherungen. Die Tochter Ergo ist hierzulande nach der Allianz der zweitgrößte Erstversicherer, doch längst nicht so profitabel. Das zeigte sich einmal mehr im ersten Quartal. Ergo selbst wies 15 Millionen Euro Gewinn aus und sorgte damit in keiner Weise für den Ausgleich, den sich das Management in schwierigen Zeiten für die Rückversicherung eigentlich wünscht.

Die Gründe dafür sind zahlreich. Dieses Mal belastete das Auslandsgeschäft, auf das das Management so große Hoffnungen für die Zukunft setzt. Zudem sinken die Umsätze in der Lebensversicherung, weil die Zinsen steigen. Schließlich beeinträchtigen auch immer wieder technische Effekte das Ergebnis der Ergo, dieses Mal waren es Kosten für Zinsabsicherungsgeschäfte.

Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass Munich Re ohne einen schwachen Erstversicherer auf Dauer besser aufgestellt wäre. Weil das Management diese Debatte kennt, dementierte es schon mal vorsichtshalber Unzufriedenheit mit Ergo. Die Düsseldorfer müssen nun liefern: 450 bis 550 Millionen Euro Gewinn, lautet die Ansage.


Kommentare (1)

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Knotx

16.05.2011, 13:07 Uhr

450 bis 550 Mio. € Gewinn? Den machen wohl eher die teuren Werbeagenturen und Berater, die ERGO empfohlen haben, sich auf den Weg zu Deutschlands bester Versicherung zu begeben. ;-)

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