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25.01.2016

14:51 Uhr

Iran

Deutsche Unternehmer sollten kein „El Dorado“ erwarten

Nach dem Ende der Sanktionen bietet der Iran deutschen Exporteuren riesige Chancen, urteilt eine Studie. Kurzfristig dürften die Unternehmen aber kein „El Dorado“ erwarten, meint der Kreditversicherer Euler Hermes.

Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran hoffen vor allem deutsche Exporteure auf neue Geschäfte. Dass aber „sofort das Gold auf der Straße liegt“, sollte keiner kurzfristig erwarten, sagt der Chefvolkswirt der Euler-Hermes-Gruppe, Ludovic Subran. dpa

Alter Basar in Teheran

Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran hoffen vor allem deutsche Exporteure auf neue Geschäfte. Dass aber „sofort das Gold auf der Straße liegt“, sollte keiner kurzfristig erwarten, sagt der Chefvolkswirt der Euler-Hermes-Gruppe, Ludovic Subran.

BerlinDer Iran bietet der deutschen Wirtschaft nach einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes zwar riesige Chancen, ein „El Dorado“ sollten die deutschen Unternehmen aber nicht erwarten.

„Die wirtschaftlichen Potenziale im Iran sind groß, gerade auch für deutsche Exporteure“, erklärte der Chefvolkswirt der Euler-Hermes-Gruppe, Ludovic Subran, am Montag. Dass aber nach der Aufhebung der Sanktionen wegen des beigelegten Atomstreits „sofort das Gold auf der Straße liegt“, sollte keiner für die nahe Zukunft meinen.

Einen Finanzdienstleistungssektor gebe es momentan kaum. Auch muss dem Versicherer zufolge zunächst mit erheblichen Währungs- und Kreditrisiken und auch politischen Risiken gerechnet werden.

Mittel- und langfristig hält Euler Hermes den Iran mit seinen 80 Millionen potenziellen Kunden aber dennoch für hochinteressant. Für die deutsche Wirtschaft spreche, dass sie in den Branchen besonders stark sei, in denen im Iran hoher Nachholbedarf und daher steigende Nachfrage zu erwarten seien. Das gelte für Bereiche wie Nahrung, Medizin, Waschmaschinen, Autos, Produktionsanlagen und Infrastruktur.

Atomdeal mit Iran: Milliardengeschäfte für „Made in Germany“?

Was erwartet die deutsche Wirtschaft?

„Deutschland wird zusammen mit Frankreich und Italien zu den Ländern gehören, die mehr von der Einigung profitieren als andere“, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden für möglich. „Das Land hat einen Riesennachholbedarf“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, der am Dienstag in diesem historischen Moment passenderweise in Teheran ist, der Deutsche Presse-Agentur. Derzeit seien im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kämen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Sind jetzt alle Probleme gelöst?

Nein, denn die Sanktionen sollen schrittweise abgebaut werden. „Das Embargorecht für das Irangeschäft weiterhin bleibt damit relevant. Das kann im Detail viele Hemmnisse bedeuten“, erklärt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hinzu kommt: Auch wenn das Abkommen in den USA angenommen wird, muss US-Präsident Barack Obama dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Andernfalls dürfte der Kongress schnell neue Sanktionen erlassen. „Der US-Kongress wird versuchen, die Unsicherheit zu bewahren“, sagt Perthes.

Welche Rolle spielen deutsche Banken?

Wie teuer Ärger mit den USA werden kann, erlebte jüngst die Commerzbank. Das Institut musste für einen Vergleich mit US-Behörden insgesamt 1,45 Milliarden Dollar hinblättern, um ein Verfahren wegen Geldwäsche und Geschäften mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran beizulegen. Wirtschaftsverbände wie der VDMA fordern nach dem Durchbruch von Wien, dass die Banken jetzt rasch reagieren: „Wenn die Finanzinstitute trotz des klaren Politikwechsels ihre eigene Geschäftspolitik weiterhin nicht anpassen, lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen“, warnt VDMA-Exportchef Ulrich Ackermann.

Wie stark sind die Wettbewerber in dem Land?

Insbesondere die Konkurrenz aus China profitierte von den Sanktionen, die die USA und die EU verhängt hatten. Gerade einmal 6,3 Prozent der Importe stammen derzeit noch aus Deutschland, Chinas Anteil liegt nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes mit 15 Prozent etwa doppelt so hoch. Aber: „Iraner haben chinesische Produkte nicht gekauft, weil sie das wollten, sondern weil Alternativen fehlten“, sagt Perthes.

Welche Branchen könnte besonders von der Einigung profitieren?

„Die Modernisierung der Ölindustrie und anderer Branchen ist ein spannender Markt vor allem für den Maschinenbau“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Gefragt sind nach Einschätzung Perthes vor allem Turbinen, Kraftwerke, Lastwagen und Technologien zur Ölexploration „Made in Germany“. Nach Berechnungen von Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran fehlen Iran von 2011 bis heute Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. „Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen“, sagt Subran.

Wie stark ist die Konkurrenz inzwischen in dem Land?

Deutlich haben sich zum Beispiel die Verhältnisse im Maschinen- und Anlagenbau verschoben. Einst lag die deutsche Schlüsselindustrie mit einem Marktanteil von 30 Prozent auf Rang eins. Inzwischen dominieren chinesische Exportunternehmen. Maschinen im Wert von gut 5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Iran exportiert. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland und 2,3 Milliarden Euro auf China. „Selbst im Optimalfall wird der chinesische Maschinenbau bei mehr als 10 Prozent Marktanteil bleiben, Korea wird seine neu gewonnenen Prozente hart verteidigen, und nicht zu vergessen - die USA sind wieder im Spiel“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich. Ein Marktanteil von 15 bis 20 Prozent für den deutschen Maschinenbau wäre daher ein großer Erfolg.

Quelle: dpa

Wie der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält auch Euler Hermes eine Verdopplung der deutschen Exporte in den Iran auf etwa fünf Milliarden Euro für machbar – trotz großer Konkurrenz durch China. Zugleich warnt der Versicherer vor einer Reihe großer Risiken. So könnten die Sanktionen im Finanzbereich erst mit zuletzt aufgehoben werden. „Derzeit fehlen im Iran jedoch Finanzdienstleistungen wie Banken und Versicherungen“, sagte Subran.

Unsicherheiten drohten auch von der Währungsseite. „Derzeit herrscht im Iran ein einziges Währungschaos – das wird auch beim Aufheben der Sanktionen zunächst weiterbestehen“, erklärte der Versicherer. Hinzu kämen Bürokratiehürden und Bonitätsprobleme bei iranischen Partnern. Ohne eine Absicherung sei dieses Risiko „enorm“.

Von

rtr

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