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17.11.2011

13:44 Uhr

Jahrestagung

Schäuble will Ansteckung der Banken und Versicherer verhindern

VonMichael Detering

Der Finanzminister macht sich Sorgen um die Folgen der Schuldenkrise für die Finanzinstitute. Die Versicherer sehen sich vergleichsweise gut gegen die Krise gerüstet.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt. dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat davor gewarnt, dass sich die Schuldenkrise nicht auf die Banken und die Versicherer übertragen darf. "Wir müssen Ansteckungseffekte abwehren", sagte Schäuble auf dem Versicherertag des Branchenverbandes GDV in Berlin. Es gebe Anzeichen, dass die Schuldenkrise nicht nur die Banken, sondern auch die Versicherer treffen könne.

Schäuble verwies auf Untersuchungen der Bafin, wonach das Engagement in EU-Anleihen nicht zu vernachlässigen sei. Außerdem seien bis zu 55 Prozent der Kapitalanlage bei den Banken investiert. "Diese Verflechtungen müssen wir im Auge behalten", sagte Schäuble.

Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen, sieht die Versicherer vergleichsweise gut aufgestellt. "Es wird ja oft von einem Dominoeffekt gesprochen", sagte Hoenen. "In diesem Dominospiel wären Versicherer sicher nicht vorne in den ersten Reihen beim Umfallen." Falls aber wirklich alle Steine umfallen würden und nirgendwo die Kette unterbrochen werde, dann gelte natürlich auch für die Versicherer das Sprichwort: "Wenn der Himmel einstürzt, dann sind alle Spatzen tot."

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Der EU-Kommissar Michel Barnier deutete an, dass es künftig im Aufsichtsrecht Änderungen bei der Bewertung von Staatsanleihen geben könnte. "Das ist eine sehr wichtige Frage, sie richtet sich sowohl an die Banken als auch an die Versicherer." Bisher sieht weder das Aufsichtsrecht für die Banken (Basel III) noch für die Versicherer (Solvency II) vor, dass die Finanzkonzerne für Staatsanleihen Kapital vorhalten, da Staatsanleihen bisher als risikofrei galten.

Konkrete Änderungsvorschläge oder einen Zeitplan nannte Barnier nicht. "Wir werden in den nächsten Monaten an diesem Projekt arbeiten", sagte der EU-Politiker. Wichtig sei, dass man Lösungen auf internationaler Ebene über die EU hinaus finde.

Kommentare (2)

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Mazi

17.11.2011, 21:30 Uhr

Als oberster Chef der BAFin ist es ohnehin seine Aufgabe, Banken und Versicherer im Auge zu halten und falls erforderlich einzugreifen.

Was die BASEL-Regulierungen angeht, stellt sich die Frage wessen Baby denn das war? Das können doch keine Fachleute gewesen sein. Da gibt es also eine Aufsichtsregel, BASEL, die die Eigenkapitalunterlegungen also "vor Risiken" definierte.

Alle Verantwortlichen versetzen und arbeiten lassen, bis sie den angerichteten Schaden ersetzt haben. Übrigens der Vorgänger von Herrn Schäuble, also Herr Steinbrück hat sich schon zum Arbeitsdienst zurück gemeldet. Der will es künftig noch dicker treiben. Er will Kanzler werden. Wahrscheinlich will er - wie Schröder - auch nach einem Goldklumpen greifen, den er sich in seiner "neuen" Amtszeit zurecht legen will.

"Gott bewahre schütze unser Land!

Mazi

23.11.2011, 12:03 Uhr

Die beste Abwehr scheint wohl darin zu bestehen, die wichtigen Schaltposten mit Personen zu besetzen, denen man zutraut, die Krise bewältigen zu können. Auf jeden Fall traut man es auch seitens der Politik den jetzigen Besetzungen nicht zu.

Das ist jedoch einseitig gedacht. Auf den Unternehmen lastet nämlich eine noch viel größere Bürde, nämlich die, dass man es den amtierenden Politiker nicht mehr zutraut.

Herr Schäuble: "Time is over" oder russisch: "Wer zuspät kommt, den bestraft das Leben."

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