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26.09.2011

08:18 Uhr

Jede Zweite in Gefahr

Vielen Krankenkassen droht die Insolvenz

VonPeter Thelen

ExklusivFast die Hälfte der Krankenkassen steht vor der Insolvenz. Nach einem geheim gehaltenen Bericht des wissenschaftlichen Beirates können vielen Kassen ihre Ausgaben bald nicht mehr decken.

Versichertenkarten der gesetzlichen Krankenkassen. dapd

Versichertenkarten der gesetzlichen Krankenkassen.

BerlinDer seit 2009 geltende krankheitsorientierte Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen weist erhebliche Schwächen auf. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirats, das seit vier Monaten unter Verschluss gehalten wurde. Die Reform habe den seit den 1990er-Jahren praktizierten Ausgleich zwar zielgenauer gemacht. Bei vielen Krankenkassen decke er aber nicht die Ausgaben.

„Auf Einzelkassenebene reicht die Spanne der Deckungsquoten von 90,6 bis 124,8 Prozent“, heißt es in dem fast 250 Seiten langen Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Dies bedeutet: Es gibt Kassen, die rund ein Viertel mehr über die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhalten als sie brauchen. Andere laufen nur deshalb ins Defizit, weil sie für ihre kranken Versicherten zu wenig Geld bekommen.

Nach Ansicht von Thomas Dabrinski, Leiter des Instituts für Mikrodatenanalyse in Kiel, „zeigt der Evaluationsbericht, dass im Ergebnis der Gesundheitsfonds zu einer Einheitskasse führen wird“. Nach den Daten befinde sich nämlich bereits heute „etwas weniger als die Hälfte aller Krankenkassen in konkreter Insolvenzgefahr, da ihre Ausgaben nicht zuverlässig durch Zuweisungen des Bundesversicherungsamts gedeckt werden können, weder kurz- noch mittel- und langfristig,“ so Dabrinski. Der Beirat spricht sich für Reformen des Ausgleichs aus.

Pläne der Koalition, den Finanzausgleich abzuspecken, indem statt der Kosten von 80 Krankheiten nur noch 50 oder 30 berücksichtigt werden, lehnten die Gutachter ab. Dies könnte ein Grund sein, warum Gesundheitsminister Daniel Bahr das von seinem Vorgänger Philipp Rösler angeforderte Votum bislang unter Verschluss hält.

Kommentare (19)

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Thomas-Melber-Stuttgart

26.09.2011, 08:31 Uhr

Eine KV mit ausreichenden Grundleistungen, ggf. steuerfinanziert, ist völlig ausreichend. Zusatzleistungen können dann über die PKVen abgeschlossen werden.

Account gelöscht!

26.09.2011, 08:57 Uhr

Korrekt! Was soll der Blödsinn... Da sich die Kassen weder in Beitrag noch (großartig) in der Leistung unterscheiden, können wir sie alle (bis auf zwei drei...) dicht machen!!!

Account gelöscht!

26.09.2011, 09:24 Uhr

Was passiert, wenn eine 'Mono'-Wirtschaft vorherrscht, läßt sich am öffentlich-rechtlichen 'Plünderfunk' - von Politikern auch gerne Rundfunk genannt, weil man dort altgediente Parteifunktionäre lukrativ entsorgen kann - nachdrücklich abzulesen: beschissene Leistung und stetig steigender Preis - man könnte das auch als Selbstbedienung bezeichnen.

Der richtige Weg wäre die Abschaffung des Finanzausgleiches zwischen den Krankenkassen bei gleichzeitiger Festlegung der Mindestleistungen. Wenn jede Kasse jeden Bürger zu jedem Zeitpunkt aufnehmen muß, ist das auch kein Problem. So würden wir einen Wettbewerb zwischen wenigen, aber leistungsfähigen Kassen erhalten. Um den Rest wäre es nicht schade.

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