Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.06.2011

13:29 Uhr

Katastrophen

„Bei hohen Schäden steigen die Versicherungspreise“

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re lässt sich nicht so leicht erschüttern. Vorstand Ludger Arnoldussen vertraut auf Wahrscheinlichkeiten und die Streuung von Risiken. Und darauf, dass die Prämien nach großen Katastrophen hoch gehen.

Munich Re-Vorstand Ludger Arnoldussen bleibt gelassen. Quelle: Pressefoto

Munich Re-Vorstand Ludger Arnoldussen bleibt gelassen.

Handelsblatt: Herr Arnoldussen, die Japan-Katastrophe war sehr teuer für die Munich Re. Fürchten Sie jetzt als nächstes ein richtig gewaltiges Beben in Tokio?

Arnoldussen: Furcht ist ein schlechter Ratgeber. Naturkatastrophen sind unser Geschäft. Die Schicksale der Menschen gehen uns natürlich nahe, aber wir fürchten uns nicht.

Wie bitte? Sie berichten von neuen Spannungen in der Erde. Und das jüngste Beben kostet die Munich Re ja schon 1,5 Milliarden Euro. 

Ja, das ist alles richtig. Nach so einem Beben bauen sich an der einen Stelle Spannungen ab und anderswo auf. Doch wir vertrauen auf unsere Modelle, wir kennen die Risiken. Ein Beben in Tokio würde uns höchstens zwei Milliarden Euro kosten. Das ist viel, aber dafür sind wir ja auch da. Wir glauben, dass sich die Wahrscheinlichkeit für ein Größtbeben in Tokio jetzt nicht erhöht hat.

Wieviele Riesen-Beben hintereinander hält die Munich Re denn aus, bevor sie zusammenbricht? Drei, vier oder fünf?

So denken wir nicht. Wir vertrauen auf Wahrscheinlichkeiten und die Diversifikation von Risiken. Das tun wir erfolgreich seit 1880. Wenn ein gewaltiges Beben einmal in 200 Jahre zu erwarten ist, dann ist zweimal Japan schon sehr unwahrscheinlich. Zudem ist das auch gar nicht unser absolutes Spitzenszenario.

Was wäre denn noch schlimmer?

Europäische Winterstürme oder Hurrikane in den USA. Da kalkulieren mit maximal in etwa drei Milliarden Euro bei den extremsten Szenarien eines Sturms.

Das Erdbeben und die Atomkatastrophe in Japan gehören nicht zum schlimmsten Szenario für Munich Re. Quelle: dpa

Das Erdbeben und die Atomkatastrophe in Japan gehören nicht zum schlimmsten Szenario für Munich Re.

Und wenn einmal alles zusammenkäme? Super-Beben, Gewaltiger Wintersturm und Mega-Hurrikan?

Theoretisch ist das möglich, aber extrem unwahrscheinlich. Doch selbst das würden wir verkraften.

Sie sind unglaublich gelassen. Warum?

Unser Geschäft läuft nach bestimmten Regeln ab. Eine ist: Die Risiken zu streuen. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass alle Dinge gleichzeitig passieren. Die zweite ist: Wenn die Schäden hoch gehen, steigen über kurz oder lang auch die Preise für die Deckungen durch die Versicherer.

Höhere Prämien wollen Sie seit Jahren durchsetzen. Warum sollte Australien, Neuseeland und Japan nun endlich der Startschuss dafür sein?

Wir hatten schon ein paar Katastrophen, wo die Preise nicht reagiert haben. Aber in Japan sind nach dem Beben die Preise bei Erdbeben-Verträgen um bis zu 50 Prozent gestiegen. Aber auch bei Sturm-Deckungen, die direkt nichts mit dem Erdbeben zu tun haben, stiegen die Preise in Japan um etwa fünf Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×