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14.10.2013

14:28 Uhr

Kliniken verklagen AOK

Knatsch um Qualität in Krankenhäusern

VonThomas Schmitt

Zwei Kliniken wollen vor Gericht einen Qualitätstest des Krankenkassenverbunds AOK stoppen. Sie finden, dass sie darin zu schlecht abschneiden. Doch das Vorgehen ist unter den Krankenhäusern umstritten.

Wie gut sind Krankenhäuser? In Internetportalen können Patienten Kliniken vergleichen. dpa

Wie gut sind Krankenhäuser? In Internetportalen können Patienten Kliniken vergleichen.

DüsseldorfWie gut ist mein Krankenhaus? Um diese Frage dreht sich ein Streit, den zwei Kliniken angestoßen haben - stellvertretend für einen Teil der Krankenhäuser in Deutschland. Er ist wichtig für alle, die das richtige Krankenhaus suchen. Denn es geht dabei um Klinikvergleiche, die mittlerweile im Internet mit wenigen Mausklicken möglich sind.

Stein des Anstoßes ist ein Online-Portal, das die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit Daten füttern. Unterstützt wird diese Initiative von gut 200 vergleichsweise großen Krankenhäusern im Lande. Beide Seiten wollen über Veröffentlichungen im Internet für mehr Qualität in den Kliniken sorgen - vor allem langfristig.

Doch einem anderen Teil der Krankenhäuser geht dies gegen den Strich. Sie sind zwar nicht grundsätzlich gegen mehr Durchblick für Patienten, aber gegen die Veröffentlichung der AOK-Qualitätstests und Vergleiche im Netz. Der Grund: Zweifel an der Methodik. Die Kreiskliniken Gummersbach-Waldbröl und das St. Antonius Hospital aus Eschweiler klagen daher nun in Musterprozessen gegen den AOK-Krankenhausnavigator.

Was tun im Streitfall mit einer Klinik?

Suchen Sie eine Fachklinik

Die wichtigste Frage, um ein Operationsrisiko zu vermeiden, lautet: Muss der Eingriff wirklich sein? Holen Sie eine zweite Meinung ein, denn in Deutschland wird das Skalpell nachweislich schnell – viele Mediziner sagen: zu schnell – angesetzt. Krankenkassen bezahlen die Konsultation eines zweiten Experten, zum Teil vermitteln sie ihn auch. Wenn die OP sein muss, setzen Sie bei der Wahl der Klinik nicht auf lokale Nähe zur Verwandtschaft oder den guten Ruf einer anderen Abteilung des Krankenhauses. Entscheidend muss einzig die Expertise der für sie zuständigen Abteilung sein. Hausarzt und Krankenversicherung können weiterhelfen.

Beim ersten Verdacht

Nicht alles, was unerwünschte Folgen hat, ist auch ein Behandlungsfehler. Für manche Volte des Schicksals kann niemand haftbar gemacht werden. Aus juristischer Sicht ist ein Behandlungsfehler eine nicht angemessene, zum Beispiel nicht sorgfältige, fach- oder zeitgerechte Behandlung des Patienten durch einen Arzt – sowohl durch Tun als auch durch Unterlassen. Der Schaden des Patienten muss also nachweislich auf ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen sein. Die Beweislast liegt in der Regel beim Patienten. Dokumentieren Sie daher alles, was Ihnen in der Klinik wann wie und mit wem passiert ist und welche Zeugen es gab. Zudem haben Sie grundsätzlich Anspruch darauf, die Patientendokumentation einzusehen und Kopien zu erhalten.

Kontaktieren Sie damit Ihre Krankenversicherung. Oft hat die ein kapitales Eigeninteresse, sich Kosten von der Klinik erstatten zu lassen, die durch eine weitere durch den Fehler verursachte Behandlung anfallen. Gesetzlich Krankenversicherten steht auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung bei der Fehlersuche zur Verfügung. Ob der sich aber am Ende für Sie einsetzt, liegt im Ermessen des Sachbearbeiters.

Hier finden Sie ersten Rat

Sinnvoll ist die kostenlose Nachfrage bei einer Selbsthilfegruppe. Sie sind praxiserfahren und können die Aussichten eines Verfahrens gegen eine Klinik einschätzen. Vorsicht vor dem Internet: Häufig finden sich dort Hilfsangebote von Menschen mit traurigen Einzelschicksalen. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie auch in Ihrem Fall weiterhelfen können.

Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit empfiehlt für Rat den Deutschen Patientenschutzbund in Dormagen (E-Mail: info@ dpsb.de) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe in Düsseldorf (E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de). Informieren können auch die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (Tel. 08 00/0 11 77 22) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (Tel. 0 30/25 80 00).

Rückendeckung durch einen Gutachter

Sie brauchen die Bestätigung Ihres Verdachts durch einen unabhängigen Sachverständigen. Der kann kostenlos vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung kommen.

Externe Ärzte als Sachverständige kosten oft mehr als 1000 Euro. Manche Anwaltskanzleien kooperieren mit Gutachtern, die es dann etwas billiger machen. Am besten ist ein externer Chefarzt, weil sein Gutachten meist mehr Gewicht hat als das eines Hausarztes.

Zudem gibt es die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler als unabhängige Einrichtung bei der Ärztekammern der einzelnen Bundesländer. Das Begutachtungsverfahren ist für die Beteiligten gebührenfrei, aber nicht rechtsverbindlich. Die Gutachten sind aber sehr häufig die Grundlage für eine außergerichtliche Einigung zwischen Patient oder Krankenversicherung und Klinik.

Anwaltlicher Rat

Wer privat eine Klage gegen eine Klinik oder eine außergerichtliche Einigung um Schadensersatz und Schmerzensgeld anstrebt, kommt nicht um einen Anwalt herum. Schließlich will kein Krankenhaus freiwillig Präzedenzfälle schaffen. Meiden Sie Wald-und-Wiesen-Anwälte, nötig ist ein ausgewiesener Fachanwalt für Medizinrecht. Empfehlungen geben die Selbsthilfegruppen, Auskunft darüber, wer als Fachanwalt firmiert, auch die Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin (E-Mail: zentrale@brak.de).

Restrisiko hohe Kosten

Kliniken geben oft erst auf, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Verfahren um Behandlungsfehler können sich deshalb über Jahre hinziehen und teuer werden. Ohne Rechtsschutzversicherung sollten Sie sich deshalb vorher mit einem Selbsthilfe-Mitglied oder Anwalt Chance und Risiko einer Klage ausrechnen.

Warten Sie nicht zu lange

Ist einem Patienten Unrecht geschehen, hat er drei Jahre Zeit sich zu entscheiden, ob er eine Klage in Angriff nehmen will und wie er die Erfolgsaussichten einschätzt. Die Zeit läuft erst ab dem Moment, da er selbst Kenntnis vom Fehler hat. Diese Frist gilt auch, wenn es um eine Spätfolge geht.

Die Erfolgsaussichten

Es lässt sich nicht schönreden: Weniger als ein Drittel aller Fälle in Deutschland wird zugunsten des Patienten entschieden. Um so wichtiger ist es, sich Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe oder einen Fachanwalt zu suchen.

Hintergrund: Seit 2005 verpflichtet ein Gesetz die Kliniken zwar, regelmäßig in einem Qualitätsbericht zu veröffentlichen, wie gut sie ihre Patienten versorgen. Doch Papier ist geduldig, kaum ein Patient liest die dicken Wälzer. Wesentlich einfach sind daher Vergleichsportale im Netz.

Hinzu kommt, dass die Bewertungen, die die AOK ins Internet stellt, über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Denn die Kasse lässt für ihren Vergleich zusätzlich anonymisierte Abrechnungsdaten ihrer Versicherten auswerten. Vor allem gegen die Methoden, die dahinter stecken, sträuben sich die Kliniken vor Gericht.

Das Problem: Die Krankenhäuser stellten in einigen Bereichen des AOK-Navigators widersprüchliche und nicht erklärbare Bewertungen fest. Sie fragen sich, ob bestimmte Bereiche überhaupt für eine öffentliche Qualitätsberichterstattung geeignet sind. Ein Gutachter untermauerte diese Zweifel beispielhaft.

Kommentare (4)

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norbert

14.10.2013, 15:06 Uhr

Macht ruhig noch mehr Qualitätszirkel, Zertifizierungen, Audits und Qualitätsberichte !
Anstatt zu arbeiten, produzieren wir alle nur noch Zettel, auf denen steht, wie wir arbeiten müßten, es aber nicht mehr können, weil wir immer mehr Zettel schreiben müssen.
Dann haben wir das Optimum der Patientenversorgung erreicht...

Transparenz

14.10.2013, 15:08 Uhr

Die Diskussionen um die Qualitätssicherung in Deutschland zeigen immer nur Eines: In Deutschland zählt der Schutz der Institution Krankenhaus mehr als der Schutz der Patienten.

Es gibt Qualitätsunterschiede zwischen den Krankenhäusern, die sich bis hin zur Sterblichkeit der Patienten auswirken. Die Patienten haben aber bisher kaum Möglichkeiten, sich darüber zu informieren. Sie werden mit "Qualitätsberichten" überschüttet, die kaum Aussagen zur Qualität enthalten.

Es wird Zeit, dass sich das ändert. Es bleibt zu wünschen, dass die Richter in diesem Verfahren den Patientenschutz im Auge behalten und nicht fälschlich die Institution Krankenhaus vor dem Qualitätswettbewerb "schützen".

RechtHatNorbert

14.10.2013, 16:07 Uhr

Norbert, da hast Du Recht! Allerdings ist das ganze Qualitätsgefassel auch in Banken, Versicherungen etc. zu finden. Man wird wirklich nur noch von der Arbeit abgehalten. Dazu kommt das Festanstellungen gestrichen werden, dafür Zeitarbeiter eingestellt die dann immer wieder ausgewechselt werden oder gehen weil man so nicht weiterkommt. Das Wissen geht verloren. Also weg mit Zeitarbeit!!!

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