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29.04.2013

15:33 Uhr

Kostendruck

Ergo verschärft den Sparkurs

Mehr als tausend Arbeitsplätze wurden abgebaut, jetzt plant Ergo-Chef Thorsten Oletzky weitere Einsparungen für den Versicherer. Erneut sollen die Personalkosten gekürzt werden – Oletzky kündigte auch neue Produkte an.

Der Vorstandvorsitzende der Ergo, Torsten Oletzky, setzt den Sparkurs fort. dpa

Der Vorstandvorsitzende der Ergo, Torsten Oletzky, setzt den Sparkurs fort.

BerlinDie zur Münchener Rück gehörende Ergo-Versicherung plant weitere Einsparungen. „Der Druck auf dem Unternehmen, die Kosten zu senken, wird auch nach 2014 erhalten bleiben“, sagte Ergo-Chef Torsten Oletzky der „Welt“.

Er baut gerade den Vertrieb des zweitgrößten deutschen Versicherers um. 1350 Stellen fallen dabei weg. Der Konzern werde auch danach bei Personal- und Sachkosten sparen müssen, sagte der Manager nunEin Unternehmenssprecher bestätigte, dass noch in diesem Jahr rund 200 Stellen im Innendienst. Auch in den Jahren 2014 und 2015 sei nach den derzeitigen Planungen ein Stellenabbau in diesem Bereich und in ähnlicher Größenordnung geplant.

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Ergo leidet unter einem schwachen Geschäft bei den Lebensversicherungen und unter den niedrigen Zinsen. Doch gerade deswegen sollten die Menschen laut Oletzky nicht weniger, sondern mehr sparen. Nur so könne der eigene Lebensstandard erhalten bleiben. Dazu wolle der Konzern bald auch eine neues Produkt anbieten, dass sich an das niedrigen Zinsumfeld anpasst und auf Garantien verzichtet, die der Kunde nicht benötigt.

Für das laufende Jahr peilt Ergo einen Gewinn zwischen 350 bis 450 Millionen Euro an. 2012 war der Gewinn um gut 17 Prozent auf 289 Millionen Euro geschrumpft. Rückstellungen für den Umbau des Vertriebs hatten den Gewinn mit 128 Millionen Euro belastet.

Ergo entdeckt weitere Lustreisen

„Kleine Clubreise“

Die Top-Five-Clubreise nach Mallorca (kleine Clubreise) hat in der Zeit vom 12.09. - 15.09.2005 stattgefunden und wurde von Herrn Lange in seiner Funktion als Leiter der HMI-Vertriebsorganisation begleitet.

„In HMI-Eigenregie organisiert“

Insgesamt werden angabegemäß je Jahr eine „große“ und zwei „kleine“ Top-Five-Clubreisen in Eigenregie von der Vertriebsdirektion HMI (VDHMI) organisiert, durchgeführt und über eigene Kostenstellen abgewickelt.

Leicht bekleidete „Mädels“

Als sie den Club betreten hätten, seien er und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete „Mädels“ gestanden hätten. Einige, zu denen er gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben.

„Aufwendungen für einen Bordellbesuch“

Aufgrund der vorliegenden Information ist es aus Sicht von REV (Revision) wahrscheinlich, dass mit den beiden von Herrn Lange eingereichten Bewirtungsbelegen über gesamt 2428 Euro Aufwendungen für einen Nachtclub/Bordellbesuch finanziert wurden.

„Mexxaton“

Auf beiden Belegen ist im Kopf der Name „Mexxaton“ vermerkt, bei dem es sich anscheinend um die Lokalität handeln soll, von der sie ausgestellt wurden. Auf dem Beleg über € 1508 ist zusätzlich das Datum „15.09.05“ vermerkt, während der andere kein Datum trägt. Weitere Angaben z.B. zum Aussteller befinden sich nicht darauf.

Lokalität vor Ort unbekannt

Eine Lokalität mit dem Namen „Mexxaton“ auf Mallorca haben wir weder bei unseren Internetrecherchen gefunden noch war sie der vor Ort vertrauten Reiseagentur bzw. dem Hotel oder Reiseteilnehmern bekannt.

Rechnung in den frühen Morgenstunden

Das Datum auf dem Beleg über € 1508 wäre allenfalls plausibel, wenn die Rechnung in den frühen Morgenstunden ausgestellt wurde, da am 15.09.05 der Abreisetag war.

Keine Aussage zu „Zweckformbelegen“

Wir haben am 10.06.2011 Herrn Lange telefonisch zu dem Vorgang befragt. Er erinnerte die Reise zwar, gab aber an, die Gruppe nicht in ein Bordell eingeladen zu haben. Zu den „Zweckformbelegen“ und dem Namen „Mexxaton“ könne er aber nichts sagen.

Vergleichbare Aktivitäten in Südamerika

Im Zusammenhang mit der Prüfung zu dem HMI-Sonderwettbewerb - Budapest 2007 („Party Total“) sind die auf den Gewinner- bzw. Teilnehmerlisten aufgeführten Personen von der Konzernrevision zur Teilnahme und ggf. weiteren Details befragt worden. Dabei ist von einer Person der Hinweis geäußert worden, dass es auf einer Wettbewerbsveranstaltung der HMI nach Südamerika zu vergleichbaren Aktivitäten gekommen sei.

„Swinger-Hotel“

Auf Nachfrage wurde der Hinweis dahingehend ergänzt, dass eine HMI-Geschäftsstelle in Frankfurt im Januar/Februar 2011 eine Wettbewerbsreise in ein „Swinger-Hotel“ in Jamaika durchgeführt habe.

Wettbewerbsreisen ins Hedonism II

Die von Herrn M. geleitete Geschäftsstelle in Frankfurt hat in den Jahren 2009 und 2011 jeweils Wettbewerbsreisen nach Jamaika in das „Swinger-Hotel“ Hedonism II (www.hedonism-resorts.de) durchgeführt.

Reiseziel für entsprechend Interessierte

Das Hotel ist gemäß Internet-Recherche ein bekanntes Reiseziel für entsprechend interessierte Personen.

Reiseunterlagen zur Genehmigung vorgelegt

Vor Buchung der Reise sind die Reiseunterlagen gem. Richtlinie zum Generalstrukturen-Reisewettbewerb (GRW) der abrechnenden Stelle PVH5HH per Mail zur Genehmigung vorgelegt worden.

Entscheidung für günstigste Variante

Von der Geschäftsstelle wurden insgesamt drei Angebote von unterschiedlichen Hotels eingeholt und es wurde mitgeteilt, dass man sich für die dritte, günstigste Variante mit der Hotelkombination Mariott am Time Square und dem Hedonism II auf Jamaika entschieden hatte.

Vor 25 Jahren im selben Hotel

Als Grund für die Buchung gab er an, dass seine erste Wettbewerbsreise vor 25 Jahren in dasselbe Hotel geführt habe.

Widersprach schon damals den Regeln

Nach allem, was Ergo heute bekannt ist, war diese Veranstaltung ein Einzelfall und widersprach schon damals den Regeln, die für die Organisation von Wettbewerbs-Reisen gelten.

„Playboy-Bunnys“ in der Anlage

Herr P. verwies darauf, dass sich zur selben Zeit das Magazin „Playboy“ mit „Bunnys“ zwecks eines Fotoshootings in der Anlage aufhielt.

Fotos oben ohne

In diesem Zusammenhang seien auch Fotos mit Teilnehmern und den Models (teilweise ohne Oberteil) aufgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass diese Fotos an die Öffentlichkeit gelangten.

Bei den Beitragseinnahmen erwartet Ergo 2013 ungefähr 18,5 Milliarden Euro und damit etwa ähnlich viel wie 2012. Die Zahl der Mitarbeiter sank bereits im vergangenen Jahr um gut 1500 auf knapp 29 800. Die Zahl der hauptberuflichen Vertreter nahm um gut 1200 auf knapp 17.900 ebenfalls deutlich ab.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

29.04.2013, 11:26 Uhr

Braucht Ergo jetzt mehr Geld für Lustreisen? (Mallorca, Budapest, Jamaika).

Jobkiller

29.04.2013, 16:51 Uhr

Das ist bestimmt der richtige Weg. Hat man ja auch schon bei den letzten Kostensparprogrammen gesehen...
Effizienz und Sinnhaftigkeit lagen da nach Vollendung bei 0 % was man so hörte (Unternehmensberater verkaufen das aber für 100% wahrscheinlich)
Bin gespannt was da überhaupt noch übrig bleibt von den einst stolzen und etablierten Marken und deren Beständen...
Hauptsache in den oberen Etagen werden neue Jobs geschaffen...
Bin auch gespannt, wer die neuen Produkte kaufen soll, wenn die alten Kunden und Vermittler weggelaufen...


KunterbuntgehtsbeiErgorund

30.04.2013, 22:17 Uhr

"2012 war der Gewinn um gut 17 Prozent auf
289 Millionen Euro geschrumpft."

Oletzky hat selbst durch Korruption und Kundenbetrug
sein Gewinnziel verfehlt. Das kann wohl keiner nachmachen.

Bedenkt man die Zielvorgabe von ehemals 900 Millionen € für das Jahr 2012 ist die erbrachte Leistung des Torsten Oletzky "völlig inakzeptabel".

Oletzky hat seit 2011 über 3.000
Hauptberufliche Vermittler verloren, weil er dem gesamten Ergo-Außendienst öffentlich mittels "Verhaltenskodex" die Schuld an Budapest in die Schuhe zu schieben versucht hatte, obwohl sein Vorstandskollege K. Lange die Sex-Sause 2007 initiiert hatte.

Wie Oletzky die von ihm demoralisierte Vertriebsmannschaft und den (dank Personalabbau) frustrierten Innendienst
für sich motivieren will, wird ein Rätsel bleiben.

Wer nämlich so blind ist, die Hand zu beißen,
die Einen füttert, darf sich über Stornoquoten und rückläufiges Neugeschäft nicht wundern.

Die Münchner Rück könnte schon froh sein,
wenn Oletzky in den nächsten 5 Jahren dank seiner Ahnungslosigkeit keine Verluste fabriziert.

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