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17.04.2012

17:02 Uhr

Krankenkassen

Versicherte haben mehr als zwei Milliarden Euro Schulden

Gesetzlich und privat Versicherte sind den Krankenkassen mehr als zwei Milliarden Euro schuldig. Drei Viertel davon entfallen auf die gesetzliche Versicherung (GKV). Doch die Politik will der privaten helfen.

Gesetzlich Versicherte sollen den Kassen mehr als 1,5 Milliarden Euro Beiträge schulden. dpa

Gesetzlich Versicherte sollen den Kassen mehr als 1,5 Milliarden Euro Beiträge schulden.

BerlinHunderttausende Nichtzahler reißen bei den Krankenkassen ein immer größeres Milliardenloch. Die Rückstände belaufen sich bei gesetzlichen und privaten Kassen zusammen auf mehr als zwei Milliarden Euro. Die Bundesregierung erwägt, in der privaten Krankenversicherung (PKV) mit einem Nichtzahler-Tarif zu helfen. Bei der gesetzlichen Versicherung (GKV) soll alles beim Alten bleiben.

In der GKV gibt es nach den jüngsten Zahlen vom Februar einen Rückstand von 1,53 Milliarden Euro, wie ihr Spitzenverband der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Seit dem Stand von 1,04 Milliarden Euro ein Jahr zuvor war er kontinuierlich größer geworden.

Zuletzt wuchsen die Außenstände allein binnen eines Monats spürbar. Im Januar waren es laut Verband noch 1,44 Milliarden Euro. Die Rückstände stammen von rund 640.000 Versichertenkonten, wobei die Kassen manchmal mehrere Konten pro Versichertem führen. In der PKV gibt es laut PKV-Verband 144.000 Nichtzahler mit Rückständen von 554 Millionen Euro.

Die Zahl der Nichtzahler war gestiegen, nachdem unter der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Versicherungspflicht eingeführt wurde - 2007 für die GKV, 2009 für die PKV. Zuvor hatte ein Anstieg bei den Bürgern ohne jede Krankenversicherung auf bis zu 196.000 Menschen 2007 die Politik in Alarmstimmung versetzt.

„Die Einführung der Versicherungspflicht bedeutete nicht, dass die Mitglieder ihre Beiträge auch zahlen können“, sagte GKV-Verbandssprecherin Ann Marini. Allein von den Rückkehrern in die GKV stünden 466 Millionen Euro aus. Wegen auch rückwirkender Beitragsschuld können auf einen Schlag größere Beträge fällig werden.

Auch weitere freiwillig versicherte Selbstständige sind unter den säumigen Zahlern. Die meisten der Versicherten, die den Kassen Geld schulden, gelten als arm - früher sprang für sie weit öfter das Sozialamt ein. Heute häufen sich für viele Schulden bei den Kassen auf.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

17.04.2012, 15:36 Uhr

Warum läßt man die Menschen nicht einfach in die gesetzlichen Kassen anstatt den privaten Kassen Geld zu geben? Es besteht meiner Ansicht nach überhaupt kein Grund, notleidenden privaten Versicherungen mit Steuergeldern unter die Arme zu greifen. Wer bis zu 30Prozent der Beiträge für Provisionen und Verwaltungskosten ausgibt, der soll erst einmal dort anfangen zu sparen.

Ein anderer Punkt ist, warum haben die Versicherten diese Schulden? Kann es sein, daß sie wirtschaftlich nicht in der Lage sind, die notwendigen Beiträge aufzubringen? Oder sind die Beiträge einfach zu hoch?

systemsturzdurchpiratenwahl

17.04.2012, 16:12 Uhr

Dann sieht die Sache für mich als gesetzlich versichertem Mitglied einer Krankenkasse wohl so aus: Ich bezahle meinen Beitrag, subventioniere die H4ler zusätzlich mit meinem Geld, da die Arge einen Beitrag abliefert, der niedriger ist als bei einem rechnerischen Arbeitseinkommens dieses Personenkreises notwendig wäre, darf die Nichtzahler, denen man die medizinische Versorgung ja nicht verweigern kann auch noch mit finanzieren und brauche mich nicht zu wundern, dass ich für meine finanziellen Leistungen im Krankheitsfall von meinem Arzt nur noch kluge Ratschläge bekomme.

Ist schon klar, das wir das beste Krankenversicherungssystem der Welt haben, zumindest für die Gruppe, die nicht an dem System beteiligt ist.

Account gelöscht!

17.04.2012, 16:36 Uhr

Einmal Privatversichert und z.B. Selbstständig. Dann kommt die Auftragsflaute und man hat im Alter einen Höheren Beitrag der auch mal 500 Euro sein kann. Das kann dann nicht jeder bezahlen

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