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26.07.2013

15:09 Uhr

Kreditversicherer

Die Totengräber von Max Bahr

VonMartin Dowideit

Die Schwestermarke Praktiker war schon insolvent, jetzt hat es entgegen ursprünglicher Versprechen Max Bahr erwischt. Das hängt mit den bekannten Finanzproblemen des Konzerns zusammen – aber eben nicht nur.

Baustellen-Schild vor einem Baumarkt: Max Bahr ist der Schwestermarke Praktiker in die Insolvenz gefolgt. dpa

Baustellen-Schild vor einem Baumarkt: Max Bahr ist der Schwestermarke Praktiker in die Insolvenz gefolgt.

DüsseldorfEs sind gleich zwei Ausdrücke, die Langeweile ausstrahlen: Kredit – das klingt nach Banksachbearbeiter in einem öden Büro. Und Versicherer – da versteht doch überspitzt gesagt kaum jemand, was die Mathematiker in den Glastürmen den ganzen Tag ausrechnen an Beiträgen, Zuschlägen und Schadensquoten. Doch zusammengesetzt können die beiden Begriffe plötzlich ganz konkret spürbare Auswirkungen haben: Kreditversicherer gelten als Totengräber der Baumarktkette Max Bahr mit über 130 Filialen.

Vor allem ein Unternehmen trägt entscheidenden Anteil am Aus der Praktiker-Schwestermarke, die am Donnerstagabend verkündet worden war. Offenbar hat der französische Warenkreditversicherer Coface die Reißleine gezogen und die Vorfinanzierung der Lieferanten eingestellt. Wie kann eine solche Entscheidung so große Folgen haben? Handelsblatt Online erklärt das Geschäftsmodell der Kreditversicherer.

Warum Lieferanten überhaupt kriselnde Firmen beliefern

Die schwierige Lage der Baumarktkette Praktiker war lange vor der Insolvenzmeldung am 11. Juli bekannt. Dennoch schickten etwa ein süddeutscher Lieferant und viele weitere Produzenten wie gewohnt weiter Waren an die Filialen. Der Grund: Gegen eine mögliche Pleite des Kunden waren die Firmen abgesichert. Das geschieht über Kreditversicherungen.

Der süddeutsche Praktiker- und Max-Bahr-Lieferant erläutert hinter vorgehaltener Hand das Kalkül: Man habe Ware geliefert, weil man gegen die Insolvenz des Großkunden geschützt gewesen sei. Von den ausstehenden Rechnungsbeträgen müsse man wohl nur etwas mehr als zehn Prozent auf die eigene Kappe nehmen. Das Risiko sei man eingegangen – auch weil Vertrauen in das ursprüngliche Sanierungskonzept der Baumärkte gehabt habe. Ohne eine solche Absicherung können Lieferanten schlimmstenfalls durch insolvente Großkunden selbst in die Pleite gerissen werden.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

26.07.2013, 16:22 Uhr

Wenn ich Kaufmann bin muß ich die W§are, die ich beziehe, auch bezahlen.
Leider hat man das in der heutigen Zeit der Kredite, Derivate und Finanzkonstruktionen vegessen.
Kann Bahr also nicht bezahlen, haben sie das Überleben im Markt nicht verdient. Schade nur für die Mitarbeiter.

Man sollte sich den Uraltbesteller "Der ehrbare Kaufmann" einmal zu Gemüte führen und einige Dinge überdenken.

Heute drehen einige am supergroßen Rad ohne einen einzigen eigenen Poscher in der Tasche zu haben.

cosecha



albrecht.kessin

26.07.2013, 17:21 Uhr

Es Wär jetzt unfair, die Schuldfrage auf den Schltern der Kreditversicherer auszutragen. Ein Unternehmen/ Konzern kann nicht exestieren, wenn es keinen Gewinn ( Netto ) macht oder wenn dieser so hingerechnet wird. Das ist bisher, übrigens wie auch in vielen anderen Unternehmen immer noch üblich. Vermutlich gibt es dafür marketingtechnische Gründe. Nur abgerechnet wird zum Schluß. In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ( Max Bahr / Praktiker ) wurde viel zu lange damit gewartet, die realen Zahlen zu analysieren. Umsatz ist eben nicht gleich Umsatz. Es muß Gewinn gemacht werden. Dazu ist ein klares Konzept und ein modernes Prei-Leistungsverhältnis zwingend notwendig. Und das ist immer Resultat des Handelns von Managern und Führungskräften. Diese haben versagt , auf der ganzen Linie. Es nützt keinem Flickschusterei und Zahlenschieben. Kaufmännisches Denken ist nicht studierbar, da steckt eine Menge Erfahrung dahinter. Ich denke, der Zug ist abgefahren und das sollte er auch. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Jens

26.07.2013, 21:52 Uhr

Mit großem Erstaunen vernehme mich die überzogen reißerische Headline dieses Artikels. Vor allem wenn diese mit klarer Nennung des "Schuldigen" im Zuammenhang gebracht wird. Ein französcher Kreditversicherer trägt also die Schuld an der Insolvenz eines durch Mißmanagement heruntergewirtschafteten Baumarktkonzerns. Nachdem alle Kreditgeber, darunter auch die übrigen Kreditversicherer, bereits vor Montaten massiv die Linien reduzierten oder vollständig aufhoben, hielt die Coface die Limite für seine Versicherungsnehmer aufrecht und sicherte damit nicht nur die Existens seiner Kunden, sondern auch die des halbwegs gesunden Teils eines maroden Konzerns inklusive tausende von Arbeitsplätzen, und zwar "bahr" jeder vernünftigen Risikobetrachtung, bis es eben wirtschaftlich nicht mehr zu vetreten war. Die engstirnig, einseitige Betrachtung der tatsächlinen Situation innerhalb diese Artikels stimmt mich wenig optimistisch.
Jens Winkler

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