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10.07.2015

14:52 Uhr

Krise in Griechenland

Ergo könnte Kauf griechischer Versicherung absagen

Die Tochter Ergo der Munich Re könnte den Kauf einer griechischer Versicherung wieder absagen. Sollte sich die Situation in Griechenland nicht stabilisieren, will Ergo von einem Rücktrittsrecht Gebrauch machen.

Die Ergo, Tochter der Munich Re, erwägt den Kauf einer griechischen Versicherung wieder abzusagen. dpa

Ergo will Kauf griechischer Versicherung überdenken

Die Ergo, Tochter der Munich Re, erwägt den Kauf einer griechischen Versicherung wieder abzusagen.

DüsseldorfDie Versicherungstochter Ergo der Munich Re erwägt die geplante Akquisition der griechischen ATE Insurance SA abzusagen, falls in Griechenland nicht wieder Stabilität einkehrt. „Je nach politischer Entwicklung ist es durchaus möglich, dass wir von diesen Rücktrittsrechten Gebrauch machen“, teilte Ergo am Freitag per E-Mail mit.

Die Ergo mit Sitz in Düsseldorf einigte sich im vergangenen August über den Kauf der ATE von Piraeus Bank SA. Damals erklärte die Versicherung, sie rechne damit, dass die griechische Volkswirtschaft sich wieder erholen würde. Inzwischen nähert sich Griechenland dem Ausstieg aus dem Euro und es droht ein Kollaps des Finanzsystems. Ergo warte noch auf die letzten ausstehenden regulatorischen Genehmigungen, erklärte das Unternehmen am Freitag.

Die nächsten entscheidenden Termine im Griechenland-Fahrplan

10./11. Juli

Die Sitzung des griechischen Parlaments über den Regierungsvorschlag des Spar- und Reformprogramms sollte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Freitagnachmittag beginnen. Der Zeitpunkt der Abstimmung blieb zunächst unklar. Das Parlament in Athen sollte angesichts des Dringlichkeit im Schnellverfahren zunächst den neuen griechischen Finanzminister Euklid Tsakalotos damit beauftragen, die nötigen Verträge im Falle einer Einigung mit den Gläubigern zu unterzeichnen. Spekuliert wurde, dass sich die Sitzung bis in den Samstagmorgen hinziehen könnte.

Die Experten der geldgebenden Institutionen von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission wollten noch am Freitag die Vorschläge prüfen und ihre Bewertung an die Eurogruppe weiterleiten.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat sich für Freitag zu einer Telefonkonferenz mit IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Präsident Mario Draghi und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem verabredet.

11. Juli

Voraussichtlich ab 15.00 Uhr wollen die Finanzminister der Eurozone in Brüssel über die Spar- und Reformvorschläge der griechischen Regierung beraten und zur Entscheidung kommen.

12. Juli

16.00 Uhr: Sondertreffen der 19 Regierungs- und Staatschefs der Euroländer in Brüssel, wenn die Euro-Finanzminister am Vortag die Vorschläge aus Athen als unzureichend ablehnen sollten, womit sich die Lage für Griechenland dramatisch zuspitzen würde und eine Staatspleite nicht mehr auszuschließen ist. Gibt es von den Finanzministern dagegen ein Ja, könnte diese Sitzung entfallen.
18.00 Uhr: Die Chefs aller 28 EU-Staaten kommen zu einem Sondergipfel zusammen, um über die Aufnahme von Verhandlungen mit Griechenland über ein drittes Hilfspaket zu entscheiden. Anschließend wollen sich EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor der Presse äußern.

13. Juli

Falls die Entscheidung des EU-Sondergipfels positiv ausfällt, will das Finanzministerium in Berlin einen Antrag auf Sondersitzung des Bundestags stellen. Einer Einigung auf EU-Ebene muss der Bundestag zustimmen. Die Parlamentarier sind seit einer Woche in der Sommerpause.
Die EZB will Notenbankkreisen zufolge erneut über bislang aufrechterhaltenen Notkredite für die griechischen Banken beraten. Seit Monaten sind die Banken des hoch verschuldeten Landes vor allem auf Ela-Notkredite angewiesen. Die Kredite liegen seit dem 26. Juni auf dem Niveau von knapp 90 Milliarden Euro. Die Nothilfe ist umstritten, weil die Banken nach Ansicht von Kritikern damit auch die Staatsfinanzierung unterstützen. Die griechischen Banken und Börsen bleiben weiter geschlossen.
15.00 Uhr: Die Finanzminister der Eurozone treffen sich erneut. Ein wichtiger Punkt ist die - wegen des Schuldendramas verschobene - Neuwahl des Eurogruppenchefs. Wie intensiv auch über Griechenland gesprochen wird, dürfte von der Entwicklung am Wochenende abhängen.
Athen muss eine weitere Rate von knapp 500 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Griechenland ist beim IWF in Verzug, denn aus Geldnot wurde bereits die letzte Rate von 1,6 Milliarden Euro Ende Juni nicht gezahlt.

17. Juli

Weitere T-Bills, das sind griechische Anleihen mit kurzfristiger Laufzeit, in Höhe von einer Milliarde Euro werden fällig.

20. Juli

Athen muss insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zurückzahlen. Sollte diese Zahlung ausfallen, dürfte die EZB laut Experten kaum in der Lage sein, weiter Ela-Kredite an griechische Banken zu ermöglichen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat in der vergangenen Nacht den Gläubigern Griechenlands ein Reformpaket vorgelegt, mit dem er dem Land ein Rettungsprogramm im Volumen von 53,5 Mrd. Euro sichern will. Während das griechische Parlament am Freitag über die Reformvorschläge entscheidet, wollen die EU-Länder am Sonntag auf einem Sondergipfel darüber abstimmen, ob Griechenland einen neuen dreijährigen Kredit erhält.

Ergo erklärte im vergangenen Jahr, dass die Gesellschaft mit der Übernahme von ATE zum größten Sachversicherer in Griechenland werde. Man rechne mit Wachstum angesichts der geringen Verbreitung von Versicherungen in Griechenland. Der Kaufpreis unterliege Anpassungen beim Nettovermögenswert zum Abschluss, hieß es damals.

Die WirtschaftsWoche hatte über die Erwägungen von Ergo berichtet.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

10.07.2015, 18:46 Uhr

Sollte der Grexit stattfinden, könnte sich der Erwerb einer griechischen Versicherung als wertvoll erweisen.
Immerhin würde die Drachme sich in ein paar Monaten (oder Jahren, kaum Tagen) schon als werthaltigere Währung erweisen als der Euro.

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