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11.07.2012

13:31 Uhr

Landgericht Hannover

Gericht will Zeugen zu AWD-Klagen hören

Der Prozess um den Finanzdienstleister AWD und seinen Gründer Carsten Maschmeyer geht in Hannover in eine neue Runde. In Köln sagte der Ex-Chef in einem ähnlichen Verfahren zu Provisionsvorwürfen bereits aus.

Unternehmer Maschmeyer: In der Prozessflut gegen den Finanzdienstleister AWD hat erstmals der Firmengründer ausgesagt. dpa

Unternehmer Maschmeyer: In der Prozessflut gegen den Finanzdienstleister AWD hat erstmals der Firmengründer ausgesagt.

HannoverIm Streit um die Höhe von Provisionen für Berater des Finanzdienstleisters AWD steigt nun auch das Landgericht Hannover in eine tiefere Untersuchung der Vorwürfe ein. „Es wurde in vier Verfahren eine Beweisaufnahme angeordnet“, sagte ein Gerichtssprecher am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Bei der nächsten Sitzung im September will die Kammer frühere AWD-Handelsvertreter und Angehörige der Kläger befragen. Geklärt werden soll, ob die Fondsprospekte den Anlegern damals rechtzeitig übergeben wurden und sie so die nötigen Informationen über Erfolgsprämien für die Berater nachlesen konnten.

Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer werde vorerst wohl nicht als Zeuge geladen, hieß es. Die vier geprüften Klagen in Hannover bezögen sich vor allem auf die Frage, ob die Risikoaufklärung bei Immobilienfonds ausreichend war. „Sofern es später auch um die Höhe der Provisionen selbst geht, könnte es dazu kommen, dass Herr Maschmeyer erscheint.“

Der Firmengründer hatte am Dienstag in einem Berufungsprozess vor dem Oberlandesgericht Köln erstmals persönlich zu ähnlichen Vorwürfen ausgesagt. Dabei gab er an, nur in Einzelfällen über Provisionen von Mitarbeitern unterrichtet gewesen zu sein. Das Landgericht Hannover will am 12. September in sechs Zusatzverfahren - hier geht es um den Vertrieb von Medienfonds - über das weitere Vorgehen entscheiden.

Am Mittwoch waren weder Anwälte der Kläger noch AWD-Vertreter zur Ankündigung der Beweisaufnahme in den ersten vier Fällen erschienen. Konzernsprecher Andreas Fischer geht davon aus, dass „Sammelklagen“ zu den Provisionsvorwürfen keinen Erfolg haben: „Der heutige Beschluss des Gerichts zur Beweisaufnahme bestätigt uns in der Auffassung, dass jeder Fall individuell zu beurteilen ist.“

Am Landgericht Braunschweig und am Oberlandesgericht Naumburg (Sachsen-Anhalt) stellten die Richter mangelnde Aufklärung fest und sprachen den Kläger teils Rückerstattungen zu. Der AWD legte dagegen Rechtsmittel ein. In bundesweit mindestens 17 Fällen hätten zudem Landgerichte Schadenersatz-Forderungen abgewiesen, sagte Fischer.

Vor dem Auslaufen einer Verjährungsfrist hatten Ende 2011 viele Ex-Anleger Klagen gegen den AWD gestartet. Sie fordern Schadenersatz wegen angeblicher Falschberatung. Auch der Umfang der Provisionen ist heftig umstritten. AWD gehört inzwischen zum Schweizer Versicherer Swiss Life, Ex-Chef Maschmeyer zog sich aus dessen Verwaltungsrat zurück. Die Konzernmutter soll überlegen, ihre Tochter umzubenennen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Mazi

23.07.2012, 12:43 Uhr

In Hannover hat Maschmayer nichts zu befürchten. Dazu müsste er nämlich vor ein richtiges Gericht.

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