Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2016

18:00 Uhr

Lebensversicherer

EU-Aufsichtschef erwartet großen Umbruch

Lebensversicherer ändern ihr Geschäftsmodell. Zu diesem Schluss kommt Gabriel Bernardino, der Chef der EU-Versicherungsaufsicht. Der Portugiese sieht einen großen Umbruch auf die Branche zukommen.

Gabriel Bernardino, Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, beobachtet, dass eine Änderungen der Geschäftsmodelle in den Vorständen der Lebensversicherer mehr und mehr ein Thema wird. dpa

Lebensversicherungen

Gabriel Bernardino, Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, beobachtet, dass eine Änderungen der Geschäftsmodelle in den Vorständen der Lebensversicherer mehr und mehr ein Thema wird.

FrankfurtDie europäischen Lebensversicherer kommen beim notwendigen Umbau nach Auffassung ihrer Aufsichtsbehörde endlich in die Gänge. „Wir sehen eine Entwicklung: Änderungen an den Geschäftsmodellen sind mehr und mehr ein Thema in den Vorständen“, sagte der Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, Gabriel Bernardino, in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

„Es eilt, vor allem für den Teil des Lebensversicherungsgeschäfts, der auf harten Garantien basiert.“ Zahlreiche Lebensversicherer, auch in Deutschland, versuchen vor dem Hintergrund der neuen EU-Kapitalvorschriften „Solvency II“ von den kostspieligen Garantien loszukommen.

Schutzschirm für Lebensversicherungen: „Wir haben Notfallpläne in der Schublade“

Schutzschirm für Lebensversicherungen

Premium „Wir haben Notfallpläne in der Schublade“

Wankt ein Lebensversicherer, ist Jörg Westphal gefragt. Er ist Chef von Protektor, dem Rettungsschirms der Branche. Im Interview spricht er über mögliche Krisen, macht einen Kassensturz und beruhigt Sparer.

Bernardino sieht die Branche in den nächsten fünf Jahren in einem großen Umbruch. „Ich bin zuversichtlicher als vor einem Jahr, was das Tempo der Veränderung betrifft. Aber heißt das, dass alle schon am Ziel sind? Nein“, sagte der Portugiese. Nach dem Anfang des Jahres in Kraft getretenen Regelwerk „Solvency II“ müssen die Versicherer umso mehr Eigenmittel vorhalten, als die Risiken eingehen. Das macht die in Deutschland üblichen langfristigen Zins-Zusagen an die Lebensversicherungskunden für sie noch teurer als sie wegen der niedrigen Zinsen ohnehin sind.

„Wir brauchen einfachere, standardisiertere Produkte, die den Kunden nutzen“, forderte der EIOPA-Präsident. Allerdings bauen viele Lebensversicherer derzeit eher komplexere Policen, die einen Vergleich noch erschweren.

Folgen der Nullzins-Politik: Wie die Versicherer unter der EZB leiden

Folgen der Nullzins-Politik

Premium Wie die Versicherer unter der EZB leiden

„Das ist eine Katastrophe!“: Die Senkung des Leitzinses auf null Prozent bringt die Versicherungsbranche in Rage. Viele ihrer Policen werden für Kunden noch unattraktiver. Müssen Assekuranzen sogar um ihre Existenz fürchten?

Die neuen Kapitalquoten nach „Solvency II“ hatten Investoren etwa in niederländischen Versicherern wie Delta Lloyd und Aegon verschreckt. Bernardino warnte vor falschen Schlüssen von der Solvabilitätsquote (SCR) auf die Stabilität der Versicherer. Unternehmen mit der gleichen SCR trügen noch lange nicht das gleiche Risiko. Versicherer, die anfälliger für Zinsänderungen oder versicherungstechnischen Risiken seien, brauchten mehr Spielraum. Es gebe keine „magische Zahl“ für die SCR, stellte Bernardino klar.

Eine ungesunde Rendite-Jagd auf der Suche nach Alternativen zu niedrig verzinsten Staatsanleihen macht Bernardino bei den Versicherern nicht aus: „Wir sehen keinen Herdentrieb. Ich begrüße eine stärkere Diversifikation der Investments. Das zahlt sich am Ende immer aus.“

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×