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28.03.2013

14:51 Uhr

Lebensversicherer

Swiss Life erwägt Verkauf von US-Geschäft

Um Steuern zu sparen, können Reiche ihr Vermögen in bestimmte Versicherungsprodukte anlegen. Aufsichtsbehörden schließen diese Lücke aber mehr und mehr. Swiss Life scheint das Interesse an dem Geschäft zu verlieren.

Die Swiss Life-Zentrale in Zürich: Der Versicherer will offenbar sein Geschäft mit reichen US-Kunden verkaufen. dpa

Die Swiss Life-Zentrale in Zürich: Der Versicherer will offenbar sein Geschäft mit reichen US-Kunden verkaufen.

ZürichDer Schweizer Lebensversicherer Swiss Life klopft den Markt auf mögliche Käufer für sein Geschäft mit vermögenden US-Privatkunden ab. „Wir wurden über einen Vermittler angefragt, ob wir Interesse hätten, uns den Bereich näher anzusehen“, sagten Perry Lerner und Chris Calise, Direktoren des Versicherers Crown Global, der Nachrichtenagentur Reuters. Crown Global mit Büros in Zürich, auf den Bermudas, den Cayman Islands und im US-Bundesstaat Delaware ist auf Versicherungsprodukte für Reiche spezialisiert.

Nach Angaben von zwei anderen Brancheninsidern prüft Swiss Life seit einigen Monaten Optionen, die einen Verkauf des US-Geschäfts einschließen. Die verwaltete Vermögen der Sparte soll sich auf ein bis zwei Milliarden Dollar belaufen. Die Schweizer verwalten in ihrer Sparte Versicherungsgeschäft International rund 18 Milliarden Franken Vermögen. Das Gros davon entfällt auf sogenannte Versicherungsmäntel, ein Steuersparprodukt für reiche Kunden. Der Bereich ist damit relativ klein: Insgesamt verwaltet der Konzern aus Zürich fast 130 Milliarden Franken (107 Milliarden Euro). Swiss Life lehnte eine Stellungnahme ab.

Versicherer in Europa

Europa

Zahl der Unternehmen: 5078 (in 2008)

Beschäftigte: 956 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 1104 Milliarden Euro

Daten aus 2010

Deutschland

Zahl der Unternehmen: 582

Beschäftigte: 216 400

Bruttoprämien: 179 Milliarden Euro

Frankreich

Zahl der Unternehmen: 441

Beschäftigte: 147 400

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Italien

Zahl der Unternehmen: 242

Beschäftigte: 47 185

Bruttoprämien: 126 Milliarden Euro

Großbritannien

Zahl der Unternehmen: 1314

Beschäftigte: 117 000 (in 2009)

Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

Niederlande

Zahl der Unternehmen: 268

Beschäftigte: 57 000

Bruttoprämien: 78 Milliarden Euro

Belgien

Zahl der Unternehmen: 145

Beschäftigte: 23 727

Bruttoprämien: 29 Milliarden Euro

Schweiz

Zahl der Unternehmen: 151

Beschäftigte: 45 659

Bruttoprämien: 40 Milliarden Euro

Spanien

Zahl der Unternehmen: 292

Beschäftigte: 47 779 (in 2009)

Bruttoprämien: 57 Milliarden Euro

Dänemark

Zahl der Unternehmen: 184

Beschäftigte: 16 773

Bruttoprämien: 21 Milliarden Euro

Schweden

Zahl der Unternehmen: 386

Beschäftigte: 20 414

Bruttoprämien: 28 Milliarden Euro

Bei den auch unter „Private Placement Life Insurance“ (PPLI) oder „Insurance Wrapper“ bekannten Produkten werden Anlagen wie Wertpapierdepots oder Fondsanteile in eine Lebensversicherung eingebracht. Diese Ummantelung bringen Vorteile wie etwa einen Aufschub der Steuerpflicht bis zur Auszahlung und reduzierte Steuersätze. Doch das Geld bleibt bei der Bank und der Kunde kann weiterhin mitbestimmen, wie es angelegt wird. Lange Zeit reduzierte sich für Steuerflüchtlinge zudem die Gefahr, enttarnt zu werden, weil als Kontoinhaber bei der Bank nur die Versicherung auftauchte.

Doch inzwischen schauen die Aufsichtsbehörden bei Finanzinstrumenten genauer hin und schließen immer mehr Schlupflöcher. So müssen unter dem Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA), mit dem die USA der Steuerhinterziehung von amerikanischer Bürgern über Auslandsanlagen einen Riegel vorschieben wollen, auch Versicherungsvermögen deklariert werden. Das FATCA-Abkommen mit der Schweiz soll ab 2014 gelten.

Lebensversicherungen: So viel erhalten die Kunden 2013

Worum es geht

Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Beschlossen ist jetzt, den Garantiezins ab 2015 auf 1,25 Prozent zu senken.

Was die Versicherer gerne nennen

Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der gerade ausläuft. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält – weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Branchenschnitt

Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2014 weiter sinkt – im Schnitt von knapp vier Prozent im Jahre 2012 auf nun 3,4 bis 3,5 Prozent im Jahre 2014.

Langfristiger Trend

Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.

Der Branchenführer

Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent im Jahre 2012 auf 3,6 Prozent für die Jahre 2013 und 2014.

Die Besten

Sehr hohe Überschussbeteiligungen zwischen 4,05 und 3,6 Prozent weisen diese Gesellschaften aus: My Life, Ideal, Cosmos Direkt, Volkswohl Bund, Direkte Leben Stuttgarter, die Bayerische, Debeka und die Stuttgarter Leben.

Die Schlechten

Viele Lebensversicherer schaffen nur noch eine Überschussbeteiligung von drei Prozent. Dazu zählen 2014: Versicherungskammer Bayern, Swiss Life, HDI Gerling, Victoria und Zurich. Effektiv liegt die Zinsgutschrift damit deutlich unter der Marke.

Ideal

Der kleine Lebensversicherer zahlt im fünften Jahr in Folge eine stabile Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent. Dieser Satz setze sich zusammen aus einer laufenden Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent sowie einem Schlussüberschuss von 0,9 Prozent.

DEVK

Die Lebensversicherer der DEVK trotzen dem historisch niedrigen Zinsniveau: Für das Jahr 2013 schütten sie eine Überschussbeteiligung in Höhe von 4,0 Prozent aus. Im Vorjahr waren es 4,1 Prozent

Inter

Die Gesamtverzinsung für das Jahr 2013 wurde auf 3,6 Prozent festgelegt (Vorjahr: 3,75 Prozent). Die Überschussbeteiligung, die niedriger sein dürfte, teilte der Versicherer nicht mit.

Zwei Topanbieter

Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.

Provinzial Rheinland

Die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,15 Prozent auf insgesamt 4,1 Prozent (inkl. Schlussüberschuss und Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven). Die darin enthaltene laufende Verzinsung liege bei 3,4 Prozent, teilte der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf mit.

Heidelberger Leben

Entgegen dem Trend in der Lebensversicherungsbranche hält die Heidelberger Lebensversicherung AG für das Jahr 2013 die Überschussbeteiligung konstant auf dem Vorjahresniveau von 4,0 Prozent. Aufgrund der Spezialisierung auf fondsgebundene Produkte sei das Unternehmen nur im geringen Umfang von der aktuellen Niedrigzinsphase betroffen.

Stuttgarter

Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. bietet eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Zusammen mit der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschussanteilen ergebe sich für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,81 Prozent (errechnet nach Assekurata-Modellfall, Laufzeit 25 Jahre).

Ein großer Konkurrent

Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).

Volkswohl Bund

Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest.

Nürnberger

Die Nürnberger Lebensversicherung und die Nürnberger Beamten Lebensversicherung halten ihre Überschussbeteiligung stabil bei vier Prozent. Auch für 2012 und 2011 galten diese Werte. Dies ergibt sich aus der Assekurata-Überschussstudie 2013.

Die Schweizer Aufsicht FINMA hat die Bestimmungen bereits Anfang 2011 verschärft. Seither müssen Banken die Inhaber der Anlagekonten kennen, die die Versicherer bei ihnen führen. „Diese Themen und allfällige daraus resultierende Konsequenzen für die Versicherten wurden im Rahmen der laufenden Aufsicht mit den Beaufsichtigten aufgenommen und werden angesichts der bevorstehenden Einführung von FATCA sicher weiterhin vertieft diskutiert werden“, sagte FINMA-Sprecher Tobias Lux.

Von

rtr

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