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06.08.2015

11:39 Uhr

Lebensversicherer

Zurich rechnet Großübernahme durch

VonHolger Alich

Die Zahlen von Zurich sorgen nicht für Begeisterung. Dennoch plant die Versicherung die Übernahme der britischen Royal Sun Alliance – der größte Zukauf seit Jahren. Analysten fürchten, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Zurich-Chef Martin Senn will sich bei der Übernahme des britischen Versicherers nicht drängen lassen. Der Deal muss sich rentieren. IMAGO

Der Mann mit der Macht

Zurich-Chef Martin Senn will sich bei der Übernahme des britischen Versicherers nicht drängen lassen. Der Deal muss sich rentieren.

ZürichEs wäre für die Zurich Insurance Group der größte Zukauf seit Jahren: Die Übernahme der britischen Royal Sun Alliance (RSA) für umgerechnet 7,8 Milliarden Euro. Zurich-Chef Martin Senn will sich aber nicht drängen lassen: „Wir prüfen derzeit diese Transaktion“, erklärte er anlässlich der Halbjahreszahlen, die deutlich schlechter als erwartet ausfielen. Ob und zu welchen Bedingungen die Schweizer wirklich zuschlagen, dazu wollte er keinen weiteren Kommentar abgeben.
Er betonte jedoch: „Wir sind überzeugt, dass eine Transaktion für uns unsere Investoren erhebliche Vorteile mit sich bringen könnte, da sich das Geschäft von RSA und unseres strategisch ideal ergänzt und auch aus finanzieller Sicht attraktiv wäre.“ Die Übernahme müsse aber wie jedes anderes Investment mindestens zehn Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital einbringen. Und hierbei will Zurich ausblenden, dass der Versicherer derzeit sehr günstig Kredite bekommt und den Zukauf mit Schulden stemmen könnte. Fremdkapital wird bekanntlich bei der Betrachtung der Eigenkapital-Verzinsung ausgeblendet.

Kennzahlen der Versicherungswirtschaft

Infobox

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat im Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2014 die neuesten Kennzahlen der deutschen Versicherer veröffentlicht. Nachfolgenden finden Sie die wichtigsten Entwicklungen von 1980 bis heute.

Anzahl der Versicherungsunternehmen

Lebensversicherungsunternehmen
1980: 108
2000: 119
2013: 90

Krankenversicherungsunternehmen
1980: 51
2000: 55
2013: 48

Schadens-/Unfallversicherungsunternehmen
1980: 344
2000: 254
2013: 210

Rückversicherungsunternehmen
1980: 33
2000: 41
2013: 29

Beiträge der Lebensversicherungen

1980: 13,2 Milliarden Euro
2000: 61,2 Milliarden Euro
2013: 90,8 Milliarden Euro

Beiträge der Unfallversicherungen

1980: 17,9 Milliarden Euro
2000: 49,4 Milliarden Euro
2013: 60,6 Milliarden Euro

Beiträge der Krankenversicherungen

1980: 4,8 Milliarden Euro
2000: 20,7 Milliarden Euro
2013: 35,8 Milliarden Euro

Beiträge der Rückversicherer

1980: 7,1 Milliarden Euro
2000: 28,8 Milliarden Euro
2012: 43,9 Milliarden Euro
2013: k.A.

Leistungen der Erstversicherer

Lebensversicherer
1980: 15,2 Milliarden Euro
2000: 88,1 Milliarden Euro
2013: 116,2 Milliarden Euro

Krankenversicherer
1980: 4,6 Milliarden Euro
2000: 24,1 Milliarden Euro
2012: 40,7 Milliarden Euro
2013: k.A.

Schadens-/Unfallversicherer
1980: 14,3 Milliarden Euro
2000: 40,4 Milliarden Euro
2013: 49,6 Milliarden Euro

Anteil der Erstversicherungsbeiträge

Lebensversicherung

1980: 36,7 Prozent
2000: 46,6, Prozent
2013: 48,5 Prozent

Krankenversicherung

1980: 13,4 Prozent
2000: 15,8 Prozent
2013: 19,1 Prozent

Schadens-/Unfallversicherung
1980: 49,9 Prozent
2000: 37,6 Prozent
2013: 32,3 Prozent

Kapitalanlagenbestand der Erst- und Rückversicherer

1980: 126,2 Milliarden Euro
2000: 802,7 Milliarden Euro
2013: 1393 Milliarden Euro

Bestand an Versicherungsverträgen

Lebensversicherungen
1980: 65,8 Millionen
2000: 87,6 Millionen
2005: 96,9 Millionen
2013: 91,8 Millionen

PKV
1980: 24,1 Millionen
2000: 47,8 Millionen
2012: 68,1 Millionen

Schadens-/Unfallversicherungen
1980: 157,8 Millionen
2000: 262,1 Millionen
2013: 299,7 Millionen

Ende Juli war durchgesickert, dass Zurich an der RSA interessiert ist. Laut dem britischen Übernahme-Recht muss der Schweizer Versicherer nun bis zum 25. August erklären, ob er ein Angebot vorlegt oder nicht. Zurich hatte bereits klargestellt, dass eine mögliche Offerte nur in bar erfolgen würde. Dank eines Überschusskapitals von drei Milliarden Dollar könnte die Zurich einen Großteil der Übernahme mit eigenem Geld finanzieren.

Dank der RSA könnte die Zurich ihre Stellung in Großbritannien, Skandinavien, und auch in Märkten wie Argentinien ausbauen. Zuletzt hatte die Allianz der Zurich in der Türkei ein Übernahme-Ziel vor der Nase weggeschnappt. Analysten fürchten indes, dass Zurich zu viel zahlen könnte. Aus diesem Grund stuften die Analysten der Zürcher Kantonalbank die Aktien des Konzerns von „übergewichten“ auf „marktgewichten“ herunter.
Auch die enttäuschenden Halbjahreszahlen dienten als Begründung: Der Betriebsgewinn fiel um 15 Prozent auf 2,24 Milliarden Dollar (die Zurich bilanziert in der US-Währung, da die USA der wichtigste Markt sind). Analysten hatten mit 2,5 Milliarden Dollar gerechnet. Der Reingewinn fiel um drei Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar (Schätzungen: 2,1 Milliarden). Die Eigenkapital-Rendite von 11,6 Prozent liegt unterhalb des Zielbandes von 12 bis 14 Prozent.

Milliardenübernahme bei Versicherern?: Zurich nimmt britische RSA ins Visier

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Zurich fasst einen milliardenschweren Zukauf ins Auge. Das Schweizer Unternehmen prüft eine Übernahmeofferte für den britischen Wettbewerber RSA Insurance Group. Der Zukauf wäre ein Kurswechsel des Versicherers.

Hauptursache für die schlechten Zahlen war die Schaden-Versicherung; Großschäden im Geschäft mit Unternehmenskunden in Nordamerika sowie teure Schäden im Geschäft mit Gebietskörperschaften in Großbritannien verhagelten die Bilanz. Der Betriebsgewinn der Schadenversicherungs-Sparte brach um 31 Prozent ein.
Die Aktie verlor vorbörslich fast drei Prozent. Denn Wettbewerber wie die Axa oder auch die Münchener Rück vermeldeten bei ihren Halbjahreszahlen sinkende Schaden-Lasten.

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