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30.08.2012

14:48 Uhr

Lustreisen der Versicherungsvertreter

Mit Ergo ins FKK-Paradies auf Jamaika

VonSönke Iwersen

ExklusivErgo-Chef Oletzky hat immer betont, die Budapest-Affäre der Tochter Hamburg-Mannheimer sei ein Einzelfall. Doch jetzt zeigt sich: Es gab weitere Reisen in ein „Swinger-Hotel“ und Bordellbesuche auf Kosten des Konzerns.

Torsten Oletzky: Wie glaubwürdig ist der Ergo-Chef? dpa

Torsten Oletzky: Wie glaubwürdig ist der Ergo-Chef?

DüsseldorfDer Ergo-Vorstandsvorsitzende Torsten Oletzky muss seine Einzelfall-Theorie zur Budapest-Affäre überdenken. 2011 wurde bekannt, dass die besten freien Handelsvertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer 2007 auf Kosten des Konzerns eine Lust-Reise nach Budapest unternahmen, dort wurden auch Prostituierte engagiert.

Als die Reise öffentlich wurde, gab sich Oletzky entsetzt, fand aber in all der Aufregung um sexhungrige Vertreter und die Belohnungspraxis der Versicherung einen Lichtblick. Der Mann, der seine Karriere bei Ergo im Jahr 2000 bei der Hamburg-Mannheimer begann, sagte der „Bild“-Zeitung am 10. Juni 2011: „Wir haben mit der Revision fast jeden Stein umgedreht und dabei nichts gefunden, was in Art oder Umfang mit der Budapest-Reise vergleichbar gewesen wäre.“

Doch nur sechs Tage nach seiner Aussage stellte die Revision der Ergo zwei neue Berichte fertig, acht Tage später einen dritten. Auf insgesamt zwölf Seiten halten die Revisoren fest: Lust-Reisen gab es sowohl vor als auch nach der Sex-Party in der Gellert-Therme. Die Budapest-Orgie war zwar in ihrem Umfang einmalig, doch die Art der Reise war keineswegs außergewöhnlich. Die Berichte zeigen Sex-Reisen als gängiges Belohnungsinstrument.

Im September 2005 fuhren die leistungsstärksten Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer nach Mallorca.

Ergo-Revisionsbericht „Mallorca“, Seite 2

„Kleine Clubreise“

Die Top-Five-Clubreise nach Mallorca (kleine Clubreise) hat in der Zeit vom 12.09. - 15.09.2005 stattgefunden und wurde von Herrn Lange in seiner Funktion als Leiter der HMI-Vertriebsorganisation begleitet.

„In HMI-Eigenregie organisiert“

Insgesamt werden angabegemäß je Jahr eine „große“ und zwei „kleine“ Top-Five-Clubreisen in Eigenregie von der Vertriebsdirektion HMI (VDHMI) organisiert, durchgeführt und über eigene Kostenstellen abgewickelt.

Die Top-Five-Clubreise mit 21 Teilnehmern kostete 55.992,98 Euro. In der Nacht vor dem Abflug führte Vertriebschef Max K. (Name geändert) seine besten Männer dann in einen ganz besonderen Club. Ein Teilnehmer gab an:

Ergo-Revisionsbericht „Mallorca“, Seite 3a

Leicht bekleidete „Mädels“

Als sie den Club betreten hätten, seien er und andere überrascht gewesen, weil im Tresenbereich leicht bekleidete „Mädels“ gestanden hätten. Einige, zu denen er gehörte, seien dann ca. nach einer Stunde zurückgefahren, andere seien dort geblieben.

Diejenigen, die blieben, hatten offenbar großen Hunger und Durst. Wieder daheim, reichte der Vertriebschef für diesen Abend eine Rechnung über 2428 Euro für „Speisen und Getränke“ ein.

Ergo-Revisionsbericht „Mallorca“, Seite 3b

„Aufwendungen für einen Bordellbesuch“

Aufgrund der vorliegenden Information ist es aus Sicht von REV (Revision) wahrscheinlich, dass mit den beiden von Herrn Lange eingereichten Bewirtungsbelegen über gesamt 2428 Euro Aufwendungen für einen Nachtclub/Bordellbesuch finanziert wurden.

Der Bericht der Konzernrevision zeigt, wie locker käuflicher Sex abgerechnet wurde. Und er dokumentiert entweder ein Versagen oder eine stillschweigende Zustimmung der Zentrale. Die Rechnung wurde erstattet für ein Lokal, das es nicht gab, und einen Tag, an dem die Vertreter schon auf der Rückreise waren.

Ergo-Revisionsbericht „Mallorca“, Seite 3c

„Mexxaton“

Auf beiden Belegen ist im Kopf der Name „Mexxaton“ vermerkt, bei dem es sich anscheinend um die Lokalität handeln soll, von der sie ausgestellt wurden. Auf dem Beleg über € 1508 ist zusätzlich das Datum „15.09.05“ vermerkt, während der andere kein Datum trägt. Weitere Angaben z.B. zum Aussteller befinden sich nicht darauf.

Lokalität vor Ort unbekannt

Eine Lokalität mit dem Namen „Mexxaton“ auf Mallorca haben wir weder bei unseren Internetrecherchen gefunden noch war sie der vor Ort vertrauten Reiseagentur bzw. dem Hotel oder Reiseteilnehmern bekannt.

Rechnung in den frühen Morgenstunden

Das Datum auf dem Beleg über € 1508 wäre allenfalls plausibel, wenn die Rechnung in den frühen Morgenstunden ausgestellt wurde, da am 15.09.05 der Abreisetag war.

Sechs Jahre später, als die Revision die dringende Aufgabe hatte, in dem Vertrieb nach dem Rechten zu sehen, taten sich die Ermittler schwer.

Kommentare (58)

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Peter_Sales

30.08.2012, 15:21 Uhr

Die Aufregung in den Medien verstehe ich nicht.Incentives dienen der Belohnung von Mitarbeitern für ihren erfolgreichen Einsatz für das Unternehmen.Wenn die Herrschaften die Konsultation von Prostituierten als favorisierte Belohnung ansehen mag das moralisch verwerflich sein, aber rechtfertigt keinen öffentlichen Aufschrei. Bei einer Kreuzfahrt für den gleichen Betrag wäre das wohl keiner Erwähnung Wert gewesen.

Account gelöscht!

30.08.2012, 15:22 Uhr

Mit Ehefrau geldwerter Steuervorteil (direkt als merh NETTO überwiesen durch weniger Lohnsteuer vom Unternehmen) für den Einzelverdiener durch SCHANGGSERLN - wo verdammt nochmal ist der Unterschied?

Account gelöscht!

30.08.2012, 15:33 Uhr

was soll das ganze geschrei über sexreisen? als altgedienter verkaufsfrontler, habe ich in meinem leben viele solche lustreisen mitgemacht, und es war jedesmal ein absoluter HIT für alle. es ist ja auch eine belohnung für aussergewöhnliche leistung, die nicht mit geld sondern im kollektiv belohnt wurde. und eines kann ich garantieren!
diese prämien wurden von allen die dabei waren genossen und wir erzählen uns noch heute, von den schönen alten zeiten und ausflügen..... non limit !
also hört auf zu motzen !

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