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31.08.2012

13:36 Uhr

Lustreisen

Ergo bremst Transparenz mit juristischen Mitteln

VonSönke Iwersen

Exklusiv„Offenheit und Transparenz“ versprach Ergo-Vorstandschef Torsten Oletzky im Nachgang der Budapest-Affäre. Doch jetzt macht der Konzernchef einen Rückzieher und erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen das Handelsblatt.

Ergo-Chef Torsten Oletzky: Der Versicherungskonzern geht gegen die Veröffentlichung der Revisionsberichte vor. dpa

Ergo-Chef Torsten Oletzky: Der Versicherungskonzern geht gegen die Veröffentlichung der Revisionsberichte vor.

DüsseldorfDer Versicherungskonzern Ergo will die öffentliche Aufarbeitung seiner Sex-Affären mit juristischen Mitteln behindern. Der Konzern fordert, dass das Handelsblatt den jüngsten Revisionsbericht des Unternehmens nicht mehr im kompletten Wortlaut veröffentlicht. In den Berichten wird beschrieben, wie freie Handelsvertretern mittels käuflichem Sex motiviert werden sollen.

Der Konzern geht damit gegen die noch junge iPad-App „Handelsblatt Morning Briefing“ vor. Dort wurden auch heute morgen wieder die Revisionsberichte originalgetreu veröffentlicht. Komme das Handelsblatt der Forderung nicht nach, drohten juristische Konsequenzen, warnte Ergo. Am Mittag erwirkte Ergo am Landgericht Köln dann eine einstweilige Verfügung gegen das Handelsblatt. Der Verlag darf den Revisionsbericht „HMI-Wettbewerbsreise - Budapest 2007“ nicht mehr verbreiten. Drei weitere Revisionsberichte sind von der Unterlassungserklärung allerdings nicht betroffen und können weiterhin abgerufen werden.

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Das Vorgehen von Ergo steht im Gegensatz zu der versprochenen Transparenz des Konzerns beim Thema Lustreisen. „Ergo steht für Transparenz und Offenheit. Und das wollen wir auch zum Thema unternehmerische Verantwortung zeigen“, sagte Vorstandschef Torsten Oletzky noch vor wenigen Wochen. „Unternehmerische Verantwortung ist ein umfassendes Konzept, das alle Unternehmensbereiche betrifft und genauso durch Fakten und Daten belegt werden muss, wie alle anderen Maßnahmen auch.“

In diesen Tagen hätte Oletzky alle Chancen, den Beleg für die Glaubwürdigkeit seiner Unternehmenspolitik zu erbringen. Nachdem die Berichte der Konzernrevision über die teils bizarren Praktiken zur Motivation von Handelsvertretern ein Jahr lang unter Verschluss blieben, hat sie das Handelsblatt nun öffentlich gemacht. Per Download über die iPad-Anwendung können sich die Leser selbst ein Bild machen, wie die Ergo die historische Gellert-Therme 2007 in Budapest in ein Freiluft-Bordell verwandelte, und warum die besten Vertreter 2009, 2010 und 2011 zur Belohnung tagelang in einen Swinger-Club auf Jamaika einquartiert wurden.

Oletzky ist die selbst proklamierte Transparenz nun offenbar zu viel. Per Anwalt will er die Veröffentlichung der Konzernberichte verbieten lassen. Die Begründung: Das Handelsblatt verletzte durch die Veröffentlichung die Urheberrechte der Ergo.

Die Rechtsexperten des Handelsblattes werden freiwillig keine Unterlassungserklärung abgeben, sondern verweisen Ergo auf den Rechtsweg. „Wir werden die Angelegenheit genau prüfen. Urheberrechtliche Ansprüche sollten - sofern es sich hier überhaupt um ein geschütztes Werk handelt - jedenfalls im Lichte der Pressefreiheit ausgelegt werden“, sagt Thomas Gottlöber, Chefjustiziar der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Kommentare (55)

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smarty_32

31.08.2012, 08:26 Uhr

Wie wäre es den, wenn sich die Ergo in Eros-Versicherungen umbenennt. Das wäre doch ein glaubwürdiger Schritt.

leser

31.08.2012, 08:31 Uhr

Saftig danebengegangen dürfte der Relaunch der ehemaligen Hamburg-Mannheimer Versicherungsgruppe als ERGO auch ohne die Berichterstattung des Handelsblatts.
Dazu bedurfte es keiner besonderen Presse: das hat der Verein alles selbst gemacht.

Anonym

31.08.2012, 08:38 Uhr

Budapest -> Ungarn nicht Bulgarien ;-)

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