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11.09.2012

19:41 Uhr

Milliarden-Überschüsse

Krankenkassen wehren sich gegen Prämien

Obwohl die Krankenkassen derzeit Milliarden-Überschüsse anhäufen, kommt davon nicht viel bei den Versicherten an. Heute rechtfertigte sich die Chefin des GKV-Spitzenverbandes für dieses Verhalten.

Karten verschiedener Krankenkassen: Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr. dapd

Karten verschiedener Krankenkassen: Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr.

BerlinTrotz der wachsenden Milliarden-Überschüsse und Ermahnungen der Politik sehen die gesetzlichen Krankenkassen keine Spielräume für die Auszahlung von Prämien an ihre Mitglieder. Durch sinkende Beitragseinnahmen und steigende Ausgaben werde die Reserve "innerhalb von zwei bis drei Jahren spätestens wieder verbraucht" sein, sagte die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, am Dienstag zu der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Die CSU kündigte derweil an, einen Teil der Überschüsse im Gesundheitswesen für die Förderung von Apotheken und Krankenhäusern in ländlichen Regionen verwenden zu wollen.

"Die Überschusssituation wird ein begrenzter Zeitraum sein, das ist kein Dauerthema", sagte Pfeiffer. Die inzwischen auf knapp 22 Milliarden Euro gestiegenen Rücklagen würden benötigt, weil sonst in einer Phase konjunktureller Abkühlung die Beiträge rasch wieder erhöht werden müssten. "Es geht nicht darum, dass Krankenkassen zu Sparkassen werden sollen", wies Pfeiffer entsprechende Äußerungen etwa von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zurück.

Die zehn größten Versicherungskonzerne

Platz 10

Prudential plc (Großbritannien)

Der britische Versicherer mit Hauptsitz in London hat weltweit 20 Millionen Kunden. Künftig soll ein Schwerpunkt auf das asiatische Geschäft gelegt worden. 2010 kamen die Briten auf einen Umsatz von 73,6 Milliarden Dollar.

Platz 9

Munich Re (Deutschland)

Der größte deutsche Rückversicherer, der früher Münchener Rück hieß, sichert sich ebenfalls einen Platz unter den weltgrößten Versicherern. Zur Gesellschaft gehört unter anderem auch die Ergo Versicherungsgruppe. Die rund 47.000 Mitarbeiter des Konzerns haben 2010 auf einen Umsatz von 76,22 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 8

Nippon Life Insurance Company (Japan)

Die Japaner mit Hauptsitz in Osaka sind nicht nur der größte Lebensversicherer ihres Landes, sondern gehören auch international zu den größten. Mit einem Umsatz von 78,57 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 ist der Konzern locker in der Top 10.

Platz 7

Aviva (Großbritannien)

Weltweit hat der Konzern aus London 35 Millionen Kunden und rund 45.000 Mitarbeiter. Insgesamt kamen die Briten im Jahr 2010 auf einen Umsatz von 90,2 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,26 Milliarden Dollar.

Platz 6

UnitedHealth (USA)

Im Bereich der Krankenversicherung gehört das Unternehmen aus der Kleinstadt Minnetonka (Minnesota) zu den größten der Branche. Weltweit beschäftigt der Konzern 87.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 94,15 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Platz 5

American International Group (USA)

Die New Yorker waren lange der größte Erstversicherer der Welt. In der Finanzkrise mussten sie dann sogar mit Steuergeldern gerettet werden. 2010 haben die Amerikaner rund 104,4 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 4

Assicurazioni Generali (Italien)

Schon Franz Kafka gehörte kurzzeitig zu den Angestellten des traditionsreichen Versicherers aus Triest. Die Italiener gehören bis heute zu den führenden Versicherungskonzernen weltweit, 2010 kamen sie auf einen Umsatz von 120,2 Milliarden Dollar.

Platz 3

Allianz (Deutschland)

Der größte deutsche Versicherungskonzern schafft den Sprung auf das Treppchen. Von München aus steuert der Konzern 151.338 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete so einen Umsatz von 127,38 Milliarden Dollar im Jahr 2010.

Platz 2

Berkshire Hathaway (USA)

Mit dem schillernden Investor Warren Buffett an der Spitze, ist US-Beteiligungsgesellschaft vor allem im Versicherungsgeschäft tätig. Die Amerikaner gehören zu den profitabelsten Konzernen des Landes. 2010 wurde ein Umsatz von 136,18 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Platz 1

AXA (Frankreich)

Der größte Versicherungskonzern der Welt hat seinen Hauptsitz in Paris. Insgesamt verwalten die rund 103.000 Mitarbeiter ein Vermögen von 1,38 Billionen Dollar. Allein im Jahr 2010 wurde ein Umsatz von 162,2 Milliarden Dollar eingefahren.

In der Bundestagsdebatte zu seinem Haushalt wiederholte Bahr seine Forderung nach Prämienausschüttungen nicht. Er wertete es jedoch als Erfolg der Politik der Koalition, dass man sich über die Verteilung von Überschüssen unterhalte und nicht mehr über die Verwaltung von Defiziten. Die Koalition werde weiterhin nicht Geld mit der Gießkanne ausschütten sondern Prioritäten setzen.

Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer plädierte dafür, den Apothekern über die geplante höhere Vergütung hinaus bei der Bezahlung von Nacht- und Notdiensten entgegen zu kommen. Ziel sei es, Apotheken insbesondere in ländlichen Regionen finanziell zu stärken, um die Abwanderung aus Flächenländern zu verhindern. Die Gefahr sei groß, dass in manchen Regionen bald kein Apotheker mehr vorhanden sei. So sei für Apotheken in Ballungsgebieten und in der Nähe von Bahnhöfen der Notdienst attraktiv, nicht aber auf dem Land, wo innerhalb von 24 Stunden vielleicht nur ein Patient erscheine.

Kommentare (5)

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steuerhilfe.net

12.09.2012, 06:35 Uhr

Dieses Gezanke und am Ende kommt bei den Versicherten sowieso nichts an. Alles nur heiße Luft, die immer wieder abgelassen wird. Im nächsten Jahr rufen die KK sowieso wieder nach Beitragserhöhungen & die priviligierten Ärzte, Apotheker wollen sicherlich auch wieder ordentlich mehr Beitragsgeld.
Am Ende ist immer der Beitragszahler der Dumme, also hört auf uns zu veralbern.

Rene

12.09.2012, 07:42 Uhr

Natürlich ist das nur eine vorübergehende Phase:

Wahrscheinlich muß Frau Pfeiffer nächstes Jahr ne halbe Million mehr Gehalt haben und einen weiteren Firmenpalast für 100 Mio.€. AUch die bettelarmen Ärzte brauchen mehr Vergütung.

Da kann man den malochenden Steuer- und Beitragszahler nicht entlasten, sorry, geht einfach nicht. Alle korrupt und gierig und verschleudern bedenkenlos des Beitragszahlers Geld.

Account gelöscht!

12.09.2012, 08:04 Uhr

Würden die ganzen sogenannten Spitzenverbände auch abgeschafft, hätten wir einen noch höheren Überschuss und weniger Lobbyisten in Berlin und Brüssel.
Mit Hilfe der Politik wurden die 10 € pro Quartal eingeführt, also darf auch die Politik dies wieder abschaffen.
Ansonsten eine Einheitskrankenkasse und wir würden nochmals Milliarden € einsparen.

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