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09.05.2012

17:18 Uhr

Milliardengeschäfte

Allianz will in China Kasse machen

Bisher können Versicherer nur neidisch auf die Autoindustrie schauen, die in China Milliarden einfährt. Strenge Gesetze verbauen ihnen den Zugang zum dem milliardenschweren Markt. Die Allianz plant nun den großen Sprung.

Eine Straße in Schanghai: Bisher sind die Beschränkungen für Versicherer in China noch zu rigide. dapd

Eine Straße in Schanghai: Bisher sind die Beschränkungen für Versicherer in China noch zu rigide.

MünchenDeutsche Auto- und Maschinenbauer fahren in China Rekordgewinne ein. Versicherungen hegen zwar enorme Erwartungen, denn der Markt wächst rasant - im Moment jedoch ist für sie in der Volksrepublik nicht viel zu gewinnen: Zu rigide sind die Beschränkungen derzeit noch. Jetzt plant die Allianz den großen Sprung an die Börse in Schanghai.

Vorstandschef Michael Diekmann war bis 1998 selbst von Singapur aus für das Asiengeschäft zuständig. „Das Thema Asien ist für uns ganz oben“, sagte er am Mittwoch auf der Hauptversammlung. Mit Zustimmung der Aktionäre will er alles vorbereiten, um im Zuge einer Kapitalerhöhung als eines der ersten ausländischen Unternehmen in China sofort an die Börse gehen zu können, sobald das rechtlich möglich ist. Ein solcher Schritt könnte bis zu drei Milliarden Euro an Wachstum in Asien in die Kasse bringen und die Allianz dort bekannter machen. Nächstes Jahr könnten die Tore der Börse in Schanghai geöffnet werden, erklärte Finanzvorstand Paul Achleitner.

Hauptversammlung: Allianz-Chef warnt vor Konjunkturprogrammen

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Michael Diekmann hat vor den Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise gewarnt.

Derzeit sei es noch „nicht ganz leicht, da Geld zu verdienen“, sagte Diekmann. Das hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen steckt der Aufbau eines Versicherungsmarktes wie in der westlichen Welt erst in den Anfängen. Vor allem aber erschwert die Volksrepublik den Zugang für ausländische Anbieter derzeit noch extrem.

In den USA werden 15 Prozent der Wirtschaftsleistung für Versicherungen ausgegeben, in China noch keine 3 Prozent. Die Chinesen hätten kulturell ein anderes Risikobewusstsein, heißt es in einer Studie der Munich Re, des weltgrößten Rückversicherers. Private Haftpflicht-, Rechtsschutz- oder Hausratversicherungen seien kaum entwickelt, „Lebens- und Krankenversicherungen befinden sich noch im Anfangsstadium“.

Drei Viertel aller Sachversicherungen in China sind Kfz-Versicherungen. „Insbesondere der hohe Automobilabsatz hat das Prämienvolumen deutlich in die Höhe getrieben“, erklärte Munich-Re-Manager Benny Zhou in der Hauszeitschrift „Topics“. In China gibt es inzwischen doppelt so viele Autos wie in Deutschland, der Automarkt ist inzwischen der größte der Welt, und die Kfz-Versicherung ist obligatorisch.

Versicherungskonzern: Ein Riese auf dem Hosenboden

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Das Klima für die Allianz ist rauer denn je: Gewinne an den Kapitalmärkten werden immer schwieriger, Naturkatastrophen reißen große Löcher in die Kassen. Der Konzern muss nun an vielen Stellen gleichzeitig gegenhalten.

Aber ausländische Versicherer haben hier nur ein Prozent Marktanteil. Erst seit einer Woche dürfen sie neben einer Kasko- auch eine Autohaftpflichtversicherung anbieten, erklärte Gesa Walter von der Allianz in Singapur.

China hat sich bei der Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 eigentlich zu einer größeren Öffnung seines Versicherungsmarktes verpflichtet. Aber ausländische Anbieter bekommen Lizenzen nur für einzelne Provinzen, sie müssen mit einem chinesischen Partner als Gemeinschaftsunternehmen antreten, und die Beteiligung an chinesischen Versicherern ist auf 50 Prozent beschränkt. Dazu kommen Beschränkungen für bestimmte Sektoren wie die Kfz-Versicherung.

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