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13.08.2012

17:23 Uhr

Milliardeninvestitionen

Versicherer entdecken die Energiewende

VonAxel Höpner, Klaus Stratmann

Im stetigen Streit um die Energiewende kommen neue Teilnehmer ins Spiel: Deutsche Versicherer. Sie könnten Milliarden in Strom- und Gasnetze investieren. Ein üppiges Geschäft, denn die Regierung garantiert enorme Zinsen.

Die Energiewende erfordert den Ausbau des Stromnetzes. dpa

Die Energiewende erfordert den Ausbau des Stromnetzes.

München/BerlinDer Stromnetzbetreiber Tennet hat ein Problem: Er muss 15 Milliarden Euro in sein deutsches Netz investieren - und schafft es nicht. Ihm fehlt die finanzielle Potenz. 15 Milliarden sind dagegen für die Allianz, Europas größten Versicherungskonzern, und den weltgrößten Rückversicherer Munich Re keine große Sache.

Und da die Regierung für Investitionen in Netze hohe Renditen garantiert, haben beide nach Informationen des Handelsblatts aus Verhandlungskreisen grundsätzlich Interesse an Übernahme und Ausbau des Tennet-Netzes bekundet.

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Die Bundesregierung ist darüber sehr erfreut, denn in Berlin wächst die Unzufriedenheit mit Tennet. Das Unternehmen mit niederländischer Mutter räumt offen ein, mit der Finanzierung der Netzanbindung für die Offshore-Windparks in der Nordsee überfordert zu sein. Doch ohne die Windparks auf hoher See kann die Energiewende nicht gelingen.

Dort soll bis 2020 eine Kapazität von 10.000 Megawatt entstehen. Das entspricht einer installierten Leistung von zehn Kernkraftwerken. Das letzte AKW soll bereits 2022 vom Netz. Die Probleme von Tennet sind daher für die Regierung gefährlich, und so drängt sie Tennet, sein deutsches Netz zu verkaufen.

Längst arbeitet das Wirtschaftsministerium an einem Plan B. In diesem Plan kommt Tennet nicht mehr vor. Munich Re und Allianz dagegen schon. Und sie müssen nicht lange gebeten werden. Beide hätten bereits im Ministerium vorgefühlt, heißt es in Verhandlungskreisen. Offiziell bestätigen Munich Re und Allianz das nicht.

Bei Munich Re hieß es, man kommentiere Spekulationen um Tennet nicht, der Konzern könne sich aber "ganz generell" weitere Investitionen in die Infrastruktur gut vorstellen. Munich Re ist bereits an Amprion, einem der drei weiteren deutschen Übertragungsnetzbetreiber, beteiligt. Bei der Allianz hieß es kürzlich, das Stromnetzgeschäft sei "grundsätzlich ein ideales Investment".

Strom- und Gasnetze sind für institutionelle Anleger äußerst interessant: Für Neuinvestitionen in Netze hat die Bundesnetzagentur eine Eigenkapitalverzinsung von 9,05 Prozent festgelegt, um Investoren anzulocken. In Zeiten, in denen zehnjährige Bundesanleihen nur noch wenig mehr als ein Prozent Rendite abwerfen, ist das sehr lukrativ.

Probleme bereiten Investoren noch ungeklärte Haftungsfragen: Wer trägt etwa das Risiko, wenn die Netzanbindung eines Offshore-Windparks nicht rechtzeitig steht, der Park aber schon produziert? Die Regierung arbeitet deshalb unter Hochdruck an Haftungsregeln. Ein Teil der Risiken soll sozialisiert werden, bezahlen müssen also die Stromkunden. Damit wäre der Einstieg in das Geschäft für Allianz oder Munich Re noch attraktiver.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

13.08.2012, 18:13 Uhr

Und warum wird eine solche Möglichkeit nicht auch privaten Anlegern eröffnet. Ich bin überzeugt, dass sich etliche Privatanleger finden lassen, die eine Verzinsung von 9,05% auf mehr als 20 Jahre gerne mitmachen.

Privatier

13.08.2012, 18:32 Uhr

@RGS55
weil der "Privatanleger", vom Staat, i.d.R. nur abgezockt wird.
Riester und co kommen auch nur den Konzernen zugute der Private zahlt drauf.
Der Private bekommt vom Staat nur das, was sich nicht rechnet.

Account gelöscht!

13.08.2012, 18:47 Uhr

Die hohen Renditen zeigen, wie unsinnig die ganze Energiewende ist. Und diese Energiewende wird wieder einmal beweisen, daß der Staat als Investor ein totaler Versager ist.

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