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28.07.2015

16:07 Uhr

Milliardenübernahme bei Versicherern?

Zurich nimmt britische RSA ins Visier

Zurich fasst einen milliardenschweren Zukauf ins Auge. Das Schweizer Unternehmen prüft eine Übernahmeofferte für den britischen Wettbewerber RSA Insurance Group. Der Zukauf wäre ein Kurswechsel des Versicherers.

Der Vorstoß stellt ein Kurswechsel dar. dpa

Zurich Insurance Group

Der Vorstoß stellt ein Kurswechsel dar.

ZürichIn der Versicherungsbranche bahnt sich eine weitere Milliardenübernahme an. Die Zurich Insurance Group prüft ein Kaufangebot für den britischen Rivalen RSA Insurance Group, der an der Börse etwa sieben Milliarden Dollar wert ist. „Wir denken, dass RSA viele Stärken hat, die unser Geschäft ergänzen würden“, sagte ein Zurich-Sprecher am Dienstag. „RSA ist ganz klar stark in Großbritannien, aber auch in Skandinavien und Kanada. Und sie haben Geschäft in Lateinamerika, einem Markt, den wir ausbauen wollen.“ RSA teilte mit, dass mit Zurich keine Gespräche geführt wurden, und riet seinen Aktionären abzuwarten.

Der Vorstoß bedeutet für Zurich einen Kurswechsel. Seit Jahren hält sich der Konzern bei Übernahmen zurück. Zurich-Chef Martin Senn wurde für diesen Kurs wiederholt von Investoren kritisiert, die das fehlende Wachstum bemängeln. Der Konzern sitzt auf viel Geld: Bis Ende kommenden Jahres will Senn drei Milliarden Dollar entweder für Zukäufe einsetzen oder an die Aktionäre zurückgeben. Bislang setzt der Zurich-Chef vor allem auf Verkäufe von Geschäften, die den Ansprüchen nicht genügen und verfolgt einen Sparkurs, um die Finanzziele zu erreichen .

Kennzahlen der Versicherungswirtschaft

Infobox

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat im Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2014 die neuesten Kennzahlen der deutschen Versicherer veröffentlicht. Nachfolgenden finden Sie die wichtigsten Entwicklungen von 1980 bis heute.

Anzahl der Versicherungsunternehmen

Lebensversicherungsunternehmen
1980: 108
2000: 119
2013: 90

Krankenversicherungsunternehmen
1980: 51
2000: 55
2013: 48

Schadens-/Unfallversicherungsunternehmen
1980: 344
2000: 254
2013: 210

Rückversicherungsunternehmen
1980: 33
2000: 41
2013: 29

Beiträge der Lebensversicherungen

1980: 13,2 Milliarden Euro
2000: 61,2 Milliarden Euro
2013: 90,8 Milliarden Euro

Beiträge der Unfallversicherungen

1980: 17,9 Milliarden Euro
2000: 49,4 Milliarden Euro
2013: 60,6 Milliarden Euro

Beiträge der Krankenversicherungen

1980: 4,8 Milliarden Euro
2000: 20,7 Milliarden Euro
2013: 35,8 Milliarden Euro

Beiträge der Rückversicherer

1980: 7,1 Milliarden Euro
2000: 28,8 Milliarden Euro
2012: 43,9 Milliarden Euro
2013: k.A.

Leistungen der Erstversicherer

Lebensversicherer
1980: 15,2 Milliarden Euro
2000: 88,1 Milliarden Euro
2013: 116,2 Milliarden Euro

Krankenversicherer
1980: 4,6 Milliarden Euro
2000: 24,1 Milliarden Euro
2012: 40,7 Milliarden Euro
2013: k.A.

Schadens-/Unfallversicherer
1980: 14,3 Milliarden Euro
2000: 40,4 Milliarden Euro
2013: 49,6 Milliarden Euro

Anteil der Erstversicherungsbeiträge

Lebensversicherung

1980: 36,7 Prozent
2000: 46,6, Prozent
2013: 48,5 Prozent

Krankenversicherung

1980: 13,4 Prozent
2000: 15,8 Prozent
2013: 19,1 Prozent

Schadens-/Unfallversicherung
1980: 49,9 Prozent
2000: 37,6 Prozent
2013: 32,3 Prozent

Kapitalanlagenbestand der Erst- und Rückversicherer

1980: 126,2 Milliarden Euro
2000: 802,7 Milliarden Euro
2013: 1393 Milliarden Euro

Bestand an Versicherungsverträgen

Lebensversicherungen
1980: 65,8 Millionen
2000: 87,6 Millionen
2005: 96,9 Millionen
2013: 91,8 Millionen

PKV
1980: 24,1 Millionen
2000: 47,8 Millionen
2012: 68,1 Millionen

Schadens-/Unfallversicherungen
1980: 157,8 Millionen
2000: 262,1 Millionen
2013: 299,7 Millionen

Doch Europas fünftgrößter Versicherer droht angesichts des Übernahme-Karussells in der Branche den Anschluss zu verpassen. Mit Zukäufen und Zusammenschlüssen wollen sich die Versicherer fitmachen für die drohenden schärferen Kapitalvorschriften und das Niedrigzins-Umfeld, das es immer schwieriger macht, mit den großen Anleihe-Portfolios die nötigen Gewinne zu erwirtschaften. In den USA schluckten der Versicherungskonzern ACE und der Krankenversicherer Aetna für 28 Milliarden beziehungsweise 37 Milliarden Dollar Rivalen . Auch die beiden japanischen Versicherer Tokio Marine und Meiji Yasuda Life gingen auf Einkaufstour, während der Versicherungsbroker Willis mit der Unternehmensberatung Towers Watson fusioniert. In Europa ist die Allianz unangefochten die Nummer eins.

Die RSA-Aktien, die bereits in den vergangenen Tagen von Übernahmespekulationen profitierten, reagierten mit einem Kurssprung von fast 15 Prozent auf fünf Pfund. Die Zurich-Anteile dagegen verloren mehr als ein Prozent auf 293,10 Franken. Sollte die Übernahme zustande kommen, müssen sich die Aktionäre auf weniger üppige Ausschüttungen einstellen. Zudem droht eine Kapitalerhöhung. In der Branche sind Analysten zufolge Kaufprämien von 20 bis 40 Prozent üblich. Die Schweizer müssten für RSA demnach gut acht Milliarden Dollar oder mehr auf den Tisch legen.

Von

rtr

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