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21.08.2013

11:23 Uhr

Millionen-Deal

Finanzinvestor wildert unter Lebensversicherern

Niedrige Zinsen und schrumpfende Ausschüttungen für Lebensversicherungen schrecken den Finanzinvestor Cinven nicht ab. Das Unternehmen kauft den Anbieter Heidelberger Leben. Und damit soll nicht Schluss sein.

Lloyds bekommt 300 Millionen Euro für die Heidelberger Leben. gms

Lloyds bekommt 300 Millionen Euro für die Heidelberger Leben.

FrankfurtDer Finanzinvestor Cinven will in Deutschland groß in das Geschäft mit Lebensversicherungen einsteigen. Nach der am Mittwoch verkündeten Übernahme der Heidelberger Leben hält Cinven Ausschau nach weiteren Beständen von Lebensversicherungs-Policen. Zusammen mit dem Rückversicherer Hannover Rück zahlt Cinven 300 Millionen Euro für die frühere MLP Lebensversicherung, die noch der britischen Großbank Lloyds gehört.

Die mit fondsgebundenen Policen groß gewordene Heidelberger Leben soll nun ihr ohnehin schleppendes Neugeschäft - 2012 waren es 41 Millionen Euro - zurückfahren und stattdessen weitere Bestände von Lebensversicherern kaufen, die keine neuen Kunden annehmen oder ihr Neugeschäft einstellen wollen.

Der richtige Schutz gegen die Versorgungslücke im Ruhestand

Die Zahlen

Im Ruhestand müssen viele Frauen ihre Ansprüche deutlich zurückschrauben. Lag die Durchschnittsrente für Männer 2011 im Westen bei 987 Euro und im Osten bei 1.058 Euro, betrug sie für Frauen aus Westdeutschland im Schnitt nur 495 Euro und für ostdeutsche Frauen 711 Euro. Auf die Versorgung durch den Partner im Alter sollten Frauen sich – auch wegen der hohen Scheidungsraten – nicht verlassen. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es weitere Möglichkeiten, für das Alter vorzusorgen.

Warum bekommen Frauen so viel weniger Rente?

Je länger und je mehr ein Versicherter Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, desto höher fällt die Rente aus. Da Frauen immer noch rund 22 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen verdienen, zahlen Frauen auch deutlich weniger in die Rentenkasse. Außerdem erreichen Frauen im Schnitt 15 Versicherungsjahre weniger als Männer.

Hauptgrund dafür sind Jobpausen wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Auch längere Teilzeittätigkeit mindert den Rentenanspruch. Hinzu kommt, dass das Rentenniveau wegen der Bevölkerungsentwicklung weiter sinken wird.

Wie werden Kindererziehungszeiten berücksichtigt?

Mit den sogenannten Kindererziehungszeiten soll der Verdienstausfall in den ersten Lebensjahren eines Kindes bei der Rente ausgeglichen werden. Für alle Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden der Mutter – auf Antrag auch dem Vater – drei Jahre Beitragszeiten auf Grundlage des Durchschnittseinkommens gutgeschrieben. Zwei Kinder ergeben dann eine Rente von etwa 660 Euro im Jahr. Für vor 1992 geborene Kinder gibt es nur ein Jahr Beitragszeit. Auch wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, kann sich dies auf dem Rentenkonto gutschreiben lassen.

Können Frauen mit Minijobs ausreichend fürs Alter vorsorgen?

"Auf Dauer Minijob und Rente – das verträgt sich nicht gut. Dafür ist das Rentensystem nicht gemacht", warnt ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung. Bei einem Monatsverdienst von 450 Euro steigt die monatliche Rente mit jedem Jahr in einem Minijob um lächerliche 4,45 Euro. Allerdings können Frauen, die kein oder nur ein Kind bekommen haben, mit einem Minijob die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erreichen.

Was hat sich bei Minijobs geändert?

Zwar sind Minijobber seit diesem Jahr in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, sie können sich aber von der Versicherungspflicht und dem damit verbundenen Eigenbeitrag befreien lassen. Dann zahlt der Arbeitgeber nur noch seinen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung. Die Rentenversicherung rät aber, sich über die Folgen zu informieren. So könne eine Befreiung von der Versicherungspflicht dazu führen, dass eine schon erworbene Absicherung im Invaliditätsfall oder die Förderung der Riester-Rente wieder wegfällt.

Sollten Minijobber riestern?

Die Deutsche Rentenversicherung rät Minijobberinnen, auf jeden Fall die Riesterförderung in Anspruch zu nehmen. Mit einem Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr könnten sie sich die recht umfangreichen staatlichen Zulagen sichern. Die volle Grundzulage beträgt 154 Euro und für Kinder 185 Euro pro Jahr. Für Kinder, die ab 2008 geboren wurden, fließen sogar 300 Euro pro Jahr.

Wie können Frauen zusätzlich vorsorgen?

Mit einer zusätzlichen Altersvorsorge sollten Frauen grundsätzlich so früh wie möglich anfangen. Ein Vertrag über vermögenswirksame Leistungen kann schon mit dem Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden. Entscheidend für die persönliche Vorsorgestrategie ist, wieviel Zeit noch für das Ansparen bis zum Rentenalter bleibt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband verweist auf die Faustformel: Je kürzer der Anlagezeitraum, desto sicherer sollten die gewählten Produkte sein. Wer noch 30 Jahre bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn vor sich habe, könne auch auf risikoreichere Angebote mit höheren Ertragschancen wie Aktienfonds zurückgreifen.

Was tun, wenn die Rente jetzt schon nicht reicht?

Für Menschen über 65 Jahren gibt es die Grundsicherung vom Staat. Sie muss persönlich beim Grundsicherungsamt beantragt werden und wird nach dem persönlichen Bedarf berechnet.

Gerade ein Bestand von fondsgebundenen Lebensversicherungen verspricht langfristige stetige Provisionseinnahmen von den Fondsanbietern - ohne das Kapitalmarktrisiko, das Lebensversicherer normalerweise zu tragen haben. "Die neuen Anteilseigner unterstützen die Zukunftspläne der Heidelberger Leben mit zusätzlichem Kapital", erklärte Heidelberger Leben. 25 Millionen Euro sollen als erstes in den Ausbau der Informationstechnik (IT) fließen. Cinven verfolgt damit eine ähnliche Strategie wie zuvor in Großbritannien. Dort hatte die Beteiligungsgesellschaft 2011 den Altersvorsorge-Anbieter Guardian Financial Services vom niederländischen Versicherer Aegon übernommen und den Bestand wenige Monate mit der Übernahme von Pensionsplänen von Phoenix deutlich erweitert.

In den vergangenen Jahren haben mehr als ein halbes Dutzend der über 100 Lebensversicherer in Deutschland das Neugeschäft eingestellt, weil sie keine kritische Masse erreichten oder so schlecht gewirtschaftet hatten, dass sie keine attraktiven Renditen mehr bieten konnten. Dazu gehören die Victoria Leben, die in der Ergo Leben aufgegangen ist, die deutsche Tochter von Delta Lloyd (Hamburger Leben, Berlinische Leben) und die Auffanggesellschaft Protektor, die den Bestand der in Schieflage geratenen Mannheimer Leben übernommen hatten.

Kommentare (1)

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Wasi

23.08.2013, 11:47 Uhr

Mit diesem M&A-Deal wird die britischen Großbank Lloyds nicht glücklich. Denn bei diesem M&A-Deal wird die britische Bank einen Verlust von ca. 386 Mio. Euro verbuchen. Der M&A-Deal soll vor dem vierten Quartal 2013 abgeschlossen werden und muss noch von der BaFin genehmigt werden. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/strategie-effizienz/ma/ma-deals-deutsche-wohnen-cinven-omv/ ]
Heidelberger Leben gibt es seit 1991 und wurde vom Finanzdienstleister MLP gegründet.

Gruß,
W

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