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08.09.2015

14:44 Uhr

MS&AD übernimmt Amlin

Japanischer Versicherer kauft britischen Rivalen

Angesichts der immer stärker alternden Bevölkerung sind japanischen Lebensversicherer auf Geschäfte im Ausland angewiesen. Nach den USA gerät nun Großbritannien in ihr Visier. MS&AD schluckt Amlin.

Angesichts der schwächelnden Geschäfte in der Heimat mit einer immer stärker alternden Bevölkerung sind die japanischen Konzerne auf Geschäfte im Ausland angewiesen. ap

Japan wird immer älter

Angesichts der schwächelnden Geschäfte in der Heimat mit einer immer stärker alternden Bevölkerung sind die japanischen Konzerne auf Geschäfte im Ausland angewiesen.

TokioErneut kauft ein japanischer Versicherer für eine Milliardensumme im Ausland zu. Der Konzern MS&AD übernimmt für umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro den britischen Konkurrenten Amlin. Dies ist bereits die vierte große Übernahme eines japanischen Versicherungskonzerns im Westen in diesem Sommer. Abhängig von der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden werde das Geschäft wohl Anfang kommenden Jahres abgeschlossen, teilte MS&AD am Dienstag mit. Das Unternehmen zahlt pro Aktie einen Aufschlag von mehr als einem Drittel auf den Schlusskurs von Montag.

Amlin bietet Sach- und Unfallpolicen an ist ein Spezialversicherer für die Luft- und Seefahrt. Japanische Versicherer wollen mit Übernahmen von Konkurrenten im Ausland vor allem ihr Wachstum sichern und Risiken angesichts der alternden Gesellschaft in der Heimat breiter streuen. Erst im Juni hatte Tokio Marine angekündigt, den US-Versicherer HCC für 7,5 Milliarden Dollar zu kaufen.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Im Juli beschloss der Lebensversicherer Meiji Yasuda, den US-Versicherer StanCorp für fünf Milliarden Dollar zu übernehmen. Vorigen Monat teilte Sumitomo Life mit, den US-Rivalen Symetra Financial für 3,8 Milliarden Dollar zu schlucken

Von

rtr

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