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20.03.2011

17:43 Uhr

Munich RE

Atomunfälle nicht versicherbar

Der Rückversicherer hält die Versicherung atomarer Unfälle mit herkömmlichen Berechnungen für nicht kalkulierbar. Die Höhe möglicher Schäden mache die Versicherung eines Störfalls mehr als unwahrscheinlich.

Firmen-Schriftzug am neuen Bürogebäude "Münchner Tor" des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück. Quelle: dpa

Firmen-Schriftzug am neuen Bürogebäude "Münchner Tor" des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück.

MünchenEine Versicherung für Atomunfälle ist aus Sicht des weltgrößten Rückversicherers Munich Re für Versicherer und Kraftwerksbetreiber nicht tragbar. „Grundsätzlich gibt es für jede Versicherung einen Preis. Bei großer Unsicherheit der Berechnung ist er aber außerordentlich hoch“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard der „Welt am Sonntag“.

Wegen der Addition der möglichen Schäden sei es für die Assekuranz nicht verantwortbar, diese Risiken zu stemmen. Wie hoch eine entsprechende Prämie ohne Staatsgarantie im Hintergrund ausfallen würde, lasse sich mit herkömmlichen Modellen nicht berechnen. Die Folgen von Atomunfällen gelten daher in der Versicherungsbranche als nicht versicherbar.

Zu konkreten Belastungen für die Munich Re aus der Erdbebenkatastrophe in Japan äußerte sich Bomhard nicht. „Wir müssen unsere Verträge in den verschiedenen Sparten analysieren. Noch bebt in Japan die Erde. Wir sind aber vorbereitet - natürlich auch bilanziell.“ Der Atomunfall im Kraftwerk Fukushima habe für das Unternehmen nicht die Relevanz, die er für die Menschen und das Land habe. „Wir versichern Atomrisiken nur in sehr geringem Umfang. Wenn Firmen nur aufgrund der Strahlungsbelastung nicht produzieren können, erhalten sie keine Entschädigung für die Betriebsunterbrechung, da dieser Schaden nicht versichert wird.“

Die Versicherungsbranche muss sich nach dem Jahrhundertbeben in Japan insgesamt auf Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe einstellen. Alleine an Gebäuden dürfte das Beben versicherte Schäden von bis zu 35 Milliarden Dollar (25 Mrd Euro) angerichtet haben, wie die Experten des Risikoanalyse-Unternehmens AIR Worldwide unlängst errechnet haben. Die Folgen des Tsunami, die Schäden an Straßen und die Produktionsausfälle in der Industrie kommen noch hinzu.

Die Credit Suisse befürchtet einen volkswirtschaftlichen Schaden von umgerechnet bis zu 132 Milliarden Euro. Die Dekabank geht laut „Welt am Sonntag“ von 137 Milliarden Euro aus.

Von

dpa

Kommentare (1)

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allianz

21.03.2011, 12:03 Uhr

Wie kann es sein das ich zwar mein Auto versichern muß aber 17 Kernkraftwerke ohne ausreichenden Versicherungsschutz betrieben werden dürfen?
Das Thema wäre also durch wenn Kernkraftwerke ordnungsgemäß versichert werden müsten!

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