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15.12.2011

10:19 Uhr

Naturkatastrophen

Versicherer müssen über 100 Milliarden Dollar stemmen

VonThomas Schmitt

2011 war für die Versicherungsbranche ein teures Jahr. Unter anderem wegen der Naturkatastrophen in Japan, Neuseeland und Thailand beträgt die Schadenlast 108 Milliarden Dollar. Nur 2005 war mit „Katrina“ noch teurer.

Der Tsunami in Japan belastet die Versicherungsbranche schwer. dpa

Der Tsunami in Japan belastet die Versicherungsbranche schwer.

FrankfurtDie Versicherer müssen in diesem Jahr für Naturkatastrophen tief in die Tasche greifen. Ersten Schätzungen des Sigma-Teams von Swiss Re zufolge entstanden der weltweiten Versicherungswirtschaft Schäden von insgesamt 108 Milliarden Dollar. Damit habe sich die Schadenlast gegenüber 2010 mehr als verdoppelt. Damals verbuchte die Branche Kosten von 48 Milliarden Dollar. Allerdings ist das Jahr nur das zweitteuerste für die Branche nach 2005, als Hurrikan-Schäden noch kräftiger einschlugen, insbesondere die Stürme Katrina, Wilma und Rita.

Der Gesellschaft entstanden in diesem Jahr noch weit höhere Schäden, da nicht alle Kosten auch von der Versicherungswirtschaft getragen werden. Den Angaben von Swiss Re zufolge sind diese wirtschaftlichen Belastungen höher denn je – und sie könnten noch weiter hochgehen. Bisher ermittelten die Experten, dass die Gesamtschäden von 226 Milliarden Dollar auf schätzungsweise 350 Milliarden Dollar gestiegen sind. Der größte Teil davon sei auf das Erdbeben in Japan zurückzuführen. In den ersten elf Monaten dieses Jahres kamen bei Katastrophen über 30 000 Menschen ums Leben, die meisten davon ebenfalls in Japan.

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Kurt Karl, Chefökonom von Swiss Re, urteilt: „Leider ist der Versicherungsschutz gegen Erdbeben noch recht begrenzt, sogar in einigen Industrieländern mit hohem Erdbebenrisiko wie Japan.“ Dadurch hätten nicht nur Menschen ihre Angehörigen verloren, sondern der Gesellschaft seien auch beträchtliche finanzielle Schäden entstanden, die entweder Unternehmen, Hilfsorganisationen oder der Staat und letztlich die Steuerzahler zu tragen hätten.

Kommentare (2)

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Heini

15.12.2011, 11:32 Uhr

Die Versicherer machen das CO2 für die Naturkatastrophen verantwortlich. Deshalb arbeiten die ja mit den korrupten Klimaforschern gewisser Institute zusammen.
So hilft man sich gegenseitig zum Schaden des Versicherungsnehmers und gutmütig zahlenden Bürgers.

Horst_Trummler

19.12.2011, 10:52 Uhr

Aufgrund der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken sind die Zinsgewinne der Versicherer gesunken.

Gleichfalls aufgrund der enormen Geldschöpfung der Zentralbanken haben viele Hedgefonds und andere Anbieter den Weg in den Rückversicherungsmarkt gesucht, Beispiel Catbonds, Katastrophenzertifikate bei denen der Anleger X% Zinsen erhält wenn diverse Katastrophen nicht eintreten. Ich nehme an, dass einige Investoren unglücklich geworden sind.

Interessant ist inwieweit die Versicherer und Rückversicherer in der Lage sind die Prämien anzupassen. Dies wäre interessant zu lesen.

Vandale

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