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01.06.2016

16:02 Uhr

Neue Strategie von Vorstandschef Rieß

Ergo zückt den Rotstift

Der zweitgrößte deutsche Versicherungskonzern plant einen massiven Umbau. Arbeitnehmervertreter kritisieren den Kahlschlag. Klassische Lebensversicherungen sollen nicht mehr Teil des Ergo-Geschäftsmodells sein.

Keine klassischen Lebensversicherungen mehr und ein massiver Stellenabbau – Ergo reformiert sich. dpa

Ergo baut um

Keine klassischen Lebensversicherungen mehr und ein massiver Stellenabbau – Ergo reformiert sich.

DüsseldorfDer neue Vorstandschef Markus Rieß verpasst Deutschlands zweitgrößtem Versicherungskonzern Ergo eine Radikalkur. Im Zuge des Umbaus sollen in den kommenden vier Jahren 2400 Vollzeit-Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden, vor allem im Vertrieb, wie Rieß am Mittwoch in Düsseldorf ankündigte. Damit verliert rechnerisch jeder siebte der 14.300 Ergo-Mitarbeiter im Inland den Job. 565 Arbeitsplätze sollen an anderer Stelle neu entstehen.

Ergo sei bei den Kosten nicht konkurrenzfähig, sagte Rieß. Zugleich will er eine Milliarde Euro in die Hand nehmen und damit die Produkte, die veraltete IT und die Verwaltung auf Vordermann bringen. „Ich traue uns diesen Wandel auch zu“, sagte der vom Marktführer Allianz gekommene Rieß. „Ergo ist eine große Gesellschaft, die unter ihren Möglichkeiten bleibt.“

Die größten Versicherer Europas (Beitragseinnahmen 2014)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2014: 22,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,6 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 27 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 4,1 Prozent

Platz 8

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 29 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 3,0 Prozent

Platz 7

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 29,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 14,3 Prozent

Platz 6

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 30,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: plus 11,4 Prozent

Platz 5

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2014: 39,5 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 1,1 Prozent

Platz 4

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2014: 40,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 14 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2014: 70,4 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 6,9 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2014: 73,9 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 2,5 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2014: 86,3 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: plus 0,9 Prozent

Die größten Einschnitte plant der ehemalige Bankmanager in der Lebensversicherung. Neugeschäft will Ergo künftig nur noch mit fondsgebundenen, anderen kapitalmarktnahen sowie mit Risiko-Lebensversicherungen machen, die die Bilanz bei niedrigen Zinsen weniger belasten. Der Munich-Re-Vermögensverwalter MEAG soll dabei helfen. Aus dem Geschäft mit klassischen Policen mit langfristigen Garantien will Rieß komplett aussteigen, die sechs Millionen bestehenden Policen von Ergo Leben (früher Hamburg-Mannheimer) und Victoria Leben werden abgewickelt.

Der Konzern geht damit weiter als andere Versicherer, die sich von Policen mit langfristige Garantien mehr oder weniger verabschieden. Ergo denke aber nicht daran, den Bestand an einen Abwickler wie den Finanzinvestor Cinven (Heidelberger Leben) zu verkaufen, sagte Rieß.

Neben der erfolgreichen Tochter Ergo Direkt will Rieß einen reinen Online-Versicherer mit Billigtarifen ins Leben rufen, der nur noch über das Internet mit seinen Kunden kommuniziert. Die neue Gesellschaft soll 2017 zunächst mit einer Kfz-Versicherung an den Start gehen. In drei Jahren soll Ergo damit - abgesehen von der Lebensversicherung - stärker wachsen als die zwei bis vier Prozent, die die Branche im Schnitt erreicht.

Neue Ergo-Strategie: Abschied light von alten Lebensversicherungen

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Premium Abschied light von alten Lebensversicherungen

Das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen ist das Sorgenkind der Branche. Bei der Ergo werden die Kunden nun „eingekapselt“. Das könnte schnell zum Trend werden. Ein Kommentar.

Aber auch im althergebrachten Geschäft soll der Vertrieb stärker zentralisiert werden. „Wir leisten uns heute mehrere Vertriebsorganisationen und in der Verwaltung aufwendige Prozesse“, sagte Rieß. Die Verwaltungskosten lägen deutlich über dem Durchschnitt der Branche. Sie sollen bis spätestens 2020 um 280 Millionen Euro niedriger sein als heute. In der Schaden- und Unfallversicherung will Rieß die Kostenquote von 34 Prozent auf weniger als 30 Prozent drücken. Marktführer Allianz liegt bei 25 Prozent. Ausbauen will Ergo das Geschäft im Ausland - auch mit Zukäufen - sowie mit Gewerbe- und Industriekunden.

Wenn die Strategie 2021 greift, will Ergo bei der Munich Re mehr als 500 Millionen Euro Gewinn pro Jahr abliefern. Das hatte sie seit Jahren nicht geschafft.

Kommentare (13)

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01.06.2016, 14:04 Uhr

Wie ein roter Faden zieht sich diese markt- und gesellschaftsfeindliche Grün-Sozialistische Merkel Politik durch die Deutsche Volkswirtschaft.

Der Maastricher Vertragsbruch und die Unterwerfung der Deutschen Regierung unter Drucker-Draghi und der Aufkauf von insolventen EU-Banken und Ländern haben für den Deutschen Sparer und Steuerzahler NEGATIVE FOLGEN. (Ergo und Allianz lassen grüßen).

Die Grün-Sozialistische Energiewende auf Basis eines marktfeindlichen EEG lassen den Rotstift bei Siemens, EON, RWE, ENBW und Vattenfall ansetzen. Außerdem schreiben viele Kommunen und Stadtwerke mit der Energiewende tiefrote Zahlen. Arbeitsplatzverluste sind die NEGATIVEN FOLGEN davon.

Das CO2 Verbot und Gen Verbot werden in Zukunft weitere NEGATIVE FOLGEN in Form von Arbeitsplatzverlagerung bzw. Stellenabbau nach sich ziehen.

Account gelöscht!

01.06.2016, 14:43 Uhr

War das nicht mal die Hamburg-Mannheimer? Ihr Image aufgrund der Lebensversicherungen war so schlecht, dass sie sich in die nichtssagende Ergo umbenannt hat. Jetzt trennt sie sich ganz von dem Neugeschäft dieses einst so lukrativen Geschäftsfeldes. Genug Opfer hat sie ja gefunden in der ganzen Zeit.

Herr Percy Stuart

01.06.2016, 14:46 Uhr

Schreibe ich ja schon lange, meine Worte. Auch diejenigen, welche sich heute noch in beruflicher Sicherheit wiegen, werden bald die negativen Auswirkungen dieser jahrelangen neoliberalen Politik am eigenen Leib zu spüren bekommen. Auch journalistische Vollzeitarbeitsplätze werden bald zur Disposition stehen, weil niemand mehr die Druckerzeugnisse nachfragt und kauft. Entweder weil dazu schlicht und ergreifend das Geld fehlt, oder weil die journalistischen Inhalte politisch motiviert zu einseitig dargestellt werden. Wir haben ja nicht nur eine Eurokrise, nö auch seit langer Zeit eine Medienkrise. Ein Freund von mir war bis vor kurzem fest angestellter Redakteur bei einer überreginalen Zeitung, der hat seinen gutbezahlten Job jetzt auch verloren, zudem weitere ca. 250 Mitarbeiter. Im Grunde wird es jegliche Berufsgruppe treffen, auch jene, welche heute glauben, von den zukünftigen bevorstehenden Entwicklungen verschont zu bleiben. Immer billiger, immer sparsamer und dazu noch die Wunderwelt der digitalen Technik (Industrie 4.0), die weitere Millionen von Arbeitsplätzen vernichten wird.

Zitat / Welle Erdball „Wunderwelt der Technik“
https://www.youtube.com/watch?v=-fHmVpXSXF0

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