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04.05.2016

12:42 Uhr

Neuer Allianz-Chef

Oliver Bäte und die lange Liste der Gefahren

VonKerstin Leitel

Niedrigzinsen, Krisen, Umweltkatastrophen – die Allianz hat ihnen im vergangenen Jahr erfolgreich getrotzt. In München stellt sich nun der neue Chef Oliver Bäte den Fragen der Aktionäre. In Turnschuhen.

Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte, ist seit genau 363 Tagen im Amt. Reuters

Allianz Hauptversammlung

Der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte, ist seit genau 363 Tagen im Amt.

MünchenSichtlich nervös steht Oliver Bäte am Mittwoch in der Münchener Olympiahalle vor rund 3700 Aktionären der Allianz. „Manchmal sind die Zahlen fast zu groß“, erklärt der 51-Jährige, als er bei Aufzählung von Umsatz, Gewinn und Anlagevolumen des Versicherungsriesen Milliarden und Billionen verwechselt. Denn auch wenn Bäte seit acht Jahren im Vorstand der Allianz sitzt: Zum ersten Mal ist der gebürtige Bensberger für die Ergebnisse verantwortlich. Vor fast genau einem Jahr hat er die Führung des Münchener Konzerns übernommen.

Keine leichte Aufgabe, denn die Liste der Gefahren für die Versicherer ist lang: die Nullzinsen der Europäischen Zentralbank, das hektische Auf und Ab an den Finanzmärkten, politische Unsicherheiten und internationale Krisen, strengere Regulierungsvorschriften, neue Konkurrenten aus der digitalen Welt. Im vergangenen Jahr hat sich die Allianz gegen diese Gefahren erfolgreich zur Wehr gesetzt: In den drei Sparten – der Schaden- und Unfallversicherung, der Lebens-und Krankenversicherung und der Vermögensverwaltung – stieg der Umsatz um 2,4 Prozent auf 125 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben ein Gewinn von 6,99 Milliarden Euro, ein Plus von fast sechs Prozent.

Die größten Versicherungsschäden

Explosionen in Tianjin

Die Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin waren der größte Schaden des Jahres. Auf 2,5 bis 3,5 Milliarden Dollar wird der versicherte Schaden geschätzt, die gesamte Schadenshöhe ist unbekannt. Das Unglück gilt als einer der drei teuersten Großschäden in der Geschichte der Versicherungsindustrie.

Winterstürme

Die schweren Winterstürme in den Vereinigten Staaten verursachten einen versicherten Schaden von 2,1 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Der gesamte Schaden soll 3 Milliarden Dollar betragen haben.

Überflutungen in Texas

Unwetter und Überflutungen in Texas im Mai 2015 kosteten die Versicherer 1,5 Milliarden Dollar. Die gesamte Schadenshöhe wird auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Unwetter in den USA

Weitere Unwetter im April vergangenen Jahres sorgten für versicherte Schäden von 1,2 Milliarden Dollar. Insgesamt soll der gesamte Schaden 1,6 Milliarden Dollar betragen.

Waldbrände

Waldbrände in den Vereinigten Staaten sorgten für einen gesamten Schaden von 1,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr, 1,2 Milliarden Dollar davon waren versichert.

Orkan Niklas

Orkan Niklas, der Anfang April vergangenen Jahres über Europa zog, verursachte einen Schaden von 1,2 Milliarden Dollar. 1 Milliarde davon zahlten die Versicherer.

Größter Versicherungsschaden überhaupt

Als teuerster Großschaden überhaupt gelten die Terroranschläge am 11. September 2001. 25,2 Milliarden Dollar zahlten die Versicherer damals.

Auch bei den Aktionären soll es da in der Kasse klingeln: Die Dividende soll um 45 Cent auf 7,30 Euro pro Aktie steigen, ein Wert, der die Allianz zu den Top-Dividendenzahlern im Dax macht. „Mein Vorgänger Herr Diekmann hat mir die Allianz in einem tollen Zustand übergeben“, lobt Bäte den langjährigen Firmenchef, der – wie immer braun gebrannt – ebenfalls auf der Aktionärsversammlung erschienen war.

„Vor genau 363 Tagen trat ich das Amt als zehnter Vorstandsvorsitzender der Allianz an“, erzählt Bäte. Dabei sei ihm „trotz allem rheinländischem Enthusiasmus etwas mulmig“ gewesen. Dass er nun hier „gefasst“ und „optimistisch“ stehe, verdanke er der Arbeit seiner Mitarbeiter in Vertrieb, Management und nicht zuletzt den Aktionären, die der Allianz hoffentlich auch die Treue halten würden, „wenn uns der Wind etwas kräftiger entgegen bläst, das kommt bestimmt“.

Von Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größten Aktionäre der Allianz, bekam Bäte Rückendeckung. „Herr Bäte, Sie sind für uns der richtige Mann zur richtigen Zeit“, lobte Speich. „Als Investor waren und sind wir von den Stärken der Allianz überzeugt“. Allerdings müsse Bäte einige Aufgaben angehen: Die Probleme bei Pimco und die unsicheren Perspektiven für die Lebensversicherung. Und Bäte dürfe „das Effizienzdenken nicht übertreiben“ und die Organisation nicht überfordern, „damit Sie mit der tatkräftigen Unterstützung von mehr als 140.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund um den Globus eine noch bessere Allianz bauen“.

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Europas größter Versicherer Allianz startet überraschend mit einem dicken Gewinnplus ins Jahr. Der zweite Blick aber zeigt: Zu verdanken haben die Münchener dies nicht dem operativen Geschäft – da ging es zurück.

„Ein 'Weiter so'“ gehe bei der Allianz nicht, monierte dagegen Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Verweis auf die zunehmenden Herausforderungen – und kritisierte dass zum 125. Jubiläumsjahr auch eine „ganz kleine oder vielleicht auch eine größere“ Sonderdividende schön gewesen wäre. „Was nicht ist, kann ja noch werden. Sie können sich das ja vormerken“. „Ein bisschen mehr“ müsse bei einem derartigen Jubiläum schon drin sein, meinte auch ein anderer Aktionär. Das Mindeste sei: „ein Turnschuh“, scherzte er. Denn Bäte stand in Sportschuhen vor den Aktionären und hatte damit für einen Marathon der Mitarbeiter geworben.

Kommentare (1)

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Frau Pia Paff

04.05.2016, 13:22 Uhr

Gebe dem Schaumschläger Bäte max. 2 Jahre! Wer fällt da auf so eine Luftnummer herein?

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