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17.11.2011

17:38 Uhr

Neuer Finanzvorstand

Allianz lässt sich mit Achleitner-Nachfolge Zeit

VonAxel Höpner, Michael Detering

Die Allianz sucht einen Nachfolger für ihren scheidenden Finanzvorstand Paul Achleitner. Eine Liste mit Kandidaten steht, erste Namen machen bereits die Runde. Doch mit der Entscheidung lässt sich der Versicherer Zeit.

Wer tritt an sein Stelle? Die Allianz sucht einen Nachfolger für Paul Achleitner. dapd

Wer tritt an sein Stelle? Die Allianz sucht einen Nachfolger für Paul Achleitner.

München/FrankfurtDer Wechsel von Finanzvorstand Paul Achleitner an die Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank hinterlässt bei der Allianz eine große Lücke - nach Konzernchef Michael Diekmann ist der 55-Jährige der zweitwichtigste Mann der Allianz. Da der Wechsel erst im kommenden Jahr stattfindet, will der Konzern eine zu frühe Nachfolgedebatte möglichst vermeiden. Achleitner solle in seinen letzten Monaten nicht als "lame duck", also als lahme Ente, enden, hieß es im Umfeld des Konzerns.

Dennoch machen bereits erste Namen die Runde. In Finanzkreisen wird Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer als möglicher Kandidat genannt. Er hat Erfahrungen sowohl im Investment- als auch im Versicherungsgeschäft und die notwendigen sozialen Kompetenzen. Insoweit passt er ins Raster - auch wenn die Allianz grundsätzlich aus Diversitätsgründen sicherlich auch nach Frauen und internationalen Nachfolgern sucht. Diekmann hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er den Frauenanteil in den Führungsetagen erhöhen will.

Als denkbarer Nachfolger wird vereinzelt auch Achleitners rechte Hand, Karl-Hermann Lowe, genannt, doch der 60-Jährige wird wohl eher bald aufhören, als einen neuen Posten anzunehmen, heißt es.

Die zehn größten Versicherer Europas

Allianz

Die Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager.

Axa

Der größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im Jahr 2010 beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten.

Generali

Der Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn.

Aviva

Die britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern.

Zurich Financial

Längst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich.

Munich Re

Der weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.

CNP

Der Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus.

Credit Agricole

Die französische Bank ist auch im Versicherungsgeschäft stark. Die Einnahmen der Sparte belaufe sich im Jahr auf rund 29 Milliarden Euro.

ING

Die Versicherungssparte des Finanzkonzerns soll abgespalten und an der Börse verkauft werden. Im vergangenen Jahr trug der Bereich rund 28 Milliarden zu den Einnahmen bei. Wegen Altlasten im Zusammenhang mit der Finanzkrise ist der Bereich nicht sehr profitabel.

Prudential

Der britische Konzern ist vor allem in Asien stark präsent. 2010 beliefen sich die Prämieneinnahmen auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Mehr als 1,6 Milliarden Euro Gewinn wies die Gruppe aus.

Achleitners Nachfolger wird auf jeden Fall kein klassischer Finanzvorstand sein, sondern vielmehr Kapitalanleger. Er muss sich nicht um die Rechnungslegung kümmern, sondern darum, wie die rund 450 Milliarden Euro an Kundengeldern lukrativ und sicher an den Kapitalmärkten angelegt werden. Einige im Umfeld der Allianz spekulieren daher auf eine externe Lösung, etwa einen Spitzenmanager einer Bank oder Fondsgesellschaft. Das Problem: Umfangreiche Versicherungserfahrungen müsste der Kandidat trotzdem mitbringen.

Das Verhältnis zwischen Diekmann und Achleitner war eng, auch den Wechsel zur Deutschen Bank stimmte der Finanzvorstand eng mit dem Chef ab. Für die Motive Achleitners gibt es im Haus durchaus Verständnis. Der frühere Goldman-Sachs-Mann ist nur ein Jahr jünger als Diekmann, weiter nach oben wäre es also nicht mehr gegangen. Und natürlich reize es den Macher Achleitner, bei der Deutschen Bank im Hintergrund die Strippen zu ziehen, heißt es in Finanzkreisen. "Er geht ja auch nicht zu einem Wettbewerber."

Die Situation trifft die Allianz nicht unvorbereitet. Für Positionen wie die Achleitners hat der Konzern immer eine kurze Liste mit Nachfolgekandidaten, die sofort einspringen könnten, und eine mit potenziellen Nachfolgern für den geordneten Übergang. Diekmann wird daraus seinen Kandidaten wählen und mit den Gremien besprechen.

Kommentare (1)

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Mazi

23.11.2011, 11:58 Uhr

Das hängt wohl von dem Loch ab, das er hinterläßt.

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