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24.07.2014

12:04 Uhr

Nikolaus von Bomhard

Munich-Re-Chef warnt vor neuer Finanzkrise

Das billige Geld hat Schattenseiten – beispielsweise für die Versicherer. Sie stöhnen schon länger über die historisch niedrigen Zinsen. Munich-Re-Chef von Bomhard sieht aber noch größere Risiken.

Nikolaus von Bomhard: Der Vorstandsvorsitzende der Munich Re kritisiert die aktuelle Geldpolitik. AP/dpa

Nikolaus von Bomhard: Der Vorstandsvorsitzende der Munich Re kritisiert die aktuelle Geldpolitik.

MünchenMunich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard hat angesichts der lockeren Geldpolitik der Notenbanken vor einer neuen Finanzkrise gewarnt. „Aus unserer Sicht verlieren die Waffen der Geldpolitik an Wirksamkeit“, sagte der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers am Mittwochabend in München. „Es kommt der Punkt, an dem sie schlimmere Nebenwirkungen bekommen, als sie an Hauptwirkung überhaupt noch erzielen können.“ Am Ende werde es wie in den Jahren 2007 und 2008 um Vertrauen in die Märkte und ihre Akteure gehen. Eine Krise hält er bei der Kreditvergabe für denkbar: „Wer eine Kreditverlängerung braucht, kriegt dann kein Geld mehr.“ Als Folge wäre dann eine Deflation zu befürchten.

Der Assekuranz machen schon seit Jahren vor allem die niedrigen Zinsen zu schaffen, weil Kapitalanlagen dadurch kaum noch Renditen abwerfen. In der Lebens- und Rentenversicherung stehen die Versicherer nämlich bei ihren Kunden im Wort. Deshalb ist auch Munich Re auf der Suche nach Alternativen und könnte sich vor allem bei der Infrastruktur stärker engagieren, wie Bomhard sagte. Er plädierte dafür, den Versicherern solche Investitionen zu erleichtern. „Damit lösen wir das Finanzierungsproblem des Staates und finden zudem Anlagemöglichkeiten.“ Die Munich Re und Europas größter Versicherer Allianz haben bereits größere Summen in Energienetze, Windkraft- und Solaranlagen gesteckt.

Die größten Versicherer Europas (nach Beitragseinnahmen)

Platz 10

Mapfre (Spanien)
Beitragseinnahmen 2012: 21,6 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 10,1 Prozent
Quelle für alle Angaben: Übersicht von Mapfre.

Platz 9

Crédit Agricole Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2012: 22,5 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: minus 7 Prozent

Platz 8

CNP Assurances (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2012: 26,4 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: minus 11,8 Prozent

Platz 7

Talanx (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2012: 26,7 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 12,6 Prozent

Platz 6

Aviva (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2012: 28 Milliarden Euro
Rückgang gg. Vorjahr: minus 7 Prozent

Platz 5

Prudential (Großbritannien)
Beitragseinnahmen 2012: 36,8 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 24,9 Prozent

Platz 4

Zurich (Schweiz)
Beitragseinnahmen 2012: 39,7 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 16,2 Prozent

Platz 3

Generali (Italien)
Beitragseinnahmen 2012: 69,6 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 0,7 Prozent

Platz 2

Allianz (Deutschland)
Beitragseinnahmen 2012: 72 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 4 Prozent

Platz 1

Axa (Frankreich)
Beitragseinnahmen 2012: 84,6 Milliarden Euro
Wachstum gg. Vorjahr: 5 Prozent

Bomhard sieht die Branche aber von der Politik behindert. Dass Versicherer ihre Infrastrukturinvestitionen zur Hälfte mit Eigenkapital unterlegen sollen, sei schlicht nicht sinnvoll. Schließlich hätten solche Investitionen ein ganz anderes Risikoprofil als Aktien, in die die Munich Re seit Jahren nur einen kleinen Anteil ihres Anlagevermögens steckt. Wichtig sei allerdings Verlässlichkeit. Staaten dürften die Regeln für Infrastrukturanlagen nicht im Nachhinein ändern. „Sonst geht man als Investor da nicht mehr hin.“

Im zunehmend umkämpften Rückversicherungsgeschäft hält von Bomhard die Entwicklung neuer Angebote für dringend geboten. So bietet die Munich Re etwa eine Reputationsversicherung für Unternehmen im Internet: „Für den Fall, dass Sie im Netz von einem Aufregungsorkan überrollt werden“, sagte Bomhard.

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dpa

Kommentare (7)

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Herr Thomas Behrends

24.07.2014, 13:22 Uhr

ZITAT
*****

Im zunehmend umkämpften Rückversicherungsgeschäft hält von Bomhard die Entwicklung neuer Angebote für dringend geboten. So bietet die Munich Re etwa eine Reputationsversicherung für Unternehmen im Internet: „Für den Fall, dass Sie im Netz von einem Aufregungsorkan überrollt werden“, sagte Bomhard.

ZITAT Ende
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Für den Aufregungsorkan sorgen manche Unternehmenschefs doch selber, wenn sie schlechte Entscheidungen treffen oder mit despektierlichen Äußerungen auffallen.

Haben diese Leute zu Hause kein Benimm gelernt?

Wozu soll man sie und damit auch das Unternehmen absichern (wegen Unfähigkeit?)?

Es scheint mir so zu sein als wenn hier nur unsinnigerweise künstliche neue "Versicherungsprodukte" kreiert und verkauft werden sollen!

Herr Josef Schmidt

24.07.2014, 13:33 Uhr

Zinsen, Zinsen ... Zinsen

Arbeitsloses Einkommen gehört verboten. Wer Einkommen will soll arbeiten gehen. Das ist der Grund warum wir uns in dieser Situation befinden und die Überschuldung uns in den Abgrund ziehen wird.

Herr Manfred Zimmer

24.07.2014, 13:39 Uhr

"Munich-Re-Chef warnt vor neuer Finanzkrise"

Was ist der Plan?
Nachdem es den Versicherer auf einfachste Weise gelunken zu sein schein, die Lebensversicherten um die stillen Reserven zu bringen, kann jetzt der nächste Schritt folgen und die Abgeordneten zur nächsten alternativlosen Entscheidung zu tragen.

Diesmal könnte es, nachdem der Anteil an den Bewertungsreserven vereinnahmt sind, um den Rest gehen.
Das wird dann zwar einige Millionen an Parteispenden und Handgeld für den einen oder anderen Abgeordneten kosten, aber gemessen an den Milliarden € um die es letztlich geht, lediglich Peanuts.

Was soll man nur mit den Aufpassern machen? Arbeiten lassen! Aber wo denn? Die klagen doch gleich auf Besitzstandswahrung!

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