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29.09.2016

13:16 Uhr

Prämienschock

Darum werden private Krankenversicherungen teurer

VonChristian Schnell

Millionen Deutsche werden im kommenden Jahr deutlich mehr für ihre private Krankenversicherung zahlen. Schuld sind Nullzinspolitik und eigene Versäumnisse. Die Branche will mit digitalem Service dagegen halten.

Zwar verspricht die PKV besseren Service – doch Beitragserhöhungen sorgen immer wieder für Unmut. dpa

Private Krankenversicherung (PKV)

Zwar verspricht die PKV besseren Service – doch Beitragserhöhungen sorgen immer wieder für Unmut.

FrankfurtDen Brief von ihrem privaten Krankenversicherer sehen Beamte, Selbständige und Besserverdiener jedes Jahr im November mit gemischten Gefühlen entgegen. In der Regel müssen die knapp neun Millionen dort Versicherten mit steigenden Beiträgen für das darauf folgende Jahr rechnen. Im Schnitt waren das jedes Mal 3,6 Prozent, wie der Branchendienst MAP Report in seiner Langfristbetrachtung für die Jahre 2000 bis 2015 ausgerechnet hat.

In diesem November könnte es allerdings besonders happig werden. Gut zwei Drittel aller Privatversicherten, also gut sechs Millionen Menschen im Land, müssen mit einer Beitragserhöhung von elf Prozent rechnen. Das meldet die „FAZ“ und beruft sich dabei auf eigene Informationen. In der Spitze sei sogar ein Anstieg um ein Viertel denkbar, heißt es dort. Teurer werden dürfte es auch für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse, die eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Auch hier dürfte es für gut 2,5 Millionen Mitglieder teurer werden.

Zusatzbeiträge Krankenversicherer 2016

Knappschaft

1,42 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,9 Prozent

AOK Niedersachsen

1,79 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,4 Prozent

AOK Nordwest

1,96 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015:15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

AOK Rheinland/Hamburg

2,04 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,4 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,0 Prozent

AOK Plus

2,29 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 14,9 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 0,3 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 14,9 Prozent

IKK Classic

2,6 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,4 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,0 Prozent

AOK Baden-Württemberg

3,046 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

AOK Bayern

3,33 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

DAK

4,89 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,5 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 16,1 Prozent

Barmer GEK

6,7 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

Techniker Krankenkasse

6,87 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts
Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent
Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent
Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

Quelle

Unternehmen

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die gesetzliche Regelung, dass viele Tarife nur dann angehoben werden dürfen, wenn die Kosten um zehn Prozent gestiegen sind. Das ist nun bei einem Großteil der Verträge der Fall.

Nun gab es auch solche Fälle in der Vergangenheit immer mal wieder. Im vergangenen Jahr fiel beispielsweise der Tarif Vital 250 der Axa auf, der für einige Kunden sogar um bis zu 50 Prozent teurer wurde. Das jedoch waren Einzelfälle wie dieser.
Doch gerade der zeigt die Problematik besonders deutlich. Die Axa kalkulierte diesen Tarif auf einer Rechnungsgrundlage von 3,5 Prozent, das war vor wenigen Jahren noch durchaus üblich und keineswegs unrealistisch. Mit diesem Zinssatz sollte das für die Altersrückstellung angesparte Geld verzinst werden. Das ist heute indes kaum noch am Markt zu erwirtschaften, folglich müssen die Kunden nun innerhalb ihres Gesamtbeitrages mehr in die Altersrückstellung einbezahlen.
Das alles ist harte Kost für die Versicherten. Und keine Werbung für die Branche, die seit Jahren schon um Mitglieder kämpfen muss. Denn wechselten im Jahr 2004 noch rund 300.000 Kunden aus der gesetzlichen Krankenkasse in die private, so waren es zehn Jahre später nur noch 115.500. Eine Trendwende ist nicht absehbar.

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Beim Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) will man zu den Zahlen nichts sagen. Schließlich liegt es an jedem Versicherer selbst, wie er seine Beiträge gestaltet. In der Branche selbst versucht man das Unvermeidliche jedoch erst gar nicht schön zu reden. „Es wird eine ungewöhnlich hohe Beitragsanpassung geben“, heißt es von einem der großen Anbieter.
Schuld ist wie bei allen großen Häusern, bei denen Kapital angesammelt wird, die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Was der Kapitalmarkt nicht mehr hergibt, müssen jetzt die Krankenversicherten zahlen, lautet in diesem Fall die simple Rechnung. Noch schlimmer: Da EZB-Präsident Mario Draghi keinerlei Anzeichen gibt, dass es schon bald eine Zinserhöhung geben wird, könnte sich die Situation zum Dauerproblem auswachsen. Mit heute noch nicht absehbaren Folgen für die Branche und ihre Kunden.

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