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13.12.2013

17:03 Uhr

Provision für Tipps

Mehr als 10.000 Beamte helfen der Debeka

ExklusivDer Versicherungskonzern Debeka unterhält im deutschen Beamtenapparat ein gewaltiges Netz von Tippgebern. Diese Vertrauensmitarbeiter kassieren Provision. Der Versicherer hält dies für anerkannt und transparent.

Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten. dpa

Die Debeka in Koblenz: Die traditionsreiche Versicherung arbeitet eng mit mehr als zehntausend Beamten zusammen, die Geld für ihre Tipps erhalten.

DüsseldorfDer Skandal um die traditionsreiche Debeka-Versicherung erreicht eine neue Dimension. Nach Recherchen des Handelsblatts unterhält das Koblenzer Unternehmen bundesweit ein Netz von mehr als zehntausend Beamten, die gegen Bezahlung bei der Vermittlung von Krankenversicherungen, Lebensversicherungen und anderen Debeka-Produkten helfen.

Über die Jahre sollen so weit mehr als 100 Millionen Euro von der Versicherung an Beamte geflossen sein. Diese Beamte würden intern „Vertrauensmitarbeiter“ (VM) genannt und Namen und Kontaktdaten vor allem solcher Kollegen vermitteln, die gerade ihren Dienst angetreten haben.

Heimlicher Adressenhandel: Der Debeka-Skandal

Versicherer

Die Debeka ist mit Abstand der größte private Krankenversicherer. Mehr als 2,2 Millionen Menschen haben Vollversicherungen der Gesellschaft. Die meisten davon sind Beamte und deren Angehörige: 1,87 Millionen.

Adressenhandel

Das Handelsblatt berichtet am 1. November: Der Zeitung „liegen interne Unterlagen vor, die belegen, dass Debeka-Mitarbeiter über Jahre hinweg Adressen von Personen kauften, die kurz vor ihrer Verbeamtung standen. Debeka-Mitarbeiter verschafften sich damit einen starken Wettbewerbsvorteil, weil sie die Beamten auf eine Versicherung ansprechen konnten, kaum dass diese selbst von ihrer Verbeamtung erfahren hatten.“

Mit System

Ein ehemaliger Debeka-Vertreter versicherte dem Handelsblatt an Eides statt, er habe jahrelang Beamtenadressen genutzt, die sein Vorgesetzter gekauft hatte. „Das haben alle, die ich kannte, so gemacht“, versicherte er. „Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef, sie waren für uns wie Gold.“ 

Wie im Drogenhandel

„Das war streng geheim“, erzählt ein Beteiligter. „Die Originaladressen, die Schnipsel genannt wurden, durften nirgendwo aufbewahrt werden. Ich habe selbst gesehen, wie Führungskräfte diese Adressen in Plastiktüten zu ihren Autos trugen.“ Ein höherrangiger Vertreter berichtet von Zuständen wie beim Drogenhandel. Er selbst habe einmal spät abends mit einem Bezirksdirektor zum Autobahnkreuz Köln-West fahren müssen. „Am Treffpunkt stand ein Koffer mit Adressen“, erinnert er sich. „Den haben wir genommen und unseren Koffer mit Geld hingestellt. Und dann sind wir abgefahren.“ 

Kosten

Anfangs kosteten die Adressdaten angehender Beamter nach Angaben früherer Debeka-Mitarbeiter fünf D-Mark, zuletzt wurden etwa 25 Euro bezahlt. 

Eingeständnis

Debeka-Chef Uwe Laue räumte ein: „So wissen wir, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden. Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik.“

Empörung

„Die beunruhigende Praxis der Debeka in der Vergangenheit wirft ein Schlaglicht auf den wenig sensiblen Umgang mit Versichertendaten in der PKV insgesamt“, sagte der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach.

Sanktionen

Die Allianz verwies auf Nachfrage auf „weitreichende Sanktionen“ für eigene Mitarbeiter und Vertreter. Auf Nachfrage teilte die Axa mit: „Im Zeitalter von Verhaltenskodex und Compliance - einmal ganz abgesehen von Rechtsfragen - muss Fehlverhalten klare Konsequenzen nach sich ziehen.“

Konsequenzen

Edgar Wagner, Landesbeauftragter für Datenschutz in Rheinland-Pfalz: „Der jahrzehntelange illegale Handel mit Personaldaten von Beamten kann nicht geduldet werden.“

Aufsicht

Der oberste Versicherungsaufseher, Bafin-Exekutivdirektor Felix Hufeld, sagte dem Handelsblatt: Man werde „bewerten, ob und inwieweit aufsichtliche Maßnahmen gemäß Versicherungsaufsichtsrecht angezeigt sind“.

Dem Handelsblatt vorliegende Unterlagen zeigen, dass das VM-System bei Debeka seit vielen Jahren existiert. Die Vermittlung einer Krankenversicherung wird mit mindestens 150 Euro honoriert. Und entschließe sich der junge Kollege, bei Debeka eine Lebensversicherung zu unterzeichnen, könnten 600 Euro und mehr für den Vertrauensmitarbeiter herausspringen.

Die Interessenvertreter der Beamten sind alarmiert, seit das Handelsblatt Anfang November aufgedeckt hat, dass Staatsdiener persönliche Daten junger Kollegen an den Debeka-Vertrieb verkauften. „Es ist nicht schön für mich als Gewerkschaftschef, so etwas sagen zu müssen. Aber wenn es strafrechtliche Verstöße von Beamten gegeben hat, dann müssen die auch geahndet werden“, sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt. Er sieht das „gesamte Geschäftsmodell der Versicherung infrage gestellt“.

Anfang November hatten sich nach dem ersten Bericht des Handelsblatts über die Bestechung von Beamten durch Debeka-Mitarbeiter der Landesbeauftragte für Datenschutz Rheinpfalz-Pfalz und die Staatsanwaltschaft Koblenz eingeschaltet. Debeka ermittelt selbst und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Untersuchung der Vorgänge.

Kommentare (76)

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DIEGIERIGEN

13.11.2013, 07:40 Uhr

Passt genau!
Die sind alle vom Stamme NIMM !

Inclusive Jammergen.

PENSIONEN FÜR ALLE !

Account gelöscht!

13.11.2013, 07:49 Uhr

Vielen Dank HB!
Welcher Teufel hat Euch geritten, sich mit der dicksten Laus in unserem gesellschaftlichen Pelz anzulegen?

Die ganze Sache dürfte aber kleingeredet werden, da sich eine nicht unerhebliche Anzahl an Instrumenten dieses Filzes unmittelbar in der legilativen Struktur unseres Staates befinden.

Denkt immer daran:
Man nennt sie nicht nur Bedienstete, sie bedienen sich auch!

Account gelöscht!

13.11.2013, 07:53 Uhr

"Passt genau!
Die sind alle vom Stamme NIMM !"

Sind alle, ich auch, Sie auch :)
Wenn man was absahnen kann, sind alle gleich.
Und das mit den Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst ist mehr als bekannt, war schon vor 30 Jahren so, das es mit so einem Einkommensvertrag Prozente gibt.
Dafür bekam z. B. der Fleischarbeiter seine Deputate, aber das ist wohl vorbei, die werden mit 4 € in Arbeitskasernen abgespeist.

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