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13.08.2013

13:29 Uhr

Ratingagentur

Flut und Hagel verteuern Versicherungspolicen

Die Versicherer von Wohngebäuden und Autos dürften bald mehr Prämie von ihren Kunden verlangen. Davon geht die Ratingagentur Standard & Poor’s aus. Der Grund: die hohen Schäden durch die Umweltkatastrophen.

Ein vom Unwetter zerstörter Dachstuhl. S&P rechnet mit höheren Policen wegen der zahlreichen Unwetter. dpa

Ein vom Unwetter zerstörter Dachstuhl. S&P rechnet mit höheren Policen wegen der zahlreichen Unwetter.

FrankfurtDie deutschen Schaden- und Unfallversicherer müssen ein hartes Jahr verarbeiten. Die hohe Anzahl an Unwettern in diesem Jahr werde versicherungstechnische Verluste mit sich bringen, erwartet die Ratingagentur Standard & Poor’s. Allerdings dürften die Unternehmen diese Last ganz gut verkraften, wenn sie ihre Prämien erhöhen und mehr Leute sich für Versicherungen gegen spezielle Naturgefahren entscheiden. Deshalb sind die Analysten mittelfristig auch optimistisch gestimmt: „Der positive Trend in der Ertragskraft deutscher Schaden-Unfall-Versicherer sollte sich über die nächsten Jahre fortsetzen.“

Seit 2010 hätten deutsche Sachschaden- und Unfallversicherer ihre versicherungstechnischen Ergebnisse verbessert, stellt die Ratingagentur fest. Sie bezieht sich dabei auf den Vergleich von Kosten und Schäden einerseits und Einnahmen andererseits – Fachleute sprechen hier von der kombinierten Schaden- und Kostenquote. Dies sei vor allem Folge einer verbesserten Schadenabwicklung und, teilweise überfälliger, Prämienerhöhungen. Außerdem sei 2012 ein Jahr mit relativ geringen Schäden aus Naturkatastrophen gewesen.

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Die Branche habe ihr Zahlenwerk vor allem deshalb verbessert, weil die Zinsen so niedrig sind. Denn dadurch war eine Erlösquelle früherer Jahre zusammengeschmolzen: Gewinne aus Kapitalanlagen. Manches Unternehmen hat dadurch in früheren Jahren schlechte Zahlen im Kerngeschäft noch ausgeglichen. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verzeichneten deutsche Schaden-Unfallversicherer eine Brutto-Schaden-Kostenquote (Combined Ratio) von 97,0 Prozent für das Jahr 2012 - nach 97,9 Prozent in 2011 und 98,2 Prozent in 2010.

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