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12.12.2011

13:32 Uhr

Reise für Mitarbeiter

„Es kann nicht sein, dass uns die Wüstenrot zum Puff kutschiert“

VonSönke Iwersen

Eine Incentive-Reise der Wüstenrot nach Rio de Janeiro wurde den hohen moralischen Ansprüchen des Traditionskonzerns nicht gerecht. Die Bausparkasse bemüht sich um Aufklärung - und stößt auf schlüpfrige Details.

Die Folgen der Rio-Reise könnten weit reichen. HB

Die Folgen der Rio-Reise könnten weit reichen.

DüsseldorfEs war kurz nach Mitternacht, als der weiße Reisebus mit den besten Wüstenrot-Vertretern des Jahres vor das Barbarella an der Copacabana rollte. Monatelang hatte die Führung des Finanzdienstleisters ihre Verkaufstruppe angestachelt. Wer sich richtig ins Zeug legte, sollte etwas erleben, was er so schnell nicht wieder vergessen würde. In der Nacht zum 30. April 2010 war es dann so weit.

"Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Direktoren", berichtet ein Teilnehmer. "Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert." Wüstenrot, gegründet 1921, ist die älteste Bausparkasse Deutschlands. Die große Tradition wird sorgsam gepflegt.

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"Das Ansehen und der Ruf eines Unternehmens sind genauso erheblich für den wirtschaftlichen Erfolg wie die Qualität seiner Produkte", heißt es im Verhaltenskodex von Wüstenrot. "Um eine maximale Professionalität und Integrität zu erreichen, sind Sie gehalten, Ihr Auftreten einer ständigen Eigenkontrolle zu unterziehen. Das Auftreten ist Ihr Aushängeschild und wirkt sich somit auch auf das Ansehen des Unternehmens aus, das Sie repräsentieren."

So weit der Anspruch. In der Praxis jedoch benahmen sich einige Führungskräfte wie Rockstars auf Tournee. "Auf den Hotelfluren war ein munteres Treiben", erzählt ein Teilnehmer der Rio-Reise. "Die brasilianische Polizei griff einen unserer Direktoren nachts im Beisein einer Prostituierten am Strand auf."

Das Handelsblatt fragte bei Wüstenrot nach, wie die Bausparkasse dieses Führungsverhalten erklärt. Der Konzern schaltete umgehend die Revision ein. Dabei stellte sich zunächst Erleichterung ein. Teilnehmer der Reise erzählten der Zentrale, sie seien zwar im Barbarella gewesen. Es handele sich dabei aber lediglich um ein Tanzlokal.

Kommentare (39)

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Alleswisser

12.12.2011, 10:01 Uhr

Der Barbarella Nachtclub ist mittlerweile der größte "Abschleppladen" in Rio de Janeiro. Alle Damen sind käuflich und man muß, wenn man mit einer Dame das Lokal verläßt, eine Auslösung bezahlen. Tanlokal mit Striptease und netten Damen:)

Fred_Kirchheimer

12.12.2011, 10:04 Uhr

Oh, da wurde mal wieder ein Pseudoskandal aufgedeckt und das von einer Zeitung deren niedere Gesinnung in zu vielen Artikeln und Hetzkampagnen offensichtlich wurde.
Pausenlos werden dem Leser aufgeblähte Lügenstories aufgetischt und da wagt man es von Moral zu reden?
Statt über das Verhalten der Wüstenratte-Verkäufer herzuziehen, das zudem ja keinen Kunden tangiert, wäre es doch die grandiose Möglichkeit gewesen, darzulegen, welch hohen Statdards man sich beim Handelsblatt für die Entlohnung der Anzeigenverkäufer gegeben hat. Dort feiert man gute Abschlüsse mit dem Besuch eines Gebetstempels? Wohl nicht. Tja Herr Iwersen man darf Sie wohl einen selbstgefälligen Heuchler nennen. Aber Sie können meine Idee ja aufnehmen - wenn sich denn je ein Redakteur dafür interessiert, was Leser in Kommentaren schreiben - und den Artikel ergänzen.

Account gelöscht!

12.12.2011, 10:07 Uhr

Nach meinem Kenntnisstand, wurden die Vertriebler am Urlaubsziel doch garnicht von Wüstenrot animiert, sich diesem frivolen Angebot anzuschließen!
Nur eine Minderheit von Pantoffelhelden, welche zu Hause sowieso nichts zu melden haben, gaben sich der hier leicht zu habenden, ungezügelten Lust hin.
Die meisten tüchtigen Teilnehmer, sahen sich bei den Ausflügen, aber lieber Land u. Leute an.
Es ist unfair, daß einer Minderheit nun durch die Presse, so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird!

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