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18.07.2011

07:33 Uhr

Rettungsplan

So will die Allianz den Euro retten

VonAxel Höpner, Thomas Ludwig, Thomas Schmitt

ExklusivDie Allianz hat einen Rettungsplan für Griechenland entworfen. Das Modell sei in der Lage, die Verschuldung Griechenlands schnell um 50 Milliarden Euro zu senken. Und auch der Steuerzahler würde erheblich profitieren.

Allianz-Chef Michael Diekmann hat Pläne für die Umschuldung Griechenlands. Quelle: dpa

Allianz-Chef Michael Diekmann hat Pläne für die Umschuldung Griechenlands.

Frankfurt/Brüssel/MünchenDie Finanzbranche will sich selbst retten. Mit Blick auf einen EU-Sondergipfel zu Griechenland am Donnerstag hat die Allianz, einer der größten Vermögensverwalter der Welt, einen Rettungsplan entworfen und den Verantwortlichen vorgelegt. Private Investoren sollen demnach einen Teil der Kosten schultern - nicht mehr allein die Steuerzahler.

Allianz-Chef Michael Diekmann und Finanzvorstand Paul Achleitner schlagen eine "Public Private Partnership" vor. Dabei würden sich privater und öffentlicher Sektor die Verluste bei einer Entschuldung Griechenlands teilen. Doch zunächst würden nach der Kalkulation der Allianz vor allem die Privaten bluten. "Privatwirtschaft und öffentliche Hand müssen gemeinsam etwas tun, was den Krisenherd in Griechenland eindämmt und Ansteckungsgefahren bannt", sagte Diekmann dem Handelsblatt. Es reiche nicht, die Liquidität Griechenlands aufrechtzuerhalten, begründete der Allianz-Chef seinen Plan.

Da die Finanzbranche Sicherheit braucht, schlägt die Allianz einen abgesicherten Schuldenschnitt vor. Kern des vom Vorstand verabschiedeten Papiers, das dem Handelsblatt vorliegt, ist ein freiwilliges Umtauschangebot für griechische Staatsanleihen. Dabei sollen private Investoren ihre Anleihen in neue Papiere mit einer längeren Laufzeit tauschen und auf 25 Prozent des Nominalwertes verzichten. Die Investoren verlören dadurch zwar viele Milliarden. Anreiz für den Umtausch wäre dennoch gegeben: Denn sie erhielten deutlich mehr, als wenn sie derzeit ihre Papiere am Markt verkauften. Beispiel: Ein Investor tauscht eine Anleihe im Nominalwert von 100 Euro, die derzeit aber nur 60 Euro wert ist, in ein Papier zum Nominalwert von 75 Euro. Und wenn diese neuen Anleihen über den Rettungsschirm EFSF gesichert würden, wäre zudem ihr künftiges Verlustrisiko relativ überschaubar.

Maßnahmen gegen die Schuldenkrise

Schäuble Vorschlag

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharrt auf seinem Vorschlag, alle griechischen Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt - also während der Laufzeit - gegen neu Papiere mit längerer Laufzeit zu tauschen. Im Gespräch ist eine Verlängerung der Laufzeit der  Staatsanleihen privater Gläubiger um sieben Jahre. Dabei sollen die Gläubiger die vereinbarten Zinssätze erhalten.  

Damit die Rating-Agenturen dies nicht als Zahlungsausfall Griechenlands werten, sollen sich die privaten Gläubiger auf freiwilliger Basis beteiligen. Unklar ist jedoch, wie Schäuble genug Gläubiger dazu bewegen will, sich an einer solchen freiwilligen Lösung zu beteiligen.

Kauf von Anleihen durch den Euro-Rettungsfonds

Der Euro-Rettungsfonds (EFSF) könnte künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern zum aktuellen Marktwert kaufen oder Schuldenländern den Rückkaufeigener Anleihen ermöglichen. Derzeit sind die Marktpreise für die Staatsanleihen der Schuldenländer deutlich unter den Ausgabekursen. Deshalb könnte auf diese Weise der Privatsektor indirekt an den Rettungskosten beteiligt werden.

Diskutiert werden zwei Varianten: Entweder der EFSF kauft die Schulden selbst auf oder er gibt Kredite an Griechenland, dessen Regierung dann den Rückkauf betreibt. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wäre der EFSF rechtlich dazu in der Lage. Für Griechenland würde sich die Finanzlage stark verbessern. Doch die Geberländer müssten viel Geld in die Hand nehmen. Und: Die Ratingagenturen würden dies vermutlich als Kreditausfall werten.

Im vergangenen Jahr hat bereits die Europäische Zentralbank (EZB) massiv Anleihen gekauft. Sie will jedoch keine weiteren Risiken eingehen. Außerdem stellt sich die EZB gegen Vorschläge zur Beteiligung des Privatsektors an der Griechenland-Rettung, weil sie ansonsten auf ihre eigenen Anleihen Abschreibungen bilden müsste.

Der Ackermann-Plan

Der Plan des von Josef Ackermann geführten internationalen Bankenverbandes IIF sieht ein freiwilliges, von Griechenland selbst organisiertes Rückkaufangebot für Staatsanleihen vor.

Ein solcher Schritt würde lediglich solche Banken treffen, die die Papiere zu Einstiegspreisen im Bankbuch halten. Sie müssten bei einem Rückkauf Abschreibungen in Kauf nehmen. Nicht betroffen wären hingegen Institute, die ihre Griechenland-Anleihen zum derzeitigen Wert im Handelsbuch bilanziert haben.

Der Schuldenrückkauf  würde nach Überzeugung des IIF keinen begrenzten Zahlungsausfall auslösen. Offen ist wer Griechenland den Schuldenrückkauf finanzieren soll.  Hier käme neben der EZB nur der europäische Rettungsschirm EFSF in Frage.

Bankenabgabe

Die Gläubiger kaufen freiwillig neue Griechenlandanleihen. Das zweite Hilfspaket für Griechenland wird aus einer Bankenabgabe oder aus einer Finanzmarktsteuer finanziert. Vorteil: Der EFSF bekäme zusätzlich Geld, ohne dass die Haushalte der Euro-Länder dadurch belastet werden. Nachteil: Bankenabgabe und die Finanzmarktsteuer sind in der EU stark umstritten. Und die griechische Schuldentragfähigkeit würde kaum verbessert. Die Ratingagenturen sehen dies wohl nicht als Zahlungsausfall.

Französisches Modell

Die französischen Banken haben ein Modell in die Diskussion gebracht, bei dem Griechenland seine auslaufenden Anleihen vollständig tilgt. 30 Prozent der Tilgungssumme sollen die Investoren direkt ausgezahlt bekommen. Die restlichen 70 Prozent des zurückgezahlten Geldes müssen sie in neue Griechen-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit anlegen.

Die Banken haben verschiedene Varianten des Modells ins Spiel gebracht. Sie unterscheiden sich darin, inwieweit die anderen Euro-Staaten das Ausfallrisiko der verbliebenen Anleihen übernehmen.  Außerdem geht es um die Frage, wie die verbliebenen Papiere verzinst werden sollen. Im Gespräch ist ein Zinsbonus, der sich nach dem griechischen Wirtschaftswachstum richtet.

Entscheidend dafür, welches Modell sich am Ende durchsetzt, ist vor allem das Urteil der Rating-Agenturen. Für das französische Modell hat die Rating-Agentur Standard & Poors bereits signalisiert, dass sie dies als teilweisen Zahlungsausfall werten könnte. Eine Bewertung als Zahlungsausfall wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. In diesem Fall müssten Banken und Versicherungen Abschreibungen bilden und die Kreditausfallversicherungen (CDS) würden fällig – mit unkalkulierbaren Risiken für das Finanzsystem.

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Eurobonds

Dahinter steht die Idee, dass alle Euro-Länder gemeinsame Anleihen ausgeben - für die sie gemeinsam garantieren. Durch das geringere Ausfallrisiko würde die Zinslast für die Schuldenländer sinken. Unklar ist jedoch, was dies für die Euro-Länder mit hoher Kreditwürdigkeit bedeuten würde, wie zum Beispiel Deutschland. Unter Umständen müssten sie für ihre Anleihen dann höhere Zinsen zahlen. Befürworter argumentieren jedoch, dass durch die höhere Liquidität der Anleihe der durchschnittliche Zinssatz für alle beteiligten Länder sinken würde.  

Das Modell wird in verschiedenen Varianten diskutiert. Neben der vollständigen Umstellung auf Eurobonds gibt es auch den Vorschlag, nur solche Schulden in Eurobonds umzuwandeln,  die im Rahmen der Maastrichter-Kriterien liegen.

Brady-Bonds

Der US-Finanzminister Nicholas Brady entschärfte die Lateinamerika-Krise 1989 dadurch, dass ausstehende Anleihen südamerikanischer Länder in solche mit sehr langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen umgetauscht wurden. Als Sicherheiten dienten US-Staatsanleihen.

Blessing-Vorschlag

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, hat sich für einen Forderungsverzicht der Banken von 30 Prozent ausgesprochen. Die übrigen 70 Prozent sollen die Institute in Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit tauschen, die von EU-Institutionen garantiert würden. Der Zins soll für diese Bonds nur 3,5 Prozent betragen. Der Vorschlag folgt der Logik der Brady-Bonds.

Damit dies so ist, schlägt die Allianz in ihrem Modell vor, dass die neuen Anleihen durch einen Kredit des Rettungsfonds für in Finanznot steckende Staaten (EFSF) an Griechenland abgesichert werden. Das Geld aus dem EFSF müsste Griechenland auf ein Treuhandkonto einzahlen. Diese Absicherung hat nach Einschätzung der Allianz zwei Effekte: Zum einen würden die Zinsen die Kosten des Kredits decken, und das Geld diente den Anleihegläubigern im Falle eines Schuldenschnitts als Sicherheit. Zum anderen könnten sich Investoren dank dieser Absicherung mit einer niedrigeren Verzinsung griechischer Staatsanleihen zufriedengeben. Die Allianz rechnet mit Zinsen zwischen fünf und sechs Prozent.

Kommentare (29)

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Knut34

18.07.2011, 08:25 Uhr

Zwei to dos um gegen die Euro Rettung zu protestieren:

1. Petition zeichnen: (5 Minuten Aufwand, dedarf Registrierung)
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition%3Bsa%3Ddetails%3Bpetition%3D18123

2. Automatisch generierte Mail an lokale Abgeordnete, 1 Minute Aufwand, Bedarf nur Eingabe der PLZ und ein paar Clicks:
http://www.abgeordneten-check.de/kampagne/69-stoppt-eu-transferunion.html

Account gelöscht!

18.07.2011, 08:31 Uhr

Es wird nur ein Plan angenommen von der Allianz, wo der deutsche Steuerzahler von alle Lasten für diesen Mist entlastet wird. Alles andere ist nur heiße Luft.
Die Banken und andere Verursacher dieser Krise haben alles zu schultern, nicht aber der deutsche Steuerzahler.
Basta.
Alternativlos.
Danke

Thomas-Melber-Stuttgart

18.07.2011, 08:38 Uhr

Zinsen werden doch auf den Nennwert (= 100) gezahlt? Rücknahmepreis? Und dann noch 100% ausfallsicher, dennoch ein tolles Geschäft. Die Verluste werden natürlich abgeschrieben, d.h. sind steuermindernd, und werden daher indirekt auch vom Staat (Steuerzahler) getragen.

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