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19.10.2015

14:21 Uhr

Rückversicherer

Preispoker statt Glücksspiel

VonKerstin Leitel

Jedes Jahr trifft sich die Versicherungsbranche in Baden-Baden. Dabei frönt man aber nicht dem Glücksspiel, sondern pokert um die Preise im Rückversicherungsgeschäft – und wittert neue Geschäftsfelder.

Jedes Jahr verhandeln die Rückversicherer um die Preise ihrer Leistung. dpa

Poker

Jedes Jahr verhandeln die Rückversicherer um die Preise ihrer Leistung.

Baden-BadenIn Geschäftsverhandlungen geht es nicht selten zu wie beim Poker – und natürlich gehört bluffen auch dazu. In der Versicherungsbranche sitzen sich jedes Jahr Rückversicherer und Versicherer gegenüber, vor allem zum Jahreswechsel läuft ein Großteil ihrer Vereinbarungen aus. Auf dem alljährlichen Branchentreffen in Baden-Baden wird ausgelotet, wie weit man in den Verhandlungen gehen kann.

Für die Nummer 1 der Rückversicherungsbranche, die Munich Re, ist der Fall klar: Keine Zugeständnisse. „Wir werden diszipliniert vorgehen“, betont Vorstandsmitglied Ludger Arnoldussen am Montag vor Journalisten. Wenn Kunden zu hohe Zugeständnisse fordern, werde man eben weniger Geschäft machen. „So haben wir die vergangenen 135 Jahre überlebt“.

Die Preise im klassischen Rückversicherungsgeschäft sind seit längerem rückläufig, unter anderem, weil mittlerweile auch Pensionsfonds und Hedgefonds in dem Geschäft tätig sind und damit einen harten Konkurrenzkampf ausgelöst haben. Zudem geben viele Erstversicherer weniger Risiken an Rückversicherer ab, wodurch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage von Rückversicherungsschutz weiter wächst.

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Die Munich Re – der weltgrößte Rückversicherer – hat harte Zeiten vor sich. Schuld daran ist nicht nur der niedrige Zinssatz. Doch der Konzern ist vorbereitet. Ein detaillierter Blick in die Bilanz.

Dennoch geht es der Rückversicherungsbranche gut: Sie weist Rekordergebnisse aus. Daran werde sich kurzfristig nicht viel ändern, sagen Experten. Zum einen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren üppige Kapitalpolster angelegt, zum anderen hatten sie zuletzt Glück: Es gab kaum teure Naturkatastrophen, für die sie zahlen mussten.

Die andere Seite im Preispoker, öffentlich vertreten in Baden-Baden durch Makler wie Aon Benfield oder Guy Carpenter, sieht den Verhandlungen natürlich mit einer anderen Meinung als Munich-Re-Vorstand Arnoldussen entgegen. Das Angebot von Seiten der Rückversicherer sei groß, sagt Thofern von Aon Benfield, „wir haben Überkapazitäten“.

Deswegen rechnet er mit „interessanten“ Preisen, sprich: weniger Geld für die Rückversicherer. Noch deutlicher wird man bei Guy Carpenter. Ebenfalls mit Verweis auf ein großes Angebot heißt es da, die Kunden dürften die Qual der Wahl haben. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Käufer von Rückversicherungsprodukten möglicherweise noch mehr sparen können als zuletzt prognostiziert.

Die Versicherungen, die keiner braucht

Unsinnige Policen

Ob Brillen, Handy oder Glas - in Deutschland kann man fast alles versichern lassen. Doch von vielen dieser Verträge profitiert nur einer - die Versicherungsgesellschaft. Der Bund der Versicherten hat die überflüssigsten Policen zusammengetragen.

Die Glasbruchversicherung

Eine kaputte Scheibe ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Deshalb mache eine Glasbruchversicherung für die meisten keinen Sinn, so der Bund der Versicherten. Die Beiträge seien für die mögliche Schadenshöhe zu hoch. Ausnahme: Sie haben einen Wintergarten oder teure Spezialglasscheiben im Haus. Oder fußballverrückte Kinder.

Die Brillenversicherung

Kaum einem Brillenträger wurde sie nicht angeboten: Die Brillenversicherung. Dabei glauben viele, dass die Brille bei Bruch oder Beschädigung vollständig ersetzt würde. Doch falsch gedacht. Geht die Brille kaputt, gibt es nur Geld für die Sparvariante zurück. Wer eine hochwertige Fassung und aufwändige Gläser haben möchte, muss auch mit Brillenversicherung zuzahlen. Neue Gläser gibt es übrigens nur bei Beschädigung und bei einer starken Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien). Wer das nicht zu befürchten hat, sollte seine Brille unversichert lassen.

Die Krankenhaustagesgeldversicherung

Die Krankenhaustagesgeldversicherung verspricht eine Zuzahlung für jeden Tag, den man in einer Klinik verbringen muss. Ob sie die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, bezweifelt der BDV allerdings. Der Verein rät, für solche Fälle lieber Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit zu halten.

Die Reisegepäckversicherung

Wer sich Geld von einer Reisegepäckversicherung verspricht, muss bestens auf seine Koffer aufpassen. Denn oft zahlen die Versicherer nur anteilig oder gar nicht, wenn sie ihren Kunden grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Und was grob fahrlässig ist, ist Auslegungssache. Wertsachen wie Schmuck, Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert, bemängelt der BDV. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

Die Handyversicherung

Auch eine Handyversicherung bieten Verkäufer gerne und häufig an, meist gleich an der Kasse. Da hört sie sich auch besonders gut an - schließlich kostet ein Smartphone mehrere Hundert Euro. Es zu versichern, lohnt sich trotzdem nicht. Geht das Gerät verloren oder kaputt, ersetzt die Versicherung nur den Zeitwert des Handys und eine Selbstbeteiligung wird fällig. Wer Geld zurück möchte, für den gilt also: Das Handy zeitnah kaputt machen oder im Taxi liegen lassen.

Versicherung gegen „häusliche Notfälle”

Eine ausgefallene Heizung oder ein vergessener Schlüssel - das sind die „häuslichen Notfälle”, gegen die sich Verbraucher versichern können. Doch einmal einen Notdienst zu rufen, treibt einen nicht in den finanziellen Ruin. Eine Versicherung gegen häusliche Notfälle zieht einem dagegen unnötig Geld aus der Tasche. Auch, weil sie nur begrenzt zahlt. Wer zur Miete wohnt, muss sich ohnehin keine Sorgen machen. Mieter müssen nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben, zum Beispiel bei einem Heizungsausfall.

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Eine Police, bei der man seine eingezahlten Beiträge am Ende zurückbekommen soll - das verspricht die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr. Dahinter steckt aber ein Koppelprodukt, nämlich eine Versicherung mit einem schlecht verzinsten Sparvertrag. Als „Milchmädchen-Rechnung“ bezeichnet der BDV solche Policen: Den Betrag, den der Kunde zurück bekommt, hat er vorher zusätzlich eingezahlt. Und auch die Versicherungsleistungen seien oft nicht ausreichend.

Die Insassenunfallversicherung

Die Angst vor Autounfällen ist groß, deshalb schließen viele Deutsche die Insassenhaftpflichtversicherung ab. Unnötigerweise, so der BDV. Verursacht der Fahrer einen Unfall und werden die Fahrgäste verletzt, tritt seine eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Eine Insassenunfallversicherung lohnt sich nur bei Fahrerflucht oder, wenn der Unfall durch einen Fußgänger verursacht wurde, der keine private Haftpflicht besitzt. Doch auch dem kann vorgebeugt werden, etwa durch eine Forderungsausfallabdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung.

Die Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließe, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen, so der BDV. Wer seine Angehörigen entlasten wolle, sollte lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

Die Rückversicherungsbranche setzt angesichts der schlechten Perspektiven auf neue Wachstumsfelder. Allerorten wird das Potenzial durch die Entwicklung des autonomen Autos und die Gefahren durch Hacker diskutiert. „Das Neue Risiken erfordern neue Produkte“, sagt Arnoldussen. In Zukunft werde die größte Gefahr für die Produktionsanlage nicht mehr von Feuer oder Explosionen ausgehen, sondern von Hackerangriffen und deren Folgen.

Auf 445 Milliarden Dollar beziffert das amerikanische Center for Strategic and International Studies die Kosten durch Cyberkriminalität und Wirtschaftsspionage für die globale Wirtschaft – im Jahr. „Die Nachfrage nach Versicherungslösungen gegen Cyber-Risiken wird rapide zunehmen“, prognostiziert daher nicht nur Arnoldussen.

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