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27.04.2011

00:00 Uhr

Rückversicherer

Scor kauft trotz Katastrophen zu

VonHolger Alich

Der französische Rückversicherer Scor übernimmt das Geschäft mit Lebensrückversicherungen von Aegon. Scor will sich damit von den Risiken durch Naturkatastrophen unabhängiger machen.

Auch die Katastrophe in Japan hielt Scor nicht von Zukäufen ab. Quelle: dpa

Auch die Katastrophe in Japan hielt Scor nicht von Zukäufen ab.

Paris Weder das Erdbeben in Japan noch die Häufung von Sturmschäden scheinen Frankreichs Rückversicherer Scor aus der Bahn werfen zu können. Die Nummer fünf der Welt kündigte gestern an, für umgerechnet 630 Millionen Euro das Geschäft mit der Absicherung von Todesfallrisiken von Transamerica Re zu kaufen, einer Filiale des niederländischen Finanzkonzerns Aegon. Mit dem Kauf des Vertragsportfolios steigt Scor zur Nummer zwei in den USA in diesem Geschäft auf. Rückversicherer übernehmen Risiken von Erstversicherern wie Allianz oder Axa und helfen diesen damit, ihr Risiko besser zu streuen.
Die Börse begrüßte den Deal, über den seit Wochen spekuliert wurde, die Scor-Aktie stieg um rund 1,5 Prozent. Dabei ist das Lebensversicherungsgeschäft derzeit bei Anlegern nicht sonderlich gut angesehen, denn die niedrigen Zinsen machen es der Branche schwer, ihre Zahlungsvesprechen einzuhalten. Doch Scor übernimmt mit dem Zukauf keine Kapitalmarktrisiken; das übernommene Vertragsportfolio sichert die Kunden-Lebensversicherer nur vor dem Risiko ab, eine Häufung von Todesfällen z.B. wegen einer Epidemie finanziell stemmen zu müssen. Genau auf diese Spezialität hat Scor-Chef Denis Kessler das Lebensrückversicherungsgeschäft seines Konzerns fokussiert.
Und er kauft hierfür jetzt profitable Verträge zu; nach Angaben der Franzosen werden die übernommenen Kontrakte in diesem Jahr eine Marge von sechs Prozent abwerfen. Analysten waren zudem beruhigt, da Scor die Übernahme aus eigenen Mitteln und ohne Kapitalerhöhung finanzieren will.
Der Deal kommt für Kessler wie gerufen. Denn am 4. Mai muss er sich dem Votum der Aktionäre auf der Hauptversammlung stellen, die sein Mandat für den Verwaltungsrat verlängern müssen. Über den Verbleib Kesslers an der Scor-Spitze gibt es keine Zweifel, doch erlaubt der Zukauf dem wortgewaltigen Scor-Chef, sich erneut als Stratege feiern zu lassen.
Als er 2002 die Leitung des französischen Rückversicherers übernommen hatte, rang dieser mit dem Zusammenbruch. So war Scor einer der Hauptversicherer der Doppeltürme des World Trade Centers. Zudem bereiteten Gehversuche bei einigen Spezialprodukten in den USA Scor damals große Verluste.
Kessler stieß solche Randgeschäfte ab und stärkte mit mehreren Kapitalerhöhungen die Bilanz des Unternehmens. 2006 schaltete er dann auf Zukäufe zu. Zunächst erwarb Scor das Lebensrückversicherungsgeschäft des ehemaligen Gerling Konzerns (Revios), 2007 schluckte Scor dann den Schweizer Wettbewerber Converium.
Strategisch will Kessler Scor von zwei Gewinn-Motoren antreiben lassen: zum einem dem klassischen Rückversicherungsgeschäft, etwa der Absicherung von Naturkatastrophen wie Erdbeben. Hier schwanken die Ergebnisse aber stark. Daher baut Kessler Stück für Stück das Lebensrückversicherungsgeschäft aus, wie jetzt mit der US-Übernahme. Denn in dieser Sparte verlaufen die Ergebnisse stabiler.
Dank des Zukaufs wird der Gewinnbeitrag der beiden Sparten besser ausbalanciert" lobt daher Pierre Flabbée, Analyst des Pariser Brokers Kepler. Denn 2010 verdiente Scor 194 Millionen Euro mit dem Leben-Geschäft, aber 298 Millionen Euro mit dem volatileren Nicht-Leben-Geschäft. Im ersten Quartal dürfte Scor aber, wie die gesamte Branche, unter der Großschädenanhäufung leiden. Laut Scor dürften die Ereignisse in Japan Scor maximal 185 Millionen Euro kosten.
Neben dem gezielten Ausbau des Geschäfts mit begrenzten Risiken verpasste Kessler seinem Rückversicherer eine sehr konservative Anlagepolitik. Aus Furcht vor einer Staatspleite verringerte Scor zum Beispiel den Anteil von Staatsanleihen im Portfolio. Doch der Ritterschlag zum Eintritt in den Club der Großen fehlt Kessler noch: die Heraufstufung Scors durch Standard & Poor's auf die Note "AA". Derzeit billigt die für die Branche führende Rating-Agentur Scor nur die Note "A" mit positivem Ausblick zu.

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