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23.08.2013

15:08 Uhr

Schaden bei einer Milliarde

Hagelsturm wird teurer für die Versicherer

ExklusivBisher wurden die Auto- und Wohngebäudeschäden durch Hagelsturm „Andreas“ auf 600 Millionen Euro geschätzt. Michael Pickel, Vorstand des Rückversicherers Hannover Rück, rechnet mit einer höheren Summe.

Im Juli diesen Jahres zieht Hagelsturm „Andreas“ über Teile Baden-Württembergs und hinterlässt eine Schneide der Verwüstung. dpa

Im Juli diesen Jahres zieht Hagelsturm „Andreas“ über Teile Baden-Württembergs und hinterlässt eine Schneide der Verwüstung.

DüsseldorfDer Hagelsturm „Andreas“ vom 28. Juli dieses Jahres könnte die Erst- und Rückversicherungsbranche deutlich teurer zu stehen kommen als bisher gedacht. Michael Pickel, Vorstand des weltweit drittgrößten Rückversicherers Hannover Rück, hält die bisherigen Schätzungen von 600 Millionen Euro für Auto- und Wohngebäudeschäden für zu niedrig angesetzt. „Ich halte eine Zahl deutlich über eine Milliarde Euro für realistisch“, sagte er zu Handelsblatt Live, der iPad-Ausgabe des Handelsblatts.

Die fünf mal 27 Kilometer große Unwetterzelle wütete vor allem über den vier baden-württembergischen Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Göppingen und Esslingen. Binnen 15 Minuten verursachte sie mehr Schäden als der „Münchener Hagel“ aus dem Jahr 1984, der bislang als größtes Hagelschadenereignis in Deutschland galt. Allein für den Marktführer in dem Bundesland, die SV Sparkassenversicherung, mache das 40 Millionen Euro Schaden pro Minute, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Freitag. „Das gibt es selten“, erklärte SV-Vorstand Klaus Zehner.

Die teuersten Katastrophen 2012

Statistik von Swiss Re

Der Rückversicherer Swiss Re wertet jedes Jahr aus, welche Katastrophen die höchsten Schäden verursacht haben. Dabei geht es nicht um die Gesamtsumme, sondern die von den Versicherungen abgedeckte. 2012 traf es die USA am schlimmsten – vor allem Stürme verursachten teure Schäden.

Tornados im Mittleren Westen

Bei dutzenden Tornados im Mittleren Westen der USA starben im April 2012 sechs Menschen. Der versicherte Schaden betrug laut Swiss Re eine Milliarde Dollar.

Stürme in den Rockies

Im Juni wirbelten mehrere Stürme die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas durcheinander. Versicherter Schaden: eine Milliarde Dollar.

Hurrikan Isaac

Keine Ruhe für New Orleans: Sieben Jahre nach dem verheerenden Sturm „Katrina“ traf „Isaac“ die Stadt am Golf von Mexiko. Ganz so schlimm waren die Folgen nicht, Swiss Re schätzt den Schaden aber trotzdem auf 1,6 Milliarden Dollar.

Erdbebenserie in Italien

Im Mai 2012 erschütterte eine Serie von Erdbeben den Norden Italiens, 24 Menschen kamen ums Leben. Swiss Re beziffert den versicherten Schaden auf 1,6 Milliarden Dollar, insgesamt betrug der wirtschaftliche Verlust sogar umgerechnet 16 Milliarden Dollar.

Dicke Hagelkörner auf St. Louis

Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Die Stürme, die im Mai über den Mittleren Westen der USA zogen, kosteten die Versicherer 1,7 Milliarden Dollar. Vor allem St. Louis traf es schwer. Eine Person starb.

Derecho-Sturmsystem

Ein langgezogenes Sturmsystem – in den USA Derecho genannt – zog im Juni 2012 über die US-Staaten Ohio und Indiana hinweg, 28 Menschen starben. Der versicherte Schaden betrug zwei Milliarden Dollar.

Schwere Stürme im Frühjahr

Im März und April trafen mehrere schwere Stürme die USA. Der Rückversicherer Swiss Re verbuchte sie mit jeweils 2,5 Milliarden Dollar versicherter Schadenssumme.

Dürre im Corn Belt

Der Mittlere Westen der USA gilt als Brotkorb des Landes – doch im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte wegen einer schweren Dürre äußerst mager aus. Nach Angaben von Swiss Re betrug der Schaden 11 Milliarden Dollar.

Sandy randaliert im Osten der USA

Nur „Katrina“ war schlimmer: Der Hurrikan „Sandy“ legte die Ostküste der USA lahm und richtete Schäden in Höhe von 35 Milliarden Dollar an – teurer war 2012 keine andere Katastrophe. Doch die Folgen des Sturms reichen noch weiter: Er zeigte die Amerikaner auf schmerzhafte Weise die Folgen des Klimawandels.

Hannover-Rück-Vorstand Pickel glaubt, dass die vielen Unwetter Auswirkung auf die Prämien in der Autoversicherung haben werden. Der Grund: Die Schwankungsrückstellungen bei den Endkundenversicherern gingen zu Neige. Mit dieser zusätzlichen Kapitaldecke federn Versicherer unterschiedlich hohen Schadenssummen über die Jahre ab. Doch dieser Block sei bei einigen Gesellschaften so gut wie abgeschmolzen. „Es war schon immer so, dass Erstversicherer die Prämien angehoben haben, wenn der Topf für die Schwankungsrückstellungen leer war“, sagte Pickel zu Handelsblatt Live. „Es sollte mich wundern, wenn es diesmal anders wäre.“

Mehrere Gesellschaften hätten schon in diesem Jahr außerordentlich oft Rückversicherungsschutz bei Unternehmen wie Hannover Rück nachbestellt, sagte Pickel. Das sei eher unüblich und vor allem teurer. „Der Aufschlag hierfür kann bis zu 100 Prozent betragen, erst recht wenn sowohl Schäden durch Hagel als auch durch Sturm abgedeckt werden.“

Anm. d. Redaktion: In einer ersten Fassung war die Überschrift missverständlich formuliert. Für die gesamte Branche wird von der Hannover Rück ein Schaden von einer Milliarde Euro erwartet.

Von

oz

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

25.08.2013, 16:45 Uhr

Ich bin als Versicherungsmakler in dem betroffenen Gebiet tätig und kann bisher nur sagen, die Versicherer bemühen sich die Schäden reguliert zu bekommen. Am Samstag war ich zusammen mit einem Gutachter bei einer Kundin, die das Glück hatte, gleich nach dem Hagelsturm einen Dachdecker zu bekommen. Der Gutachter hat den Schaden mit einer sofortigen Zahlung von über 13.500 EUR an Ort und Stelle reguliert. Das Problem werden die Handwerker, die den Ansturm an Arbeit einfach nicht bewältigen können.

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