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19.06.2012

18:06 Uhr

Schätzerkreis

Krankenkassen erwirtschaften Überschüsse

VonPeter Thelen

ExklusivDie Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind im ersten Quartal weniger stark gestiegen als befürchtet. Das hat den Kassen einen deutlichen Überschuss beschert. Schlechter steht es allerdings um den Gesundheitsfonds.

Gesetzliche Krankenkassen machen deutliche Überschüsse. dpa

Gesetzliche Krankenkassen machen deutliche Überschüsse.

BerlinDie gesetzlichen Krankenkassen haben das erste Quartal mit einem überraschend deutlichen Überschuss von 1,51 Milliarden Euro abgeschlossen. Grund für die positive Entwicklung ist nach einer Auswertung der aktuellen Finanzergebnisse durch das Bundesgesundheitsministerium, die dem Handelsblatt vorliegt, vor allem die unerwartet günstige Ausgabenentwicklung.

Die Leistungsausgaben je Versicherten stiegen mit 3,6 Prozent deutlich geringer als die vom Schätzerkreis noch im vergangenen Herbst erwarteten 4,5 Prozent. Insgesamt wuchsen die Ausgaben um 3,5 Prozent je Versicherten. Da sich die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen nach dieser Prognose richten, konnten die Kassen ihre Reserven weiter auf 11,5 Milliarden Euro auffüllen.

Zusammen mit dem Gesundheitsfonds verfügte das gesetzliche Versicherungssystem damit zuletzt über Rücklagen von 20 Milliarden Euro, was zwei vollen Beitragssatzpunkten entspricht. Allerdings verzeichnete der Gesundheitsfonds ein Defizit von 1,05 Milliarden Euro. Grund sind saisonale Schwankungen bei den Beitragseinnahmen. Da die Beitragseinnahmen des Fonds jedoch im ersten Quartal Dank der guten Wirtschaftsentwicklung um 3,5 Prozent über Vorjahresniveau lagen und Renten und Löhne im Jahresverlauf deutlich steigen werden, dürfte der Fonds auch wie die Kassen das Gesamtjahr mit einem Überschuss abschließen.

Welche Kasse ist die richtige?

Kriterien

Der Gesetzgeber lässt kaum einen Preiswettbewerb und nur einen eingeschränkten Leistungswettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen zu. Die Versicherten sollten deshalb zumindest die vorhandenen Möglichkeiten nutzen. Folgende Kriterien können bei der Wahl der richtigen Kasse wichtig sein.

Zusatzbeitrag

Für die Kassen gilt ein einheitlich-vorgegebener Beitragssatz vom sozialversicherungspflichtigen Einkommen. Eine Handvoll Kassen, die damit nicht zurecht kommen, erhoben zeitweise einen monatlichen Zusatzbeitrag von zumeist acht Euro im Monat. Die meisten Kassen schafften die ungeliebte Einnahmeform jedoch wieder ab.

Beitragsrückzahlung

Einige Kassen stehen finanziell so gut da, dass sie ihren Mitgliedern Beiträge zurückzahlen. Das kann sich jedoch von Jahr zu Jahr ändern.

Service

Freundlichkeit der Kassenmitarbeiter und gute Erreichbarkeit sind nach Umfragen für viele Kassenmitglieder wichtige Kriterien. Die AOK´s, die IKK-Classic und die großen Ersatzkrankenkassen wie die Barmer-GEK, DAK-Gesundheit und Techniker haben bundesweit die meisten Geschäftsstellen.

Wichtiger ist jedoch für die meisten Versicherten eine gute telefonische Erreichbarkeit und eine schnelle Reaktion auf Anfragen, was sich aber wie die Freundlichkeit der Mitarbeiter nicht exakt messen lässt. Über die Servicezeiten informieren in der Regel die Internetauftritte der Kassen.

Wahltarife

Kassen bieten für ihre Versicherten Spar- und Selbstbehaltsmodelle als Wahltarife an. Damit soll ein kostenbewusstes Verhalten gefördert werden. So kann beispielsweise bei Nichtinanspruchnahme bestimmter Leistungen ein Teil der Beiträge rückerstattet werden, auch können die Versicherten die Kostentransparenz von Ärzten wünschen, analog privater Krankenversicherung ein Kostenerstattung von Arztrechnung wählen.

Im Vergleich zu privaten Krankenversicherungen sind die Beitragsersparnisse jedoch gering, bei der Erstattung von Arztrechnungen stellen sich die Kassenmitglieder sogar oft schlechter, weil sie einen höheren Aufwand haben.

Bonusprogramme

Kassen zahlen ihren Versicherten für die Teilnahme an bestimmten Maßnahmen, etwa von Präventivkurse, weitergehende Vorsorgeuntersuchungen, Schutzimpfungen oder Sportkurse finanzielle Anreize.

Zusatzversicherungen

Gesetzliche Krankenkassen haben häufig mit privaten Krankenversicherer Kooperationen abgeschlossen und bieten deren private Zusatz- und Ergänzungs-Policen für stationäre Unterbringung oder Zahnleistungen zu einem Sondertarif an. Doch oft sind die Policen am Markt günstig erhältlich, ohne dass sich die Versicherten an den Kooperationspartner der Kasse binden müssen.

Innovative Leistungen

Zu den Krankenkassen, die vom neuen Gesetz Gebrauch machen und innovative Leistungen anbieten dürfen oder anbieten wollen, gehören unter anderem die Techniker Krankenkasse (Osteopathie), HEK (zusätzliche Vorsorge für Kinder und Schwangere), Siemens BKK (Heilpraktiker-Behandlungen/Osteopathie, BKK Henschel Plus (Heilpraktiker-Leistungen) und die BKK Wirtschaft & Finanzen.

Das Ministerium sieht in der positiven Bilanz eine Bestätigung der bisherigen Gesundheitspolitik. Minister Daniel Bahr (FDP) hatte die Kassen immer wieder aufgefordert, einen Teil ihre Überschüsse an die Versicherten auszuschütten.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

19.06.2012, 18:34 Uhr

Krankenkassen schwimmen in Überschüssen. Dennoch krankt unser Gesundheitssystem an allen Ecken und Kanten. Ärztliche Versorgung ist auf ein Minimum zurückgefahren. Ist der eingeräumte Etat des jeweiligen Arztes Mitte Monat aufgebraucht, dann werden Patienten eben nicht mehr umfassend behandelt. Das wird sich auch nicht dadurch ändern, daß die Politik den Krankenkassenüberschuss zweckentfremdet verbrät. Der Bürger muss überall immer mehr Zuzahlungen leisten und wird immer schlechter versorgt als Gegenleistung. Hier hat die Politik eindeutig versagt, denn die Verordnungen und Gesetze, die diese Misere geschaffen haben kommt nicht vom Bürger, sondern von unfähigen Volksvertretern.

Nachwuchs

19.06.2012, 18:35 Uhr

Krankenkassen schwimmen im Geld? Warum Praxisgebühren? Warum werden Medikamente für Hautkrankheiten nicht mehr bezahlt? Ist der Überfluss für die Heilung ukainischer Politiker gedacht, die sich weigerten für Ihre Landsleute zu sorgen?

Account gelöscht!

19.06.2012, 18:43 Uhr

Die sollen das Geld ruhig behalten und die evidenzbasierten Leistungen zu unser aller Wohl ausbauen, anstatt es auf einem bürokratischen Monsterweg, der das Geld wegfrißt, auzuzahlen.

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