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13.02.2015

02:09 Uhr

Schlechte Bilanz für AIG

„Das war ein Müllschlucker-Quartal“

Der US-Versicherungskonzern AIG hat im vierten Quartal deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Der Nettogewinn brach drastisch ein. AIG kündigte zudem an, die Aktienrückkäufe auszuweiten.

Der US-Versicherer hat im vierten Quartal weniger verdient. Reuters

Der US-Versicherer hat im vierten Quartal weniger verdient.

New YorkDas niedrige Zinsniveau hat dem größten US-Versicherer AIG die Bilanz verhagelt. Zudem drückte ein Schuldenumbau den Gewinn. Der Allianz-Rivale Allianz muss dadurch künftig zwar weniger Zinsen für seine Verbindlichkeiten zahlen, kurzfristig kostete die Ablösung der bisherigen Verträge aber Geld. Auch im Geschäft mit Versicherungen für Unternehmen lief es nicht wie gewünscht. Insgesamt verdiente AIG im vierten Quartal den Angaben vom Donnerstag zufolge mit 655 Millionen Dollar zwei Drittel weniger als vor Jahresfrist. Das war weniger als erwartet. Die AIG-Aktie verlor nachbörslich ein Prozent.

Das Milliardengrab AIG

2007:

Vor der Krise war AIG Ende 2007 mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar der größte Versicherer der Welt. Zum Vergleich: Die Allianz-Gruppe hatte zur gleichen Zeit einen Marktwert von 85 Milliarden Dollar, die Axa-Gruppe von 70 Milliarden Dollar. Mit über 100.000 Mitarbeitern und Vermögenswerten im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar schien AIG nahezu unantastbar.    

2008:

Für das 4. Quartal 2007 muss AIG als Folge der Subprime-Krise rund 11 Milliarden  Dollar auf das Kreditversicherungsportfolio abschreiben. Der Versicherer fährt einen Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar ein.

14. September 2008:

AIG bittet die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um die sonst drohende Abstufung des AIG-Ratings zu verhindern.

16. September 2008:

Die Fed gewährt dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug übernimmt der Staat fast 80 Prozent der AIG-Anteile.

9. Oktober 2008:

AIG bekommt weitere Rettungsgelder vom US-Staat im Wert von 37,8 Milliarden Dollar. Als Sicherheit erhält die Fed festverzinsliche Anleihen im gleichen Wert.

Dezember 2008:

Der Verkauf profitabler AIG-Teile geht voran. Am 22. Dezember 2008 kauft beispielsweise die Münchener Rück den Spezialversicherer HSB Group, einen der Marktführer bei Versicherungen gegen den Ausfall von Maschinen oder technischen Anlagen.

März 2009:

Der Versicherer meldet mit minus 61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust eines amerikanischen Unternehmens aller Zeiten. Wieder muss der Staat ran: Diesmal gibt es bis zu 30 Milliarden Dollar, dafür bekommt der Staat Anteile an lukrativen Unternehmenssparten von AIG. Im Gesamtjahr habe sich das Minus sogar auf 99,3 Milliarden Dollar belaufen.

Juli 2009:

Der Spiegel bezeichnet AIG als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. 

März 2011:

Die amerikanischen Steuerzahler mussten mit 182 Milliarden Dollar einspringen - die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise. Im November hatte das Finanzministerium das ausstehende Investment des Staates auf 120,6 Milliarden Dollar beziffert. Neben dem Ministerium hatte auch die US-Notenbank dem Versicherungskonzern unter die Arme gegriffen.

"Das war ein Müllschlucker-Quartal", sagte Branchenexpertin Cathy Seifert von S&P Capital IQ. "AIG hat an vielen Ecken aufgeräumt und das in diese Bilanz gepackt." So führte der Umbau der Schuldenstruktur zu einem Verlust nach Steuern im Quartal von 824 Millionen Dollar. Konzernchef Peter Hancock erklärte dazu aber, die positiven Auswirkungen, die es durch den Umbau in der Zukunft geben werde, seien für die Aktionäre vorteilhafter.

Ebenso wie andere Investoren, die Gelder gewinnbringend, aber sicher anlegen wollen, litt AIG im Quartal auch unter den weltweit niedrigen Zinsniveau. Der Konzern kündigte zudem an, sein Programm zum Rückkauf eigener Aktien um 2,5 Milliarden Dollar auszuweiten. Solche Vorhaben dienen oft dazu, den Aktienkurs zu stützen.

Die US-Regierung hatte den damals weltgrößten Versicherer AIG nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers 2008 mit 182 Milliarden Dollar Steuerngeldern vor dem Aus gerettet. Die Regierung fürchtete, eine Pleite des Konzerns könnte das globale Finanzsystem ins Wanken bringen. Das Geld hat AIG mittlerweile zurückgezahlt. Zudem hat der Konzern viele Geschäftsbereiche verkauft und ist deshalb heute längst nicht mehr so groß wie zu den Zeiten vor der Finanzkrise.

Von

rtr

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