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19.05.2011

00:00 Uhr

Sexskandal bei Ergo

"Mordsspaß" mit Prostituierten für die Truppe von Herrn Kaiser

VonSönke Iwersen

VW war kein Einzelfall: beim Versicherer Hamburg Mannheimer gab es rauschende Sexpartys mit Prostituierten. Mehr als peinlich für den Mutterkonzern Ergo - und es kommen immer neue Details ans Licht.

Günter Kaiser, die Werbefigur der Hamburg Mannheimer. Quelle: PR

Günter Kaiser, die Werbefigur der Hamburg Mannheimer.

Der Versicherungskonzern Ergo kämpft um seinen guten Ruf. Wie das Unternehmen jetzt einräumen musste, hat die im Ergo-Versicherungskonzern aufgegangene Hamburg Mannheimer (HMI) für ihre besten 100 Vertreter eine rauschende Sex-Party in Budapest organisiert. Nach Handelsblatt-Informationen mietete die Versicherung am 5. Juni 2007 die traditionsreiche Gellert-Therme an und verwandelte die historische Anlage in ein Freiluftbordell.

"Am Eingang wurden ich und die anderen Teilnehmer durchsucht, wie bei einer Sicherheitskontrolle am Flughafen", versichert einer der Gäste an Eides statt im Handelsblatt. Es sei "bei Strafe verboten", Fotos oder Filme von der Veranstaltung zu machen. Dann, so heißt es in der eidesstattlichen Versicherung eines anderen Teilnehmers, "kamen die Damen und zeigten uns, was sie hatten. Allen Beteiligten war klar, dass es sich um Nutten handelte."

Eine Sprecherin der Ergo bestätigte dem Handelsblatt das Stattfinden der Sex-Party. "Es ist richtig, dass es im Juni 2007 eine Incentive-Reise nach Budapest gegeben hat", sagte Alexandra Klemme, die Leiterin Media Relations der Ergo Versicherungsgruppe AG. "Unsere Recherchen haben ergeben, dass bei einer Abendveranstaltung im Rahmen dieser Reise ca. 20 Prostituierte anwesend waren."

Der Vorfall habe klar gegen die Richtlinien des Unternehmens verstoßen, räumte das Unternehmen mittlerweile ein. Die Führungskräfte, die in die Organisation der Veranstaltung involviert waren, sollen inzwischen nicht mehr für Ergo arbeiten.

Was an dem Abend geschah, das lässt sich aus einem süffisant geschriebenen Bericht in der Mitarbeiterzeitschrift "Profil" zumindest erahnen. "Sachen gibt's, die gibt's gar nicht", hieß es dort im Juli 2007. "Oder aber, sie sind so abgefahren, so sagenhaft und unbeschreiblich, dass es sie beinahe gar nicht geben dürfte." Und weiter: "Damit kann nichts und niemand mithalten, und genau darum ist es ja auch so wunderbar, ein HMI-Freak zu sein".

Die Abkürzung HMI steht für Hamburg Mannheimer International und bezeichnet den Vertriebsarm der traditionsreichen Hamburg-Mannheimer, einer Versicherungsgesellschaft, die seit den 70er-Jahren vor allem durch den biederen Herrn Kaiser bekannt wurde, eine nicht nur in der Branche legendäre Werbefigur.

Kommentare (12)

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Leser

19.05.2011, 11:44 Uhr

Hier bekommt der Begriff "Messlatte" für Leistungen wohl eine ganz neue Bedeutung? (;o)))

reniar

19.05.2011, 11:50 Uhr

Das habe ich mir schon immer gedacht.
Haben die mit dem "schlechten" Charakter die Macht und etwas zu sagen läuft es wie beschrieben. Von Moral ist dann keine Rede. Jeder nimmt sich dann soviel er kriegen kann. Absolute Maßlosigkeit (Exzess klingt da schon besser)! Mit solchen Leuten möchte ich besser nichts zu tun haben, denn wer seine Grenzen nicht kennt ist auch nicht vertrauenswürdig.
Diejenigen die davon so schwäm(t)en sollen sich mal fragen ob sie eigentlich zwischen moralischen und unmoralischem Verhalten unterscheiden können. Zu Glück kommt ja alles mal raus und alle Heuchler rudern heftig zurück. Warum wohl? Weil es eben nicht dazu beiträgt sich selbst damit zu schmücken. Nur Idioten oder Möchtegern-Gierhälse sind darauf neidisch. Einer Firma mit so verkommenen Mitarbeitern möchte man keinesfalls angehören. ERGO nicht Ego sollte es doch heißen. Eine glaubwürdige und ehrliche Firma sollte sich deutlichst davon distanzieren! Oder ist das schon ein Widerspruch in sich?

Account gelöscht!

19.05.2011, 12:02 Uhr

"wie war das noch mit der "spärömischen Dekadenz"?
Ach ja ,das waren ja die Hartz4 -Empfänger.
Wer von dieser Branche Moral erwartet ist hoffnungslos naiv.

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