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24.06.2011

13:16 Uhr

Skandal-Serie

Aigner rüffelt Versicherungskonzern Ergo

VonFrank Matthias Drost, Thomas Schmitt

Exklusiv„Inakzeptabel“ nennt die Bundesverbraucherministerin die Informationspolitik des Versicherers. Und erwartet, dass die Fakten zu den Vorkommnissen der vergangenen Wochen auf den Tisch kommen. Denn es gehe um mehr als nur um die Ergo: Sie sieht den Ruf der gesamten Branche in Gefahr.

Mindestens 14.000 Kunden der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer wurden 2005 über die Kosten von Riester-Verträgen getäuscht. Quelle: dpa

Mindestens 14.000 Kunden der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer wurden 2005 über die Kosten von Riester-Verträgen getäuscht.

Frankfurt/BerlinVerbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) übt harsche Kritik am Krisenmanagement der Versicherungsgruppe Ergo. „Es ist wirklich an der Zeit, dass der Konzern zu den zahlreichen Vorwürfen detailliert Stellung nimmt“, forderte Aigner den Versicherer und den Ergo-Eigentümer Munich Re im Gespräch mit dem Handelsblatt auf.

In den vergangenen Wochen sei der Eindruck entstanden, die Kunden und die Öffentlichkeit erhielten nur scheibchenweise und zum Teil auch noch widersprüchliche Informationen. „Diese Informationspolitik ist inakzeptabel, zumal es um den Versicherungsschutz und das Vermögen von vielen Tausend Versicherungsnehmern geht“, rügte die Verbraucherministerin.

Ergo war wegen einer Sex-Party von Vertretern der Hamburg-Mannheimer International (HMI) im Mai in die Schlagzeilen geraten. Daran hatten auch mindestens 20 Prostituierte teilgenommen. Mindestens 14000 Kunden der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer wurden 2005 über die Kosten von Riester-Verträgen getäuscht, räumte Ergo später ein. Zudem wurde bekannt, dass Vertreter der Ergo-Gesellschaft Victoria Kunden in überflüssige Unfallversicherungen drängten.

Aigner forderte das Management nun auf, für Klarheit und Transparenz zu sorgen, alle Vorwürfe rückhaltlos aufzuklären und die Fakten auf den Tisch zu legen. „Hier geht es nicht nur um einen einzelnen Konzern, hier steht mittlerweile auch die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche auf dem Spiel“, sagte Aigner.

Kommentare (8)

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Bernhard65

23.06.2011, 20:31 Uhr

Der eigentliche Skandal ist die Intransparenz von Finanzprodukten. Wie transparent ist eigentlich ein Produkt bei dem zigtausende von Anlegern zu hohe Gebühren zahlen und es nicht bemerken? Eine Lösung: Provisionen ausweisen und gesondert unterschreiben. Das würde dann so manchem Anleger die Augen öffnen. Mit klassischen Fonds von Deka, UnionInvestment, DWS usw. wird das gleiche Spiel getrieben. Unter www.fonds-etf.de findet sich ein Vergleichsrechner der aufzeigt wie Banken mit diesen Fonds hohe Provisionen erzielen, meist ohne das es die Anleger bemerken.

rieksmeier

24.06.2011, 10:08 Uhr

Zu ERGO: Das Ganze entwickelt sich zu einer ausufernden Kommunikations-Katastrophe.Aus Erfahrungen (und Hinweisen!) der letzten vier Wochen hätte ERGO tatsächliche und kommunikative Konsequenzen ziehen müssen. Wo ist die Hotline für Kunden? Wo ist die Ansprache an die Kunden? Bisher wurde nur über die Preseabteilung für die Presse und über Email für die Mitarbeiter kommuniziert.

Zur Sache: Der "Erklärungsnotstand Altersvorsorge" ist bereits als Buch erschienen und schildert den finanziellen Analphabetismus in Deutschland - auf unterschiedliche Art, auf beiden Seiten. Die einen erklären es falsch, die anderen interessieren sich nicht.

Schuetz

24.06.2011, 14:51 Uhr

Boulevard-Trash mit Neidfaktor und Katastrophen-Rethorik. Interessant vor allem als Lektion in Sachen "Moralbegriff" und "Journalismus" in Deutschland.

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