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27.07.2011

10:54 Uhr

Skandal-Versicherung

Ergo trickste auch bei Betriebsrenten

VonSönke Iwersen

ExklusivErneut kommen unlautere Praktiken der Versicherung ans Licht: Die Vertreter haben Mitarbeitern von Unternehmen günstige Sondertarife vorenthalten, um saftige Provisionen zu kassieren.

Eine Fahne weht in Düsseldorf vor der Ergo-Zentrale. Quelle: dapd

Eine Fahne weht in Düsseldorf vor der Ergo-Zentrale.

DüsseldorfVertreter der Ergo-Versicherung haben offenbar das Vertrauen ihrer Geschäftspartner missbraucht und betriebliche Rentenversicherungen zu Ungunsten der Kunden abgeschlossen. Diese Täuschung geschah dort, wo ihre Opfer sich sicher fühlten - an ihrem eigenen Arbeitsplatz.

Der Trick mit den Betriebsrenten funktionierte so: Ergo bot Rahmenverträge mit günstigen Konditionen für die Mitarbeiter einer Firma an, die Unternehmen informierten die Belegschaft über das vermeintliche Sonderangebot und ließen die Ergo-Vertreter in ihre Räume. Doch die Vertreter boten in Einzelgesprächen mit den Beschäftigten der Firmen keineswegs ihre attraktiven Sondertarife an, sondern die üblichen Versicherungspolicen mit den deutlich ungünstigeren Konditionen.

"Der Rahmenvertrag war wie ein trojanisches Pferd", sagt ein langjähriger Generalvertreter der Ergo. "Wenn der Vertreter erstmal durch die Tür war, hat er die ausgehandelten Konditionen einfach ignoriert." Die Gründe für dieses Verhalten liegen im Provisionssystem von Ergo: "Weil ein Vertreter für einen Vertrag im Großunternehmen vielleicht 150 Euro Provision bekam. Und für einen Einzelvertrag kassierte er bis zu 1000 Euro." Damit wurde das Anreizsystem auf den Kopf gestellt. In der Theorie sollten alle Beteiligten Vorteile von den Rahmenverträgen haben, und nicht nur der Versicherer und seine Vertreter. Das Prinzip: Je größer der Vertragspartner, desto bessere Konditionen bietet Ergo dessen Mitarbeitern an.

Weil der Versicherer und der Vertreter mit wenig Aufwand massenweise Verträge abschlossen, verzichteten sie auf Verwaltungskosten und Provision. Das ist das Grundprinzip derartiger Kollektivverträge, die nahezu alle großen Versicherer anbieten.

Kommentare (21)

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asamoah

27.07.2011, 11:18 Uhr

Es wird ja immer schlimmer! Dieses - an systematischen Betrug erinnernde - Fehlverhalten können die Herren Oletzky und von Bomhard nicht auf einzelne Vertreter abschieben. Das sind eindeutige Organisations- und Kontrolldefizite, welche nur auf die überhöhten Renditevorgaben der Ergo zurückzuführen sind. Diese Vorgaben kann man nicht im Agenturgeschäft mit Laufkundschaft erfüllen. Viel schlimmer ist aber noch, dass große B2B Kunden über Jahre hinweg wohl systematisch getäuscht wurden. Die Diskrepanz zwischen Versprechungen und Vertrag hätten dem Backoffice sofort auffallen müssen. M.E. gehören die verantwortlichen Einheiten abgewickelt und sämtliche in Rede stehenden Verträge storniert. Hier sollten aber auch die mitverantwortlichen Wirtschaftsprüfer und Berater und Aufsichtsbehörden in die Haftung genommen werden. Es kann nicht sein, dass solche schwerwiegenden systematischen Verfehlungen niemandem auffallen. Dann besser gar keine Aufsicht. Auf den Abschlussbericht der BaFin zur HMI/Ergo freue ich mich schon jetzt.

hdwg

27.07.2011, 11:23 Uhr

Wenn dies so stimmt, dann gehört es strafrechtlich verfolgt. Organisierter Bandenbetrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung, was auch immer. Und diese Versicherung gehört vom Markt entfernt.
Allerdings ist zu befürchten, daß alle anderen versicherungen es genau so gemacht haben, die ERGO wurde bisher nur als einzige erwischt.

Charbonnier

27.07.2011, 11:34 Uhr

Diesem ehrlosen Gesindel gehört das Handwerk gelegt!

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