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27.07.2011

06:40 Uhr

Skandal-Versicherung

Ergo trickste bei Betriebsrenten

ExklusivErneut kommen unlautere Praktiken der Versicherung ans Licht: Die Vertreter haben Mitarbeitern von Unternehmen günstige Sondertarife vorenthalten, um saftige Provisionen zu kassieren.

Gebäude der Ergo-Versicherungsgruppe in Düsseldorf. Quelle: dpa

Gebäude der Ergo-Versicherungsgruppe in Düsseldorf.

DüsseldorfVertreter der Ergo-Versicherung haben offenbar betriebliche Rentenversicherungen zu Ungunsten der Kunden abgeschlossen.  Ergo bot zunächst  - wie allgemein üblich - deutschen Unternehmen  Rahmenverträge mit günstigen Konditionen für die Mitarbeiter einer Firma an. Die Unternehmen informierten daraufhin ihre Mitarbeiter über das vermeintliche Sonderangebot. Doch in den Einzelgesprächen mit den Beschäftigten der Firmen boten die Ergo-Vertreter in zahlreichen Fällen keineswegs die attraktiven Sondertarife an, sondern die üblichen Versicherungspolicen mit den deutlich ungünstigeren Konditionen.

„Der Rahmenvertrag war wie ein trojanisches Pferd", sagt ein langjähriger Generalvertreter der Ergo dem Handelsblatt. „Wenn der Vertreter erstmal durch die Tür war, hat er die ausgehandelten Konditionen einfach ignoriert.“ Die Gründe für dieses Verhalten liegen im Provisionssystem von Ergo: „Weil ein Vertreter für einen Vertrag im Großunternehmen vielleicht 150 Euro Provision bekam. Und für einen Einzelvertrag kassierte er bis zu 1000 Euro.“

„Unsere Task-Force hat dieses Problem vor einigen Wochen identifiziert“, bestätigte Ergo-Sprecher Alexander Becker dem Handelsblatt: Ergo habe mehr als 20.000 solcher Kollektivverträge mit Unternehmen. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass es bei 160 Unternehmen Auffälligkeiten gegeben habe.

Die Zahl der betroffenen Versicherungsnehmer ist unbekannt. Da aber Ergo auch Unternehmen mit 50.000 Mitarbeitern und mehr mit solchen Kollektivverträgen versichert hat, sind womöglich Hunderttausende von Betriebsrenten betroffen. Insgesamt nahm Ergo allein 2010 auf diesem Geschäftsfeld 1,1 Milliarden Euro ein.

Der Versicherung muss das Fehlverhalten ihrer Vertreter seit Jahren bekannt sein. So meldete sich eine Geschäftsstelle in Bremen schon 2007 bei der Zentrale, um auf zu Ungunsten der Kunden ausgestellte Policen hinzuweisen. Beim Bremer Gebäudetechnik-Anbieter Cordes & Graefe, einem Unternehmen mit 14.000 Mitarbeitern, schrieben Ergo-Vertreter Verträge, als gäbe es gar keinen Rahmenvertrag, sondern als hätten sie den Mitarbeitern Einzelverträge verkauft.

Einzelne Vertreter rechtfertigten ihr Tun gegenüber dem Handelsblatt mit den zu niedrig angesetzten Provisionen bei Großunternehmen. Um die Aufträge abzuarbeiten wurden Vertreter teils aus weiter Entfernung geholt – sie mussten ihre Kosten selbst zahlen. „Mit 150 Euro pro Vertrag kommt man da nicht hin“, sagte ein Vertreter. „Also hat man sich geholfen. Und weil die Zentrale jeden Vertrag gesehen hat, war doch klar: So lange es der Kunde nicht merkt, ist alles okay.“

Von

iw

Kommentare (10)

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Thomas

27.07.2011, 06:53 Uhr

Wer wundert sich den da noch? Versicherungen und Banken bescheißen und Lügen um ein paar € mehr zu verdienen. Das gleiche machen Unternehmen. Unsere Politiker schauen zu. Warum? Das kann man sich vielleicht denken. Solange unser denken nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist, wird sich nichts ändern.

magigstar

27.07.2011, 09:14 Uhr

Deckt alles auf. Es wird sicherlich noch mehr geben. Auch die Ergo an sich sollte daran arbeiten. Wer seine eigenen Schwächen aufdeckt kann stark werden. Das ist der richtige Weg.

awtwahl

27.07.2011, 09:40 Uhr

die schlechten "Vertreter" werden gefeuert und jeder ueber
durchschnittliche Mitarbeiter weiss vom Unternhemen soviel,
dass "feuern" unerwuenscht ist, das ist nicht nur bei der
ERGO so,

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