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28.07.2011

18:00 Uhr

Skandal-Versicherung

Verbraucherschützer kritisieren Ergo

VonSönke Iwersen

Ergo-Vertreter haben betriebliche Altersvorsorgeverträge zum Nachteil der Kunden abgeschlossen. Der Bund der Versicherten reagiert empört. Es ist nicht das erste Mal, dass unlautere Praktiken ans Licht kommen.

Schild vor der Ergo-Zentrale in Düsseldorf. Quelle: dpa

Schild vor der Ergo-Zentrale in Düsseldorf.

DüsseldorfDer Bund der Versicherten und der Bundesverband der Verbraucherzentralen haben schockiert auf die neuen Enthüllungen bei der Ergo Versicherung reagiert. „Es ist unbegreiflich für mich, dass der Konzern offensichtlich glaubte, diese Dinge für immer unter der Decke halten zu können“, sagte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied beim Bund der Versicherten dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). „Es wird nicht lange dauern, bis man wieder sagt: Die Dinge waren uns bekannt. Und es ist schlimm, dass man jahrelang nichts dagegen getan hat.“

Nach Informationen des Handelsblatts haben Ergo-Vertreter betriebliche Altersvorsorgeverträge zum Nachteil der Kunden abgeschlossen. Obwohl Ergo mit Unternehmen Rahmenverträge mit Sonderkonditionen für die Versicherten vereinbart hatte, verkauften ihre Vertreter Einzelpolicen. Dafür konnten sie höhere Provisionen einstreichen. Welche Summe sich die Vertreter auf diese Weise verschafften, ist unklar. Ergo teilte mit, eine eingerichtete Task-Force prüfe die Fälle.

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Erneut kommen unlautere Praktiken der Versicherung ans Licht: Die Vertreter haben Mitarbeitern von Unternehmen günstige Sondertarife vorenthalten, um saftige Provisionen zu kassieren.

Verbraucherschützer sehen in dem aktuellen Vorfall ein Versagen der internen und externen Aufsicht. „Das muss doch jemandem bei Ergo aufgefallen sein, dass massenhaft Verträge mit falschen Konditionen geschlossen wurden“, sagte Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der Verbraucherschützer fordert eine Abschaffung des geltenden Provisionssystem: „Es muss eine Deckelung der Provisionen geben. Mit der gängigen Praxis werden doch die Anreize völlig falsch gesetzt.“

Marktführer Allianz teilte mit, bei ihm gelte dieses Prinzip bereits. „Die Provision für den Vermittler im Altersvorsorge-Geschäft ist immer fix“, sagte Unternehmenssprecher Udo Rössler. Die Allianz könne deshalb ähnliche Vorkommnisse wie bei Ergo für sich ausschließen.

Ergo hatte am Mittwoch bestätigt, dass es nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen 160 Unternehmen gibt, bei deren Mitarbeitern Verträge geschlossen wurden, die nicht der Größe des Unternehmens entsprachen. Hierfür könne es jedoch gute Gründe geben. Die Prüfung dauere an

Unklar ist, wie viele Versicherte geschädigt sind. Ein Unternehmenssprecher sagte, man prüfe, ob die Beratung zum Nachteil des Kunden gewesen sei. Da Ergo auch Unternehmen mit mehreren zehntausend Mitarbeitern unter Vertrag hat, sind potenziell Hunderttausende von Versicherten betroffen.

 

Kommentare (13)

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asamoah

28.07.2011, 11:51 Uhr

1. Wenn Oletzky genausoviel Geld in die Durchsetzung von fairen und aufrichtigen Beratungsstandards gesteckt hätte, wie in seine lächerlich verpuffte Marketingkampagne, dann wäre all das nicht passiert.
2. Das sträflich unterlassene Aufräumen geschah m.E. nur, damit Oletzky seine sportlichen Ziele aus der Agenda 2012 doch noch erreichen konnte - auf Kosten der Kunden.
3. Was für eine lächerliche Task Force muss das sein, wenn die seit Monaten - und tw. seit Jahren - in Rede stehenden Vorfälle nicht überprüft werden können?
4. Die Geschäftsdokumentation scheint jedenfalls eher Verschleierung von Mißständen zuzulassen, als eine Aufarbeitung und Korrektur zu ermöglichen.
5. Der gesamte Ergo AR unter von Bomhards Führung hätte sich nicht nur auf Oletzkys forsche Versprechungen verlassen müssen, sondern selbst mal deren Einhaltung überprüfen sollen. Kann ja nicht angehen, dass selbst die Aufsichtsratsmitglieder nicht mal ansatzweise eine Ahnung davon haben, was in dem Laden vor sich geht.
6. Der Münchener Rück kam das alles natürlich nicht ungelegen- weil mit dem vermeintlich stabilen Ergebnisbringer der Ergo die Schwankungen aus dem Rückversicherungsgeschäft ausgeglichen werden können.
7. Würde mich mal interessieren, ob der Ergo Aufsichtsrat auch nur einmal ernsthaft und eigenständig die Mißstände im Laden überprüft hat, oder ob man sich immer nur blind auf Oletzky verlassen hat.
8. Die Münchener Rück sollte sich ein Beispiel an Siemens und MAN nehmen und Ergo mal ordentlich von Debevoise prüfen lassen. Dann ist wenigstens Schluss mit der Vertuschung. Das erwarten die Kunden und der Kapitalmarkt. Ergo kriegts ja selber nicht hin. Eine glaubwürdige und ernstzunehmende Aufarbeitung der in Rede stehenden Skandale kann auch ruhig mehr kosten als eine unglaubwürdige, alles nur verschlimmernde, Marketingkampagne. Oletzkys und vom Bomhards Salami-Taktik macht alles nur noch schlimmer.

Account gelöscht!

28.07.2011, 12:19 Uhr

asamoah, Ihr Anliegen ist ja nun auch schon hier mehrfach gepostet worden und man kennt mittlerweile Ihre Einstellung. Man könnte jetzt auf jeden Ihrer Punkte einzeln eingehen, aufgrund der doch streckenweise fehlenden Sachlichkeit, würde aber nach meiner Ansicht nach in Ihren Augen nichts bringen, stimmts.

Account gelöscht!

28.07.2011, 12:20 Uhr

asamoah, Ihr Anliegen ist ja nun auch schon hier mehrfach gepostet worden und man kennt mittlerweile Ihre Einstellung. Man könnte jetzt auf jeden Ihrer Punkte einzeln eingehen, aufgrund der doch streckenweise fehlenden Sachlichkeit, würde aber nach meiner Ansicht nach in Ihren Augen nichts bringen, stimmts.

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