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09.01.2013

22:35 Uhr

Staatshilfe

AIG lässt die Finger von Klage gegen US-Regierung

Mit 182 Milliarden Dollar haben die USA den Versicherungsriesen AIG vor der Pleite gerettet. Ein Aktionär von AIG fand die Bedingungen unfair und klagte. Der Konzern selbst schließt sich dem nun aber nicht an.

Erst Staatshilfe, dann Schadensersatzklage? Daran beteiligt sich AIG nun doch nicht. dapd

Erst Staatshilfe, dann Schadensersatzklage? Daran beteiligt sich AIG nun doch nicht.

New YorkDer Respekt vor dem Volkszorn war offenbar zu groß: Die Versicherungsgesellschaft AIG wird sich einer Schadenersatzklage ihrer Aktionäre gegen die US-Regierung entgegen ersten Erwägungen nun doch nicht anschließen.

Der mögliche Schritt hatte den Zorn von Steuerzahlern und Politikern erregt, da das Unternehmen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 mit einer Milliardenspritze der öffentlichen Hand gerettet worden war. Nun verkündete Aufsichtsrats-Chef Robert Miller den Rückzieher und Verzicht auf rechtliche Schritte.

Der Verwaltungsrat des Konzerns entschied am Mittwoch, sich nicht einer 25 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) schweren Klage wegen einer möglichen Benachteiligung von Aktionären anzuschließen. Hinter der Klage stehen der frühere AIG-Chef Maurice Greenberg und seine Firma Starr International, die vor der Teilverstaatlichung größter Anteilseigner des Versicherers gewesen war. Heute hält er nur noch einen kleinen Teil der Aktien.

AIG war gesetzlich dazu verpflichtet, eine Beteiligung an der Klage von Greenberg in Erwägung zu ziehen.

Der Verwaltungsrat von AIG weise die Forderung von Starr International, sich an der Klage gegen die Regierung zu beteiligen, "vollständig" zurück, hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung. Der Konzern werde weder selbst Ansprüche auf Schadenersatz geltend machen noch Starr erlauben, dies im Namen von AIG zu tun.

„Es ist gesellschaftlich nicht akzeptabel, wenn AIG das Geld nimmt und danach die Regierung verklagt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Robert Benmosche, dem Fernsehsender CNBC. "Ein Deal ist ein Deal." Auf lange Sicht fahre AIG besser ohne den "Gegenwind" einer Klage, sagte Benmosche weiter. Das Unternehmen solle in die Zukunft sehen, nicht in die Vergangenheit.

Das Milliardengrab AIG

2007:

Vor der Krise war AIG Ende 2007 mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Dollar der größte Versicherer der Welt. Zum Vergleich: Die Allianz-Gruppe hatte zur gleichen Zeit einen Marktwert von 85 Milliarden Dollar, die Axa-Gruppe von 70 Milliarden Dollar. Mit über 100.000 Mitarbeitern und Vermögenswerten im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar schien AIG nahezu unantastbar.    

2008:

Für das 4. Quartal 2007 muss AIG als Folge der Subprime-Krise rund 11 Milliarden  Dollar auf das Kreditversicherungsportfolio abschreiben. Der Versicherer fährt einen Quartalsverlust von 5,3 Milliarden Dollar ein.

14. September 2008:

AIG bittet die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar, um die sonst drohende Abstufung des AIG-Ratings zu verhindern.

16. September 2008:

Die Fed gewährt dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug übernimmt der Staat fast 80 Prozent der AIG-Anteile.

9. Oktober 2008:

AIG bekommt weitere Rettungsgelder vom US-Staat im Wert von 37,8 Milliarden Dollar. Als Sicherheit erhält die Fed festverzinsliche Anleihen im gleichen Wert.

Dezember 2008:

Der Verkauf profitabler AIG-Teile geht voran. Am 22. Dezember 2008 kauft beispielsweise die Münchener Rück den Spezialversicherer HSB Group, einen der Marktführer bei Versicherungen gegen den Ausfall von Maschinen oder technischen Anlagen.

März 2009:

Der Versicherer meldet mit minus 61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust eines amerikanischen Unternehmens aller Zeiten. Wieder muss der Staat ran: Diesmal gibt es bis zu 30 Milliarden Dollar, dafür bekommt der Staat Anteile an lukrativen Unternehmenssparten von AIG. Im Gesamtjahr habe sich das Minus sogar auf 99,3 Milliarden Dollar belaufen.

Juli 2009:

Der Spiegel bezeichnet AIG als „Die gefährlichste Firma der Welt“ und veröffentlichte eine Titelgeschichte darüber, „Wie der amerikanische Versicherungskonzern AIG die Banken ins Risiko und die Finanzwelt fast in den Kollaps trieb“. 

März 2011:

Die amerikanischen Steuerzahler mussten mit 182 Milliarden Dollar einspringen - die teuerste Rettungsaktion in der Finanzkrise. Im November hatte das Finanzministerium das ausstehende Investment des Staates auf 120,6 Milliarden Dollar beziffert. Neben dem Ministerium hatte auch die US-Notenbank dem Versicherungskonzern unter die Arme gegriffen.

Ohne die Kapitalspritze wäre die Versicherungsgesellschaft in der Krise wohl implodiert, da sie sich tief in riskante Immobiliengeschäft verstrickt hatte. Ein US-Kongressabgeordneter hatte die Unternehmensführung daher mit den Worten "Denkt nicht einmal daran!" vor einer Klage gewarnt.

Kommentare (5)

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nobum

09.01.2013, 22:23 Uhr

Die Geschichte erinnert mich an die Pleitegeier von HRE/Depfa. Sie sind ebenfalls mit viel Steuergeld gerettet worden und es gab (gibt?) lange und teure Gerichtsverfahren (Flowers(?)).

Account gelöscht!

10.01.2013, 08:07 Uhr

Einen schönen guten Morgen in die Runde ...

Ganz offensichtlich hat das liebe Christkindchen vergangene Weihnacht in den USA mehr ἐγκέφαλος verschenkt als andernortes.

Das würde zumindest einiges erklären.

In diesem Sinne noch Ihnen allen einen schönen Tag und eine gute Restwoche
_____________________________
Ihr Versicherungsmaklerbureau

leser

10.01.2013, 08:40 Uhr

dito

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