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07.08.2014

09:47 Uhr

Steigender Gewinn

Munich Re verdient mehr mit Kapitalanlagen

Deutlicher Gewinnausbau: Die Munich Re hat sich mit Derivaten gegen niedrige Zinsen abgesichert. Davon profitiert das Unternehmen nun. Allerdings belasten einige Großschäden den Rückversicherer. Die Börse reagiert.

Versicherungsakte Münchener Rück: Sichere Anlagestrategie. Reuters

Versicherungsakte Münchener Rück: Sichere Anlagestrategie.

MünchenDie Munich Re hat mit ihren Kapitalanlagen überraschend viel verdient und deshalb den Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Der Überschuss kletterte um 42 Prozent auf 769 Millionen Euro, wie der weltgrößte Rückversicherer am Donnerstag mitteilte. Im Gesamtjahr geht das Unternehmen weiter von einem Gewinn von drei Milliarden Euro aus. Im Gegensatz zu den Konkurrenten Swiss Re und Hannover Rück mussten die Münchner im zweiten Quartal allerdings höhere Belastungen durch Großschäden verarbeiten. Münchener-Rück-Aktien verloren vorbörslich 1,8 Prozent.

Beim Abschluss neuer Rückversicherungsverträge verzichtete die Munich Re angesichts des harten Wettbewerbs auf mehr Geschäft als die Rivalen. In der Erneuerungsrunde zum 1. Juli ging das Prämienvolumen um gut sieben Prozent zurück, darin enthalten ist ein Preisrückgang von 3,6 Prozentpunkten. "Wir verzichten auf Umsatz in den von scharfem Wettbewerb bei Preisen und Bedingungen über Gebühr betroffenen Sparten und Regionen", sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard. Rückversicherer leiden unter der Billig-Konkurrenz von Hedgefonds und Pensionskassen, die auf der Jagd nach renditeträchtigen Investments verstärkt in Katastrophen-Anleihen investieren.

Bilanz 2013: Naturkatastrophen richten Millionenschäden an

Weniger Schäden...

Die durch Naturkatastrophen, Unglücke und Unfälle verursachten Kosten sind 2013 nach Angaben des Rückversicherers Swiss Re wieder gesunken. Der wirtschaftliche Gesamtschaden lag nach einer vorläufigen Studie bei 130 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Drittel weniger als 2012, dem drittteuersten Schadensjahr in der Geschichte. Versichert waren allerdings nur 44 Milliarden Dollar.

... aber mehr Tote

Die Zahl der Todesopfer durch Katastrophen stieg 2013 allerdings deutlich: Die Katastrophen forderten insgesamt etwa 25.000 Menschenleben, im Vorjahr waren es rund 14.000. Vor allem der Taifun Haiyan auf den Philippinen kostete viele Menschenleben.

Überflutungen in Europa...

Mehrere Überflutungen verursachten hohe Schäden. Die Überschwemmungen in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas im Juni etwa schlugen mit 18 Milliarden Dollar zu Buche, wovon die Versicherungsbranche 4 Milliarden Dollar trug. Nach Einschätzung der Swiss Re handelt es sich um die teuerste Katastrophe des Jahres 2013.

... und im Rest der Welt

Auch in der kanadischen Provinz Alberta traten Wasser über die Ufer und verursachten 2 Milliarden Dollar Versicherungsschäden – Platz 3 in der Swiss-Re-Statistik. Auch in Australien, Indien, China, Indonesien, im südlichen Afrika und in Argentinien kam es 2013 zu schweren Regenfällen und Überflutungen.

Hagel und Stürme in Europa

Diverse Stürme richteten in Europa schwere Schäden an. So fegte der Hagelsturm Andreas im Juli über Deutschland und Frankreich hinweg, die versicherten Schäden beziffert die Swiss Re auf 3,8 Milliarden Dollar – die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Sturmtief Christian richtete in Zentral- und Nordeuropa Versicherungsschäden von mehr als 2,7 Milliarden Dollar an (1,4 Milliarden Dollar Versicherungsschaden). Auch der Anfang Dezember tobende Orkan Xaver war teuer: mehr als 1,4 Milliarde Dollar versicherte Schäden.

Milde Hurrikan-Saison

Die Hurrikan-Saison in den USA fiel 2013 vergleichsweise mild aus, dafür kann es im Frühling und Herbst zu schweren Gewittern und Tornados. Die Schäden summieren sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Im zweiten Quartal konnte die Munich Re das jedoch wegstecken, da ihr Kapitalanlageergebnis um 65 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro nach oben schoss - deutlich stärker als von Analysten erwartet. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Münchener-Rück-Tochter Ergo sich mit Derivaten gegen niedrige Zinsen abgesichert hatte. Zudem spülten Aktienverkäufe dem Unternehmen dank der guten Entwicklung an den Börsen Geld in die Kasse. Trotz niedriger Zinsen konnte die Bayern im zweiten Quartal so eine Rendite von 4,5 Prozent erwirtschaften. Im Gesamtjahr geht der Konzern nun von rund 3,5 Prozent aus statt wie bisher von 3,3 Prozent.

Die Belastungen durch Großschäden stiegen bei der Munich Re dagegen leicht an auf 617 Millionen Euro. Dafür waren vor allem von Menschen verursachte Großschäden wie ein großer Feuerschaden in Russland verantwortlich. Zudem kostete ein Schneesturm in Japan im Februar, den die Münchener erst im zweiten Quartal verbuchten, das Unternehmen rund 180 Millionen Euro. In der Schaden- und Unfallrückversicherung geht der Konzern nun im Gesamtjahr von einer Schaden-Kosten-Quote von rund 95 (bislang: 94) Prozent aus.

Die Anleger haben Münchener Rück am Donnerstag aus ihren Depots geworfen. Die Aktien fielen um bis zu 5,2 Prozent auf 144,15 Euro, den niedrigsten Stand seit fast zehn Monaten. Sie waren damit schwächster Dax-Wert. Die Qualität des Ergebnisses sei auf den ersten Blick enttäuschend, schrieb DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel in einem Kommentar. Auch LBBW-Analyst Werner Schirmer stellte der Zwischenbericht nicht zufrieden: „Die Zahlen des zweiten Quartals fielen operativ deutlich schwächer aus als erwartet“, schrieb er in einer Kurz-Studie.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

07.08.2014, 09:09 Uhr

Alle, die vom Fach sind, wussten es. Nur die BAFin hat den Bundestagsabgeordneten zu deren Beratungen zum Lebensversicherungsreformgesetz das Gegenteil untergejubelt.

Bei einer solchen Nachrichtenlage kann der Bundespräsident das vorgenannte Gesetz nicht unterzeichnen.

Bei aller Schlampigkeit der Gesetzesvorbereitung hat man nicht einmal die grundgesetzlich vorgeschriebene Entschädigungsregelung für die anvisierte Enteignung im Lebensversicherungsreformgesetz eingearbeitet.

Jetzt besteht das Parlament schon aus Lehrern und Juristen und die sind nicht einmal in der Lage ein grundgesetzkonformes Gesetz zusammenzukleben. Aber sich eine monatliche Erhöhung ihrer Diäten zu genehmigen, die Harzt IV-ler nicht einmal insgesamt erhalten, das geht gar nicht.

Wer ordentlich arbeitet, soll ordentlich verdienen!

Herr Manfred Zimmer

11.08.2014, 11:26 Uhr

Wurde der Artikel "Munich Re verdient mehr mit Kapitalanlagen" im Zusammenhang mit dem Lebensversicherungsreformgesetz unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, dem Bundespräsidenten und der Präsidentin der BAFin, Frau König, schon vorgelesen?

Jeder, der einigermaßen mit Wirtschaftsprozessen und deren mathematischen Gesetzen vertraut ist, wusste dies zuvor.

Aber es ist immer wieder schön, wenn aus der Wirtschaft dies noch einmal bestätigt und den Bürgern aufgezeigt wird, wie sie von Politikern "um die Fichte" geführt werden.

Ein Skandal, der ausgemistet werden muss! Gäbe es einen ehrlichen Abgeordneten im Parlament, müsste er den Widerstand gegen Korruption anführen.

Herr Manfred Zimmer

12.08.2014, 13:03 Uhr

Zum besseren Verständnis der Situation:

Wikipedia:
"Elke König" ...
"1990 wechselte König zur Münchener-Rück-Gruppe. Dort leitete sie bis 2002 als Direktionsmitglied die Bereiche Rechnungswesen und Controlling. Von 2002 bis 2009 war König im Finanzvorstand der Hannover Rückversicherung AG und der E+S Rückversicherung AG in Hannover, von 2002 bis 2010 auch Beiratsmitglied bei der Hannover Finanz GmbH und ab 2006 Vorsitzende dieses Beirats" ...

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